Appell an die Bundesregierung: Mehr Mut und rasches Handeln bei künstlicher Intelligenz

Europas führende Initiative im Bereich angewandte künstliche Intelligenz, appliedAI, veröffentlicht mit 16 Unternehmen wie Google, SAP und Siemens ein gemeinsames Positionspapier – ihre Antwort auf die im Juni vorgestellten Eckpunkte der Bundesregierung für eine Strategie zur Förderung künstlicher Intelligenz.

Illustration: Absmeier, piro4D

In dem Positionspapier fordern die Verfasser insbesondere eine fokussierte Förderung weniger Leuchtturm-Zentren im Bereich KI. »Nur durch die Bündelung der Kräfte haben wir im internationalen Vergleich die nötige Schlagkraft und auch Visibilität«, konstatiert Dr. Andreas Liebl, Leiter von appliedAI. Eine breite Verteilung der Förderung nach dem Gießkannenprinzip sei deshalb zu Beginn nicht sinnvoll. Liebl betont: »Wir begrüßen ausdrücklich das Engagement der Bundesregierung mit ihrer KI-Strategie.« Aber für ihn sei jetzt schnelles Handeln gefragt: »Traut euch, die Eckpunkte jetzt umfassend umzusetzen! Sonst laufen wir Gefahr, wirtschaftlich und technologisch von den USA oder China abgehängt zu werden.« Eine Marke wie »KI Made in Germany« bliebe so nur Illusion.

 

Zu den wichtigsten Eckpunkten zählen für Liebl ein positives Zielbild für Deutschland und Europa, die gezielte Ausbildung von KI-Fachkräften und Anwendern, die Unterstützung von KI-Start-ups, die Förderung von Forschung und Transformationsprozessen in Unternehmen, Digitalisierung und KI an Schulen und Universitäten sowie eine bessere Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft. Außerdem müssten schnell rechtliche Rahmenbedingung für offene Datenpools und Testlabore geschaffen werden, die Forschung und Industrie gleichermaßen für KI-Anwendungen nutzen dürften.

 

Für sein Positionspapier hat Liebl führende Unternehmen wie Siemens, SAP oder Infineon hinter sich vereinen können. Sie alle unterstützen appliedAI bei dem Vorhaben, Deutschland ins KI-Zeitalter zu bringen.

 

So auch Dr. Wieland Holfelder, Vice President Engineering und Leiter des Entwicklungszentrums von Google in München: »Von entscheidender Bedeutung für Deutschland werden zwei Punkte sein: erstens ein grundlegend neuer Ansatz in Aus- und Weiterbildung auf allen Ebenen und zweitens das Erreichen einer effizienten Transferleistung der erstklassigen Forschungsergebnisse in die Lösungen und Produkte der Wirtschaft. Dies ist auch Ziel der Initiative appliedAI und deshalb freuen wir uns, bereits seit Anfang des Jahres aktiver Partner zu sein.«

 

Gerade in dieser geforderten raschen Anwendung von KI sieht Liebl die Stärke von appliedAI. »Das Besondere an unserer Initiative ist, dass wir schon jetzt ganz praktisch KI vermitteln und umsetzen. Deshalb können wir besonders praxisnahe Empfehlungen für die Umsetzung der KI-Strategie geben.« Experten von appliedAI haben im KI-Labor in Garching bereits über 100 Firmenmitarbeiter in Workshops ausgebildet, zahlreiche Kooperationen zwischen Start-ups und Unternehmen vermittelt und KI-Prototypen gebaut, sowie über 20.000 Personen erreicht. Als gemeinnützige Initiative bietet appliedAI außerdem KI-Wissen für alle. Zum Beispiel mit frei zugänglichen Datenbanken über die wichtigsten deutschen KI-Start-ups und Use Cases. So können etwa Firmen gezielt KI-Lösungen finden. Denn für viele Zwecke gibt es bereits gute KI-Software und Services von Start-ups auf dem Markt.

 

Zusätzlich profitiert appliedAI als Teil von UnternehmerTUM von einem einzigartigen Netzwerk aus Start-ups, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. In Europas führendem Zentrum für Gründung und Innovation werden jährlich rund 50 Technologie-Start-ups gegründet. Die Hälfte aller DAX-Konzerne arbeitet mit UnternehmerTUM zusammen. Und bekannte Start-ups wie Konux sind dank UnternehmerTUM bereits am Markt durchgestartet. Seit diesem Jahr hilft die Münchner Firma mit ihren KI-Sensoren der Deutschen Bahn beim Ausbau eines intelligenten Schienennetzes, das automatisch Schäden an Weichen oder Fahrzeugen erkennt.

 

Link zum Positionspapier: https://appliedai.de/position-paper/?utm_source=appliedAI&utm_campaign=e0c3d415f6-EMAIL_CAMPAIGN_2018_10_05_10_48&utm_medium=email&utm_term=0_0527abed13-e0c3d415f6-50567141

 

Unterzeichner des Positionspapieres:

  • Allianz SE: Markus Löffler, Group Chief Technology Officer
  • Deutsche Telekom AG: Thomas Kremer, Vorstand für Datenschutz, Recht und Compliance
  • GC Großhandels Contor GmbH: Stefan Läufer, Leiter Digitalisierung
  • Giesecke+Devrient GmbH: Ralf Wintergerst, Vorsitzender der Geschäftsführung
  • Google: Wieland Holfelder,Vice President Engineering & Site Lead Google Munich
  • Hoffmann GmbH Qualitätswerkzeuge
  • Infineon Technologies AG: Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender
  • Linde AG: Christian Bruch, Vorstand Engineering Division
  • Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft: Wolfgang Hauner,Chief Data Officer
  • NVIDIA: Walter Mundt-Blum,VP Strategic Alliance / EMEA
  • Porsche Consulting GmbH: Eberhard Weiblen, Geschäftsführer
  • Pure Storage: Carl McQuillan, VP Technical Services EMEA
  • Sandoz Deutschland / HEXAL AG: Matthias Weber, CFO; Piero Sciotto, Head Supply Chain und Prokurist
  • SAP SE: Bernd Leukert, Member of Executive Board, Products&Innovation
  • Siemens AG: Norbert Lütke-Entrup, Head of Technology & Innovation Management
  • Wacker Chemie AG: Dirk Ramhorst, CIO/CDO

 


 

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