Big Data Vendor Benchmarks in der Kategorie »Big Data Visualisierung/Dashboards«

Als einer der ersten Quadranten aus dem aktuellen »Experton Big Data Vendor Benchmark« wurde die Marktkategorie »Visualisierung und Reporting« erstellt.

Was nützt die beste Analyse, wenn das Ergebnis den betei­ligten Mitar­bei­tern nicht veran­schau­licht werden kann? Deswegen haben einige Anbieter einen enormen Aufwand in die Entwick­lung von Dashboard- und anderen Visualisierungs-Tools gesteckt. Teilweise steht hinter dieser Visua­li­sie­rungs­schicht auch eine komplette Analyse-Software, die sich auf die verschie­denen Darstel­lungs­op­tionen (Diagramme, Charts, Tabellen) konzen­trieren oder komplexe Analysen auf einem entspre­chend ausge­stat­teten Cluster laufen lassen kann. Ein Merkmal der Funktionen für die Visua­li­sie­rung von Daten ist die Darstel­lung auf nahezu belie­bigen Endge­räten. In dieser Kategorie werden Software­an­bieter bewertet, die sich auf die Darstel­lungs­schicht spezia­li­siert haben.

Anbieter in dieser Kategorie haben oft eine Verbin­dung zu Business-Intelligence-Lösungen in der Ausprä­gung als Self-Service-BI-Tools. Komplexe Analysen erzeugen komplexe Erkennt­nisse, auf die neue Anwen­der­gruppen zugreifen. Waren Analy­se­er­geb­nisse früher überwie­gend an Finance & Control­ling sowie die Geschäfts­füh­rung sowie spezi­fi­sche Fachab­tei­lungen adres­siert, sind jetzt mögli­cher­weise hunderte Mitar­beiter aus der gesamten Liefer­kette an den verständ­lich darge­stellten Analy­se­er­geb­nissen inter­es­siert.

Ohne die Vermitt­lung funda­men­taler Kennt­nisse über die Darstel­lung der Infor­ma­tionen, die in großen Daten­mengen stecken, durch die Anbieter der entspre­chenden Lösungen werden sich Data Scien­tists und Data Artists mittel­fristig in Deutsch­land nicht in der gewünschten Menge quali­fi­zieren.

Gegen­über dem Vorjahres-Benchmark nicht geändert hat sich die Situa­tion, dass sich einige Anbieter noch immer überwie­gend im Multiterabyte-Bereich bewegen, was die Daten­mengen betrifft, die von ihren Lösungen bewäl­tigt werden können. Daneben gibt es Anbieter, die sehr gut darauf spezia­li­siert sind, handhab­bare Ausschnitte aus sehr großen Daten­mengen anzufer­tigen. Das bedeutet, dass die Anwender immer noch gefor­dert sind, den Lösungs­an­satz und das Nutzen­ver­spre­chen genau zu hinter­fragen, wenn die Anbieter erklären, dass ihre Big-Data-Lösung komplett eigen­ständig auf einem Tablet oder PC lauffähig ist.

Bewer­tungs­kri­te­rien für Big-Data-Syndizierung, -Visua­li­sie­rung, -Reporting 

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Referenzen und das Engage­ment in Deutsch­land im Betrach­tungs­zeit­raum spielten in dieser Kategorie in diesem Jahr eine große Rolle. Gesamt­lö­sung, Unter­neh­mens­auf­tritt, Market Approach und Techno­logie, insbe­son­dere der Big-Data-Charakter der Techno­logie, sind wichtige Bewer­tungs­kri­te­rien in dieser Kategorie. Nicht so stark wie im Vorjahr wurde die Vision bewertet. Etwas stärker wurde gewichtet, ob die Strate­gien der Unter­nehmen von diesen auch umgesetzt werden. In das Scoring einbe­zogen wurde, ob es sich um offene oder proprie­täre Lösungen handelt und wie vollständig das Offering auf dem Weg von der Darstel­lung der zu analy­sie­renden Daten bis zur Ausspie­lung in eine Organi­sa­tion ist.

Die Wettbe­werbs­stärke eines Anbie­ters in diesem Markt wird unter anderem davon beein­flusst, wie unabhängig die lokalen Organi­sa­tionen von den weltweiten Haupt­quar­tieren agieren können. Hier gibt es teilweise eklatante Unter­schiede zwischen nahezu vollstän­diger Weisungs­ge­bun­den­heit in Produkt- und Marketing-Angelegenheiten sowie den finan­zi­ellen Vorgaben bis hin zu weitge­hend frei agierenden Unter­nehmen. Die Selbstän­dig­keit bzw. Unabhän­gig­keit des Unter­neh­mens in Deutsch­land spielt natür­lich eine Rolle, wenn es darum geht, die Lösungen auf die Bedarfe der Anwender hierzu­lande zuzuschneiden.

Big-Data-Lösungsanbieter, die den Gedanken des Self-Service BI propa­gieren, sind auf An­wender mit einem sehr hohen Grad an Domänen­wissen angewiesen, wenn die Software den gewünschten Zweck, nämlich möglichst die Findung neuer daten­ge­trie­bener Geschäfts­mo­delle zu unter­stützen, errei­chen soll. Beratung, Schulung und Support gehören zu den stärker gewich­teten Krite­rien dieser Kategorie.

Einige Anbieter in dieser Kategorie verfügen bereits über ein ausge­prägtes Schulungs- und Service-Offering. Das ist bei einem so schulungs­in­ten­siven Thema wichtig. Falls die eigenen Ressourcen nicht ausrei­chen, benötigen die Software­an­bieter Schulungs­partner vor Ort, nicht nur für Vorbereitungs-Workshops, sondern auch für das tiefe Eintau­chen in die Materie der großen Daten.

Referenzen und Schulungs­pro­gramme für Mitar­beiter sowie für Kunden sind ebenso essen­ziell wie die Erkenn­bar­keit von Methoden bei der Einfüh­rung der Lösung. Die Big-Data-Thematik ist zu komplex, um mit (durchaus attrak­tiven) Tools für Diagramme »out-of-the-box« hier wirklich neue daten­ge­trie­bene Geschäfts­mo­delle zu schaffen.

Weitere bewer­tete Krite­rien sind die techni­schen Funktionen und gegebe­nen­falls vorhan­dene analy­ti­sche (BI/BA-) Funktionen, die Rückkopp­lung zu BI/BA-Anwendungen und Daten­banken und Funktio­na­li­täten für die möglichst native Verar­bei­tung von ganz unter­schied­li­chen Quellen (wobei vielfach das CSV-Format dominiert). Außerdem wurde mitbe­trachtet, wie plattform-, datenbank- und datei­sys­tem­über­grei­fend die Lösungen für die Visua­li­sie­rung, das Reporting und die Ausspie­lung sind.

In die Bewer­tung der Wettbe­werbs­stärke der Anbieter flossen die Erkennt­nisse über Partner­schaften, die wirtschaft­liche Lage und die Markt­ent­wick­lung des Unter­neh­mens allge­mein sowie spezi­fisch auf die Visua­li­sie­rungs­lö­sungen bezogen ein.

Bewer­tung einzelner Anbieter

Von den neunzehn bewer­teten Unter­nehmen konnten sich Blue Yonder, Datameer, Empolis, Micro­soft Infor­ma­ti­on­Ma­nage­ment, Qlik, Tableau im der Gruppe der Leader platzieren. Combit wurde zum »Rising Star« ernannt.

grafik experton big data visualisierung

Abbil­dung: Positio­nie­rung der Anbieter in der Kategorie »Big-Data-Visualisierung/Dashboard« in Deutsch­land. Quelle: Experton Group AG, 2015.

Micro­soft ist das wettbe­werbs­stärkste Unter­nehmen in dieser Kategorie. Was einst mit Excel begann, dient als Vorbild für viele Tools anderer Anbieter und war der Grund­stein für die heutigen Visua­li­sie­rungs­tools, einschließ­lich Excel, von Micro­soft. Das Unter­nehmen ist in Deutsch­land überaus aktiv, auch mit seiner Überzeu­gungs­ar­beit für neue daten­ge­trie­bene Geschäfts­mo­delle. Excel ist immer noch eines der wichtigsten Tools für die Präsen­ta­ti­ons­schicht der zugrund­lie­genden Analy­sel­ö­sungen, Daten­banken und Data Wareh­ouses von Micro­soft und unabhän­gigen Software­her­stel­lern. Bei vielen Darstel­lungs­formen definiert das Office-Tool den Indus­trie­stan­dard für die Aussa­ge­fä­hig­keit von Diagrammen. Ergän­zend gibt es Tools für Self-Service BI und für die gemein­same Nutzung von Daten. Alle Microsoft-Lösungen sind hochgradig integriert und kombi­nierbar.

Empolis Infor­ma­tion Manage­ment bietet für seine IAS-Plattform leistungs­fä­hige Visualisierungs-Tools an. Außerdem lassen sich durch den offenen Charakter der Lösungen verschie­dene Reports und Charts mit vergleichs­weise geringem Aufwand integrieren. Liegt der Schwer­punkt der Analyse auf der Entde­ckung seman­ti­scher Korre­la­tionen, so ist die Ergeb­nis­dar­stel­lung verständ­lich und klar. Die Mitar­beiter werden regel­mäßig weiter­ge­bildet und es gibt eine planmä­ßige Freistel­lung für die Weiter­bil­dung sowie den Besuch von Fachta­gungen. Damit belegt Empolis sowohl in der Portfolio-Attraktivität als auch in der Wettbe­werbs­stärke eine Position deutlich über der 50-Prozent-Linie im Leader-Quadranten. Empolis konnte neue Kunden­re­fe­renzen in Deutsch­land im Bewer­tungs­zeit­raum nennen; und das Unter­nehmen ist wirtschaft­lich unabhängig und rückt zuneh­mend in den Fokus von Inves­toren.

Blue Yonder gilt weiterhin als Trend­setter für Prognosen, wie sie vor allem im Handel benötigt werden, wo das Unter­nehmen dementspre­chend die meisten Referenzen nennt. Blue Yonder konnte trotz der geschärften Krite­rien, insbe­son­dere durch eine deutlich erkenn­bare techni­sche Weiter­ent­wick­lung, neue Kunden und die Stärke bei der Umset­zung der Unter­neh­mens­stra­tegie auch in der Kategorie für die Lösungen zur Visua­li­sie­rung und für das Reporting von großen Daten­mengen den Platz im Leader-Quadranten vertei­digen. Die Software ist technisch fundiert. Sie wird mit dem branchen­spe­zi­fi­schen Know-how vermarktet, das die Anwender benötigen und fordern, was wiederum durch den Erfolg des Unter­neh­mens bei großen und mittleren Handels­un­ter­nehmen aus Deutsch­land bestä­tigt wird.

Tableau verfolgt einen sehr eigen­stän­digen Ansatz für seine Software mit dem Ziel, die Anwender aus möglichst vielen Sachge­bieten mit einer Lösung zur Analyse und zum fast schon spiele­ri­schen Umgang mit Daten zu befähigen. Für diese Kategorie wurde vor allem das Desktop-Produkt betrachtet, wobei die weiteren Lösungen hinsicht­lich der Vollstän­dig­keit des Produkt­port­fo­lios positiv in die Bewer­tung einflossen. Der hohe Bekannt­heits­grad und die häufige Nennung von Tableau bei gestützten und ungestützten Kunden­be­fra­gungen trugen ebenfalls zur positiven Bewer­tung bei. Der »Jedermann«-Ansatz bringt dem Unter­nehmen die entschei­dende Diffe­ren­zie­rung bei der Portfolio-Attraktivität. Tableau gilt aus der Sicht der Experton Group zu Recht als Techno­lo­gie­führer.

Qlik hat verschie­dene Techno­lo­gien, die auf das Visua­li­sieren von Daten im Umfeld tradi­tio­neller Business-Intelligence- und Business-Analytics-Lösungen abzielen und dort eine sehr hohe Wertschät­zung im Markt genießen. Das Unter­nehmen ist in Deutsch­land solide reprä­sen­tiert, und die Partner­schaften und Kunden­re­fe­renzen unter­stützen die Positio­nie­rung im Leader-Quadranten dieser Kategorie.

Erstmals im Leader-Quadranten in dieser Kategorie ist Datameer aus Halle aufge­führt. Auf die Einord­nung in der Gruppe der Leader wirkten sich unter anderem das deutsche Manage­ment, der Entwick­lungs­standort, die Funktio­na­lität und das Feedback aus dem Markt aus. Das Angebot des zu den Big-Data-Pionieren gehörenden Unter­neh­mens rundet sich immer mehr ab.

Zum »Rising Star« – also einem Unter­nehmen, das nach unserem Eindruck das Poten­zial aufweist, in abseh­barer Zeit zum »Leader« aufzu­steigen - wurde Combit aus Konstanz gekürt. Zu den Stärken, die für diese Kategorie relevant sind, gehört die Fähig­keit, Daten aus vielen unter­schied­li­chen Quellen zu visua­li­sieren. Auch die Ausspie­lung der Infor­ma­tionen an eine größere Gruppe von Betei­ligten als im klassi­schen BI/BA wird von Combit unter­stützt. Das Unter­nehmen findet seine Big-Data-Kunden vor allem in den Berei­chen Control­ling, Vertrieb und Logistik. Der weitere Ausbau der Vertriebs­part­ner­land­schaft und die konse­quente Kunden­ori­en­tie­rung sind Faktoren, die die Positio­nie­rung des Unter­neh­mens positiv beein­flussen.

Auch ein Unter­nehmen, das über einhun­dert Jahre im Markt der Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung aktiv ist, kann noch Neues entwi­ckeln und damit auch in einer der Katego­rien des Big Data Vendor Bench­marks zum ersten Mal bewertet werden. Dies ist bei IBM mit Watson Analytics der Fall. Watson Analytics kombi­niert die Konzepte des Self-Service BI ‑ darunter das schnelle und komfor­table Erzeugen von Charts und Diagrammen ‑ mit den Vorzügen einer komple­xeren Daten­ana­lyse in der Cloud. Das erste Produkt-Release wurde etwa in der Mitte des Bewer­tungs­zeit­raums dieser Studie auf den Markt gebracht. Hinsicht­lich des Konzepts und der zugrun­de­lie­genden Cloud-, Server- und Analytics-Technologien ist Watson Analytics bereits eine spannende Alter­na­tive zu Visua­li­sie­rungs­lö­sungen mit eher BI/BA-orientiertem Hinter­grund.

Ebenfalls neu in dieser Kategorie ist die Alexander Thamm GmbH. Das Unter­nehmen kombi­niert etablierte Software­lö­sungen und eigene Beratungs- und Integra­ti­ons­stärke zu branchen­spe­zi­fi­schen Visua­li­sie­rungs­pro­dukten, wie sie von den Anwen­dern von ICT-Vendoren erwartet werden.

Auch Datapine wurde zum ersten Mal in dieser Kategorie bewertet. Das Start-up aus Berlin hat Tools entwi­ckelt, die Unter­neh­mens­daten über ein GUI leicht visua­li­sierbar machen. Die Software unter­stützt den Gedanken des Self-Service-BI. Ein origi­neller Ansatz besteht darin, schon die Daten­struktur an sich zu visua­li­sieren. Das GUI kann die für die gesuchte Darstel­lung nötigen Queries automa­ti­siert erzeugen und dem Anwender vorschlagen. Mit nur wenigen Klicks lassen sich Reports auch automa­tisch berechnen. Das Unter­nehmen hat Anwender im Visier, die auf der Basis ihrer Kennzahlen Geschäfts­ent­schei­dungen auf eine breitere Daten­basis stellen.

Comma Soft aus Bonn bietet neben seiner BI-Lösung auch Werkzeuge für die Daten­vi­sua­li­sie­rung an. Diese Visua­li­sie­rungs­soft­ware kann mit verschie­denen Datenbanksyste­men integriert werden. Das Unter­nehmen ist in der Gruppe der Market Challenger, weil die Krite­rien rund um die Wettbe­werbs­stärke beson­ders gut erfüllt werden. Das gilt zum Beispiel für die klassi­schen Erfah­rungen und das daraus entstan­dene Know-how zur Imple­men­tie­rung von Big-Data-Lösungen.

Vor großen Heraus­for­de­rungen hinsicht­lich der Wettbe­werbs­stärke steht das auf das Slicing & Dicing von Daten­sätzen aus Data Wareh­ouses spezia­li­sierte US-amerikanische Unter­nehmen 1010data. Die techno­lo­gi­sche Stärke liegt vor allem im Anlegen von Ausschnitten für ein explo­ra­tives Arbeiten mit den Daten. Bereits im Vorjahr empfahl die Experton Group: Für eine deutli­chere Positio­nie­rung muss das Unter­nehmen einen Vermarktungs-Ansatz für Deutsch­land sowie die ergän­zenden Services entwi­ckeln.

Fazit

Die Visualisierungs-Tools werden mächtiger. Immer mehr Analyse-Funktionen, in der Regel nur für eine Teilmenge der Daten, dafür aber auf vielen Geräten liegen im Trend. Es geht überwie­gend noch um die Visua­li­sie­rung klassi­scher Insights (z.B. KPIs aus den Unter­neh­mens­daten). Doch das Spektrum wandelt sich, und immer mehr Betei­ligte können von dem Wissen, das in den Daten steckt, profi­tieren.

Holm Landrock

Nähere Infor­ma­tionen zum aktuellen Big Data Vendor Bench­mark finden Sie hier.

 

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