Bottom-up-Modell für Visionen – Digitaler Wandel stellt Visionäre vor neue Zerreißproben

Visionäre sind sowohl Treiber als auch Steuermann bei der digitalen Transformation. Doch wer nicht schnell ist, den Kontext aus den Augen verliert und die Veränderung nicht als ständigen Weggefährten annimmt, wird langfristig scheitern.

Der Begriff des »Visionärs« war und ist seit jeher schillernd. Eine eindeutige Definition dafür lässt sich nicht finden. In einer Welt, die durch Technik und Digitalisierung geprägt ist, lässt sich der Visionär aber am passendsten als Futurist beschreiben, der mit nahezu hellseherischen Fähigkeiten vorausahnt, was die Zukunft bringt. Doch um erfolgreiche Visionen zu entwickeln, reicht es längst nicht mehr, nur die klassischen Fertigkeiten Bildung, Kreativität, Inspiration, Intuition, Unabhängigkeit, Beharrlichkeit und Glück zu besitzen. In einer technisch geprägten Welt, spielen drei spezifische Kräfte eine immer größere Rolle: Geschwindigkeit, Kontext und Veränderung. Nur wer diese Kräfte in seine Gleichung einbezieht, wird erfolgreich sein.

Auf die Geschwindigkeit kommt es an. Erfolgreiche Visionäre zeichnen sich dadurch aus, dass sie kleine, große, aber auch wagemutige Ideen oder Innovationen in einem schnellen Rhythmus entwickeln. Eine zündende Idee reicht für das Überleben eines Unternehmens oft schon lange nicht mehr aus, denn die Konkurrenz schläft nicht. Schnell finden sich Nachahmer die sie kopieren und weiterentwickeln. Neue Technologien und Möglichkeiten stellen das Original in kurzer Zeit in den Schatten. Es zeigt sich: Unternehmen der Gegenwart unterscheiden sich allein durch die Gabe, neue Innovationen in schneller Folge zu entwickeln und umzusetzen. Wer das nicht beherzigt, wird abgehängt. Prominente Beispiele dafür sind Nokia, Blackberry und Yahoo – einstmals Riesen in der Technik-Branche.

Aufgrund der Anzahl und des hohen Taktes, mit der Ideen und Innovationen auf die Welt gebracht werden, sind viele von ihnen zum Scheitern verurteilt. Fehlschläge dürfen aber nicht in die Verzweiflung führen, sondern sollten dazu dienen, Werkzeuge und Methoden zu ersinnen, die bei der Umsetzung und Weiterentwicklung künftiger Projekte helfen. So ist es leichter aus einer Vielzahl unterschiedlicher Pfade, die steinigsten frühzeitig auszusieben und so die freiwerdende Kraft gebündelt in erfolgversprechende Projekte zu investieren.

Der Blick für das große Ganze sichert das Überleben. Unternehmen sind einem völlig neuen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Es genügt nicht mehr, die Branche im Auge zu behalten, um die eigene Existenz zu sichern. Der Mitfahrdienst Uber oder der Zimmervermittler Airbnb sind die besten Beispiele dafür, wie Außenseiter aus dem Stand heraus einen etablierten Markt umkrempeln. Ihr Geschäftsmodell konnte aber nur aufgrund des Kontextes – allgegenwärtige Vernetzung und umfassende Verbreitung von Smartphones – funktionieren, da beide Unternehmen rein als Vermittler für Dienstleistungen auftreten.

Die Disruption des Marktes ist also nicht unbedingt ein Frontalangriff, sondern droht auch aus unbekannten Richtungen. So könnte sich auch der liebe Nachbar, dank einer zündenden Idee, zum erbitterten Konkurrenten entwickeln. Um solchen Angriffen wirksam zu begegnen, ist es nötig, sich aus dem Tagesgeschäft zu lösen und den Kontext im Blick zu behalten und zu analysieren. Nur so lassen sich adaptive Visionen entwickeln, die veränderte Realitäten abbilden.

Aber das ist längst noch nicht alles, was sich von Uber und Airbnb lernen lässt. In diesen Unternehmen sind Teams mit unterschiedlichen Fähigkeiten am Werk, die spezielle Probleme von Kunden lösen wollen. Das klappt aber nur, wenn sie gemeinsam an einem Strang ziehen, ihre Fähigkeiten bündeln und durch neueste IT-Technologien eine hohe Flexibilität erreichen. Der Kunde steht hier nicht nur im Mittelpunkt, sondern wird vielfach sogar in den Geschäftsprozess eingebettet, indem er sich beispielsweise über Communities oder soziale Medien mit dem Unternehmen direkt rückkoppelt. Das unmittelbare Feedback hilft dann bei der Optimierung von Ideen, dient aber auch als Motor für neue Innovationen.

Permanenter Wandel als Grundkonstante des Marktes. In Zeiten, in denen eherne Marktgesetze aufgrund der rasanten Veränderungen ihre Gültigkeit verlieren, überlebt kein Unternehmen, bei dem allein die Führungskraft Top-down herrscht. Nur ein Bottom-up-Modell, das es Mitarbeitern, Kunden und Partnern erlaubt, die Visionen gemeinsam zu verfolgen, verspricht Erfolg. Der Grund liegt auf der Hand: Alle Informationen, rund um den Prozess der Entwicklung von Innovationen, bringen Fakten, die ihrerseits richtungsweisend sind und so die Entscheidungsfindung für neue Innovationen erleichtern und vorantreiben.

Damit das gelingt, ist aber ein »cultural change« nötig. Dazu müssen die Grenzen zwischen den Abteilungen überwunden werden, es gilt interdisziplinär vorzugehen, alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen – seien sie auch noch so abwegig – und die Teams müssen lernen, dass permanente Veränderung ihr Begleiter ist, den sie mit offenen Armen begrüßen. Das betrifft Unternehmen aller Größen, egal, ob das Unternehmen nun fünf oder 500 Mitarbeiter besitzt.


Vassil Terziev
ist Chief Innovation Officer
bei Progress

 

 

 

Illustration: © bizvector /shutterstock.com 

 

Hier folgt eine Auswahl an Fachbeiträgen, Studien, Stories und Statistiken die zu diesem Thema passen. Geben Sie in der »Artikelsuche…« rechts oben Ihre Suchbegriffe ein und lassen sich überraschen, welche weiteren Treffer Sie auf unserer Webseite finden. Diese Auswahl wurde von Menschen getroffen und nicht von Algorithmen.

 

Ambidextrie: Konzernstrukturen bieten zu wenig Innovationsanreize

Mehr Zeit für Innovation, weniger Aufwand für Service –mit moderner Storage-Technologie die Produktivität der IT-Abteilung steigern

Die IT als neuer Innovationstreiber

»Innovationen scheitern eher an der Umsetzung als an der Qualität der Ideen«

Den Wandel aktiv gestalten: sich für die Arbeitswelt der Zukunft rüsten

Tipps für den Personalchef: Strategien für den Kulturwandel in Unternehmen

Rollenbasiertes Arbeiten durch Active Qualified Human Resource Organization – In 5 Schritten zu mehr Innovationskraft

Mobile Innovationen: Das Smartphone der Zukunft

Technologie-Trends 2017: Diese sechs Innovationen sollten KMUs kennen

Veränderungsprozesse: Unternehmen nicht bereit für den Wandel

CIOs müssen den Wandel vorantreiben

Kein digitaler Wandel ohne innovationsfähige Organisation

Weitere Artikel zu