Cyberkriminalität: Sicherheit von Zahlungskarten bei Unternehmen und Kunden

Der »Payment Security Report 2017« zeigt Zusammenhang zwischen Einhaltung von Sicherheitsstandards für Zahlungskarten und der Abwehrfähigkeit von Cyberangriffen [1].

Wichtige Ergebnisse aus dem 2017 Verizon Payment Security Report (PSR):

  • Der Payment Card Industry Data Security Standard (PCI DSS) trägt zum Schutz von Zahlungssystemen gegen Datenverletzungen und Diebstahl von Karteninhaberdaten bei.
  • Keine der Organisationen, bei denen Verizon Datenverletzungen untersucht hat, erfüllte zum Zeitpunkt des Vorfalls vollständig die Compliance-Vorgaben; erfüllt wurden maximal zehn der zwölf Kernanforderungen des PCI DSS.
  • Die Zahl der von Verizon untersuchten Unternehmen, die bei einer Interimsbewertung PCI-Compliance erreichten, ist gegenüber 2015 von 48,4 auf 55,4 Prozent gestiegen; die Aufrechterhaltung der Compliance ist nach wie vor ein Thema.

 

Mit steigender Cyberkriminalität rückt die Sicherheit von Zahlungskarten bei Unternehmen und Kunden gleichermaßen in den Fokus. Der Payment Card Industry Data Security Standard (PCI DSS) soll Unternehmen, die Kartenzahlungen akzeptieren, darin unterstützen, ihre Zahlungssysteme vor Datenverletzungen und damit vor dem Diebstahl von Kundendaten zu schützen. Die Ergebnisse des Verizon 2017 Payment Security Report (2017 PSR) lassen erkennen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Einhaltung der Sicherheitsstandards und der Fähigkeit der Unternehmen, Cyberangriffe abzuwehren.

Keines der Zahlungskarten-Unternehmen, bei denen Verizon Datenverletzungen untersucht hat, erfüllt zum Zeitpunkt des Vorfalls vollständig die Compliance-Vorgaben. Erfüllt wurden maximal zehn der zwölf Kernanforderungen des PCI DSS.

Insgesamt hat die PCI-Compliance bei global tätigen Unternehmen zugenommen; 55,4 Prozent der von Verizon untersuchten Organisationen bestanden 2016 ihre Interimsbewertung. Im Jahr 2015 hatten lediglich 48,4 Prozent diese Hürde genommen. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass nahezu die Hälfte der Einzelhändler, Restaurants, Hotels und sonstigen Geschäfte, die Kartenzahlung akzeptieren, es nicht schafften, in der Jahresbetrachtung ihre Compliance aufrechtzuerhalten.

»Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen PCI-DSS-Compliance und der Fähigkeit einer Organisation, sich gegen Cyberangriffe zu verteidigen«, erklärt Rodolphe Simonetti, Global Managing Director, Security Consulting bei Verizon. »Zwar beobachten wir eine Zunahme der PCI-Compliance, Tatsache bleibt aber, dass 40 Prozent der großen wie kleinen Firmen und Behörden, die wir weltweit analysiert haben, nach wie vor nicht die PCI-DSS-Compliance-Standards erfüllen. Und von denen, die bestanden haben, verliert fast die Hälfte innerhalb eines Jahres den Status wieder – viele davon sogar schneller.«

 

Compliance nach Branchen: Wesentliche Erkenntnisse und Beispiele

Dem Bericht zufolge erzielten von allen untersuchten Industrien die IT-Dienstleister die höchste Quote für vollständige Compliance. Weltweit erreichten 2016 etwa drei Fünftel (61,3 Prozent) der im Bereich IT-Services tätigen Unternehmen bei einer Interimsprüfung vollständige Compliance, dicht gefolgt von den Finanzdienstleistern mit 59,1 Prozent (darin eingeschlossen Versicherungsunternehmen). Der Einzelhandel schaffte 50 Prozent und das Hotel- und Gaststättengewerbe brachte es auf 42,9 Prozent.

Weiterhin zeigt der 2017 PSR-Report die Compliance-Hürden der jeweiligen Branchen auf:

 

  • Einzelhandel: Sicherheitstests, verschlüsselte Datenübertragung und Authentifizierung
  • Hotels und Gaststätten sowie Reisen: Stärkung der Sicherheit, Schutz von Daten bei der Übertragung sowie physische Sicherheit
  • Finanzdienstleistungen: Sicherheitsprozeduren, sichere Konfigurationen, Schutz von Daten bei der Übertragung, Schwachstellen-Management sowie übergreifendes Risikomanagement.

 

Der Bericht hebt Situationen mit Beispielen aus der Praxis hervor, bei denen Compliance-Kontrollvorgaben nicht befolgt wurden. Ein Finanzdienstleister suchte eine Ausnahme für die WLAN-Anforderungen des PCI DSS und erfuhr zu seiner Überraschung, dass es in seinem Gebäude überhaupt kein WLAN-Netzwerk gab. Folglich fiel das Unternehmen durch die Prüfung. Des Rätsels Lösung: Da sich der Serverraum im Keller, die IT-Abteilung jedoch im dritten Stock befand, musste der IT-Administrator ständig Treppen steigen. Also hatte er einfach einen Router installiert, mit dem er von seinem Schreibtisch aus auf die Server zugreifen konnte.

 

Der Schlüssel zu nachhaltiger Compliance: Kontrolllücken beachten

Ein Blick auf die PCI-Kontrollmechanismen, die in Unternehmen eigentlich vorhanden sein sollten (etwa Sicherheits-Checks, Penetrationstests usw.), offenbart dem Report zufolge, dass es eine zunehmend größere Kontrolllücke gibt, mit anderen Worten: zahlreiche dieser grundlegenden Dinge waren schlicht nicht vorhanden. 2015 fehlten bei Unternehmen, die bei der Interimsprüfung durchfielen, durchschnittlich 12,4 Prozent der Kontrollen; 2016 sind es 13 Prozent.

Simonetti weiter: »Die Frage lautet nicht mehr, ob Daten geschützt werden müssen, sondern wie man nachhaltigen Datenschutz erreicht. Viele Unternehmen betrachten PCI-DSS-Kontrollvorgaben nach wie vor isoliert; ihnen ist nicht bewusst, dass sie im Zusammenhang gesehen werden müssen – häufig fehlt ein Konzept für das Control-Lifecycle-Management. Dies ist meist auf einen Mangel an qualifizierten Fachkräften in der eigenen Organisation zurückzuführen. Nach unseren Erfahrungen stellt sich dies jedoch deutlich positiver dar, wenn Experten von außen eine Anleitung zum Lifecycle-Management geben.«

 

Der 2017 PSR-Report benennt fünf wichtige Richtlinien, die bei einem Control-Lifecycle-Management helfen:

 

  1. Vereinheitlichen erleichtert das Management – Immer mehr Sicherheitskontrollen zu implementieren, ist nicht immer eine Lösung. Der PCI-DSS-Standard enthält bereits zahlreiche Datenschutzstandards und -richtlinien. Organisationen sollten in der Lage sein, dies zur Konsolidierung von Kontrollen zu nutzen, damit diese insgesamt einfacher zu verwalten sind.
  2. In die Entwicklung von Fachwissen investieren – Es geht darum, dass Mitarbeiter Kompetenzen erlangen und weiterentwickeln, wie man die Effizienz vorhandener Kontrollen steigert, überwacht und misst.
  3. Einen ausgewogenen Ansatz wählen – Unternehmen müssen für ein internes Kontrollumfeld sorgen, das robust und belastbar ist, damit vermieden wird, dass die Kontrollen irgendwann die Compliance-Bedingungen nicht mehr erfüllen.
  4. Automatisieren, was automatisiert werden kann – Bei Datenschutz mit Workflows und Automatisierung zu arbeiten, kann sich als enormer Pluspunkt erweisen. Aber auch Automatisierungen müssen von Zeit zu Zeit überprüft werden.
  5. Das interne Kontrollumfeld konzipieren, betreiben und verwalten – Wie gut eine Kontrolle funktioniert, hängt direkt mit anderen vorhandenen Kontrollfunktionen zusammen. Wenn es auf der oberen Ebene ein Problem gibt, wirkt sich das auf die Performance der Kontrollen am unteren Ende aus. Dies gilt es zu bedenken, wenn man ein effektives und nachhaltiges Datenschutzprogramm aufstellen will.

 

Troy Leach, Chief Technology Officer für den PCI Security Standards Council, kommentiert: »Der Report heben die Herausforderungen von Organisationen hervor, um dauerhaft konsistente Sicherheitskontrollen zu etablieren, da sie sonst die Datenumgebungen der Karteninhaber gefährden würden. Dieser Trend war ein zentraler Treiber für die Änderungen am PCI Data Security Standard Version 3.2. Diese Änderungen helfen Organisationen dabei sicherzustellen, dass Sicherheitskontrollen für kritische Daten über das gesamte Jahr hinweg aktiv bleiben und dass sie effizient getestet werden als Teil des laufenden Sicherheits-Monitorings.«

[1] Beim 2017 PSR geht es nicht darum, die Leser von der Notwendigkeit der PCI-Compliance zu überzeugen, sondern vielmehr um die messbare Performance von PCI-Compliance. Der diesjährige Bericht fasst die Ergebnisse von PCI-Überprüfungen aus der Praxis zusammen, durchgeführt von einem Verizon-Team aus PCI Qualified Security Assessors bei Fortune-500-Unternehmen sowie bei großen multinationalen Konzernen in mehr als 30 Ländern.
Ähnlich wie bei der Verizon Berichtsreihe »Data Breach Investigations Report« basiert der 2017 PSR auf der Arbeit an echten Fällen mit Schwerpunkt Finanzdienstleistungen (47,5 Prozent), IT-Services (22,3 Prozent), Hotel- und Gaststättengewerbe (15,1 Prozent) und Einzelhandel (14,4 Prozent). Zu den erfassten Regionen gehören Nord- und Südamerika (42,4 Prozent), Europa (28,1 Prozent) sowie die Region Asien-Pazifik (29,5 Prozent).
Den Verizon Payment Security Report 2017 können Sie hier herunterladen. http://verizonenterprise.com/paymentsecurity/media/

 


 

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