DACH-Beratungsmarkt wächst in zwei Jahren um 1 Milliarde Euro

  • Industrie 4.0 lässt Nachfrage nach Beratern in der deutschen Fertigungsbranche um 8,9 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. ansteigen.
  • DACH-Beratungsmarkt beläuft sich derzeit auf 8,7 Milliarden Euro.
  • Beratungsmarkt in der Schweiz nähert sich der 1-Milliarde-Euro-Marke.

Die deutsche Fertigungsindustrie verschaffte den Beratern 2015 mithilfe von Industrie 4.0 einen starken Nachfrageschub; Das Wachstum in Deutschland stieg um 6,5 Prozent auf €7,5 Mrd. und übertraf damit den DACH-Beratungsmarkt. Die starke deutsche Nachfrage nach Beratern führte zu einem Wachstum des DACH-Beratungsmarktes um €1 Mrd. auf €8,7 Mrd. in nur zwei Jahren.

Der Beratungsmarkt der Schweiz näherte sich 2015 der €1 Mrd. Marke und wuchs um 5,7 Prozent auf €943 Mio., in Österreich war ein Wachstum von lediglich 2,9 Prozent auf €265 Mio. zu verzeichnen.

grafik source global research DACH Marktwachstum

Diese Ergebnisse wurden im neuen DACH-Bericht von Source Global Research (Source), dem Analyseunternehmen des weltweiten Beratungsmarktes, veröffentlicht. Dem Bericht zufolge verzeichneten zwar alle Wirtschaftszweige der DACH-Region 2015 ein Wachstum, doch hoben sich einzelne Branchen, wie beispielsweise Finanzdienstleistungen, mit einem Wachstum von 7,1 Prozent auf €3 Mrd., und der Fertigungsbereich, mit einem Wachstum von 8,9 Prozent auf €2,2 Mrd. deutlich vom Rest ab. Strategieberatung bleibt weiterhin die größte Dienstleistung in DACH, mit einem Wachstum von 6,1 Prozent auf €2,8 Milliarden. Der Bereich Risiko & Regulierung jedoch ist mit einem Anstieg von 8,9 Prozent auf €707 Mio. aufgrund wachsender Besorgnis über Internetsicherheit die am schnellsten wachsende Dienstleistung.

grafik source global research DACH Markt Größe

Edward Haigh, Direktor von Source Global Research verdeutlicht: »Die Beratungsaufwendungen in der Fertigungsbranche wurden größtenteils von der Automobilindustrie getätigt. Diese vergab beinahe die Hälfte der Beratungsaufträge im gesamten Fertigungssektor der DACH-Region und offenbart ein erhebliches und wachsendes Interesse an Industrie 4.0. 2015 wollten Unternehmen die praktischen Aspekte von Industrie 4.0 in den Griff bekommen, von theoretisch-strategischen Diskussionen Abstand nehmen und Ideen in die Realität umsetzen.«

Der Bericht von Source stellt fest, dass in der Finanzdienstbranche nichts auf eine Abschwächung der regulatorischen Belastung hindeutet. Die Banken sind über die für Compliance aufzuwendenden Mittel jedoch zunehmend aufgebracht. Sie sehen die Unterstützung durch Beratungsfirmen häufig als Handelsware und üben Preisdruck auf die Gebühren für Beratungsleistungen aus. Obwohl Aufträge im Regulierungsbereich weiterhin einen erheblichen Anteil des Beratungsportfolios für Finanzdienstleistungen ausmachen, sind diese folglich oftmals nicht sonderlich lukrativ oder attraktiv. Beratungsfirmen sollten unbedingt das richtige Modell anwenden, um in diesem Marktsegment tätig zu werden, wenn sie davon profitieren wollen.

Holger Herbert, beratender Leiter, PwC, fügte hinzu: »Bei Finanzdienstleistungen erlebten wir einen enormen Preisdruck, was sich auf unsere Gebührensätze auswirkte, obwohl wir in einer Branche mit hohem Volumen und deshalb hoher Inanspruchnahme agieren.«

grafik source global research DACH Aufteilung Marktanteil

Weitere wichtige Ergebnisse des Berichts hinsichtlich des DACH-Beratungsmarktes von Source:

Beratungsdienste für Pharma & Biotech verzeichnen zweistelliges Wachstum

Obwohl der Beratungsmarkt für die Pharma- & Biotech-Branche einen relativ kleinen Anteil in DACH ausmacht, verbuchte die Branche 2015 mit einem Anstieg um 10,4 Prozent auf €275 Mio. das stärkste Wachstum im Consulting-Bereich. Dem Bericht von Source zufolge ist dies auf zahlreiche unterschiedliche Zwänge zurückzuführen, denen Pharma-Unternehmen ausgesetzt sind, einschließlich Regulierung – ein starker Motor für Beratungsaufträge.

Industrie 4.0 nur ein Teil der steigenden Nachfrage nach Beratung zur Digitalisierung

2015 war das Jahr, in dem die Mitarbeiter der DACH-Region handelten, anstatt über die Digitalisierung nur zu sprechen. Die Unternehmen wechselten endlich von der Entdeckungs- in die Umsetzungsphase über. Während dies nicht auf alle Wirtschaftszweige zutraf, ist die Digitalisierung für die meisten Unternehmen nicht nur im Front Office von Interesse, um die Interaktion mit den Kunden zu verbessern, sondern auch zur Leistungssteigerung des Back Office und um das Geschäftsmodell voranzutreiben, insbesondere in Form von Industrie 4.0.

Im Zuge dessen wuchsen Beratungsdienste im Technikbereich in DACH um 8,2 Prozent auf €2,4 Milliarden. Gleichzeitig setzte sich der Einbruch bei »herkömmlichen« Technologie-Aufträgen wie SAP- und ERP-Initiativen fort, und Aufträge wurden vornehmlich in standardisierten Bereichen mit hohem Wettbewerbsdruck vergeben, was die Preise weiter sinken ließ.

Christine Ciriani, Partnerin und Leiterin von Capco Schweiz erläutert: »Vor einem Jahr war Digitalisierung ein Synonym für Innovation, Inkubatoren und Neugründungen. Jetzt ist die Entdeckungsphase abgeschlossen, die Kunden wissen besser Bescheid, was damit gemeint ist, und wollen in ihrer eigenen Welt davon profitieren.«

Nahverlagerung – ein wichtiger Mechanismus für DACH-Beratung

Laut dem Bericht von Source ist Nahverlagerung, insbesondere nach Osteuropa, für DACH-Berater ein zunehmend wichtig werdender Mechanismus bei ihren Versuchen, die schlimmsten Auswirkungen der Kommodifizierung zu parieren. Nahverlagerung wird jetzt aufgrund der geographischen Nähe, sprachlicher Fähigkeiten sowie der Verfügbarkeit relevanter Branchen und Fachkenntnisse häufig als sehr viel attraktiveres Angebot gesehen, als die Verlagerung in entlegene Länder, zum Beispiel nach Indien.

Konvergenz bei Transformation

Die Konvergenz war auch beim DACH-Beratungsmarkt 2015 ein wichtiger Faktor. Die Consulting-Unternehmen waren bestrebt, ihre Kunden davon zu überzeugen, dass sie in der Lage sind, alle Wünsche zu erfüllen, um an große, besonders begehrte Transformationsprojekte zu kommen. Trotz des Wunsches nach Unkompliziertheit und Verantwortung bei der Zusammenarbeit mit Beratungsunternehmen bleiben Kunden skeptisch gegenüber Dienstleistern, die alles aus einer Hand anbieten. Die Beratungsfirmen reagieren darauf, indem sie Partnerschaften mit anderen Firmen eingehen, um so unterschiedliches Know-how einzubringen und so das Beste aus zwei Bereichen zu vereinen.

Edward Haigh von Source abschließend: »Trotz der Anspannung aufgrund der globalen politischen Instabilität zeigen sich DACH-Berater für das nächste Jahr bemerkenswert optimistisch. Die Berater in Deutschland verspüren Auftrieb durch die stärksten Wirtschaftsindikatoren in der Region und erwarten, unterstützt durch fortgesetztes Wachstum bei Finanzdienstleistungen und weitere Impulse im Zuge von Industrie 4.0, ein weiteres solides Jahr. Obgleich der hartnäckig starke Schweizer Franken weiter zu Bedenken Anlass gibt, sind die Berater zuversichtlich, dass sie in der Lage sein werden, innovative Mittel anzuwenden, um weiterhin Arbeit zu finden, bis sich der Sturm gelegt hat. Die Berater in Österreich verspüren, in Erwartung der weiterhin niedrigsten Wachstumsraten im deutschsprachigen Raum, einen leichten Aufschwung, verknüpft mit der Hoffnung, die Berater davon überzeugen zu können, ihnen Aufträge zu vergeben, so dass sie 2016 beim Kostensparen helfen können, statt selbst den Sparmaßnahmen zum Opfer zu fallen.´«

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