Den Mehrwert aus den Daten holen – Interview mit Otto Neuer, Vice President EMEA bei Talend Deutschland GmbH

Immer mehr Unternehmen wollen sich dem Thema Datenintegration widmen und mehr aus und mit ihren Daten machen, um letztlich Entscheidungen schneller und besser treffen zu können. Ein erfolgreiches Unternehmen muss heute gut integrierte Daten haben und ganz genau festlegen, wer auf diese zugreifen darf, wer für sie verantwortlich ist und wer nicht.

Sind die neu gewonnen Kunden von Talend eher große Konzerne oder Unternehmen aus dem Mittelstand?

Für uns kommt es nicht auf die Größe des Unternehmens an. Wir haben sowohl Mittelständler, als auch große Konzerne in unserem Kunden-Portfolio. Entscheidend ist das Datenaufkommen in den Unternehmen. Ist es groß, aber nicht komplex und wenig dynamisch, ist das keine Grundlage für eine automatisierte Datenmigrationslösung. Denn eine einfache Datenbasis weist zu geringe Veränderungen auf. Generell lässt sich aber sagen, dass in großen Unternehmen eine höhere Datendynamik herrscht, da sie das Bestreben haben, möglichst viel aus ihren Daten zu machen. Sie zeigen eher die Tendenz, dass sie ihre Daten vergleichen, auswerten, strukturieren und analysieren wollen. Im Rahmen der Industrie 4.0 wird das Thema Daten künftig aber für Unternehmen aller Branchen und Größen interessant und wichtig werden. Denn die entstehenden Datenmengen werden immer größer. Nach und nach werden alle Unternehmen versuchen, möglichst viel Mehrwert aus ihren Datenmengen zu generieren.

Warum war 2016 so ein erfolgreiches Jahr für Talend? 

Die beiden größten Treiber, die das Talendgeschäft vorantreiben und für unser Wachstum verantwortlich sind, heißen Cloud und Big Data. Diese beiden Themen haben im letzten Jahr einen enormen Schub gemacht. Denn immer mehr Unternehmen wollen sich dem Thema Datenintegration widmen und aus ihren Daten den Mehrwert holen, der letztlich darin besteht, Entscheidungen schneller und besser zu treffen – sowohl unternehmensintern, als auch nach außen hin. Die Unternehmen, die heute noch mit Mitbewerberprodukten arbeiten, werden, wenn es darum geht Daten in die Cloud oder den Big-Data-Bereich zu integrieren, feststellen, dass diese Lösungen oftmals dafür nicht ausreichen. Hier kommen dann die Talend-Produkte zum Einsatz. Denn diese haben ganz klare Vorteile zu bieten.

Was sind das für Vorteile? 

Diese bestehen darin, dass die Lösungen von Talend nativ auf Hadoop-Lösungen aufbauen. Sie sind in der gleichen Sprache entwickelt, was die Arbeit für Entwickler, die die Daten zusammenführen, enorm erleichtert. Es ist also eine nahtlose Lösung, ein einfacher Übergang. Denn Entwickler aus dem Hadoop-Umfeld können mit den Talend-Lösungen in der gleichen Sprache, den gleichen Werkzeugen und in der gleichen Umgebung arbeiten wie sie es schon gewohnt sind. Nur, dass die Datenintegration im Big-Data-Umfeld ermöglicht wird. Talend-Lösungen sind also eine komplett native Komplementierung. Das ist der entscheidende Vorteil. Denn: Wenn Entwickler sich nicht erst neu orientieren müssen, ermöglicht das ein sehr performantes und effektives Arbeiten.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Talend aus dem Bereich der Open Source kommt. Dadurch hat Talend eine sehr große weltweite Community, was einen umfangreichen Erfahrungs- und Wissensaustausch ermöglicht. So können die Anwender beispielsweise über Use Cases und Best Practices sprechen und voneinander profitieren. Talend stellt seinen Kunden über 900 Komponenten zur Verfügung, die aus einer ganz speziellen Datenquelle die gewünschten Daten extrahieren können. Die Community hat zusätzlich über 1000 dieser Konnektoren für Datenquellen entwickelt. In dieser besonderen Form der Zusammenarbeit sehen Unternehmen die Vorteile: Viel Erfahrung, einen riesigen Wissensaustausch und Produkte wie Konnektoren, die kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Es werden also 1900 Konnektoren kostenlos zur Verfügung gestellt?

Richtig, das ist das Talend-Modell. Unternehmen die sich mit dem Konzept Open Source angefreundet haben, profitieren davon.

Die Lösungen werden also auch im E-Commerce genutzt? 

Ja. Die Otto Group, weltweit sechstgrößter Einzelhandels-Konzern, hat sehr viel früher auf E-Commerce gesetzt als andere Versandhäuser. So hat es die Unternehmensgruppe geschafft, sämtlichen Mitbewerbern im Online-Geschäft den Rang abzulaufen. Mittlerweile ist das Unternehmen vergleichbar mit Amazon, mit dem Unterschied, dass sich die Otto Group auf die Bereiche konzentriert, in denen Amazon nicht ist. Zudem hat das Versandhaus sehr stark auf Predictive Analytics gesetzt. Das bedeutet, dass es in Echtzeit potenzielle Käufer beobachten kann und im Falle einer Warenkorbleerung trotzdem zum Kauf bewegen kann. Denn genau in diesem Moment startet automatisch eine Promotion, die das Produkt günstiger anbietet. Und genau für solche Maßnahmen wird die Talend-Software eingesetzt.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmen in Bezug auf Big Data momentan? 

In den letzten 2 bis 3 Jahren haben Unternehmen begonnen, in Big Data zu investieren. Das betrifft vor allem Tests und die Entwicklung von Big-Data-Lösungen. 2017 kommen wir jetzt langsam in die Phase, in der es nicht mehr nur um die Sammlung, sondern auch um die konkrete Auswertung von Daten geht. Das bedeutet, es wird zunehmend versucht, relevante Daten aus einem Datenpool herauszuziehen, um bestimmte Informationen zu erhalten. In den letzten 2 bis 3 Jahren gab es nicht wirklich viele produktive Big-Data-Umgebungen im DACH-Raum. Wir gehen davon aus, dass sich das in diesem Jahr ändern wird. Viele Unternehmen werden unserer Einschätzung nach anfangen, Big Data von der Entwicklung in die Produktion zu verlagern.

Sind das die Unternehmen die die Transformation rechtzeitig geschafft haben, um wettbewerbsfähig zu bleiben? 

Ja, absolut. Interessant ist, dass die mittelständischen Unternehmensvorstände ganz konkret fragen, was sie tun können. Denn Big Data ist mittlerweile auch ein wichtiges Thema für sie und es wird künftig auch noch bedeutender werden. Aber oft fehlt ihnen das Know-how und die Vorstellung dessen, was mit Big Data möglich ist, welchen Nutzen sie aus Big Data ziehen können.

Big Data ist auch ein schwer greifbares Thema. Denn da spielt viel zusammen. Die Cloud-Anbindung, die Sicherheit. Das ist heute ja keine Einzelplattformlösung mehr. Oder wie sehen Sie das?

Cloud ist ein großer Treiber für Datenintegration. Die meisten Unternehmen habe eine hybride Welt. Das heißt, sie nutzen Anwendungen on-premises und in der Cloud und müssen sich jetzt überlegen, was sie mit den Daten machen wollen. Um aber überhaupt mit den Daten arbeiten zu können, müssen sie zunächst zusammengeführt und an einem Ort gebündelt werden. Nehmen Sie zum Beispiel Salesforce. Das ist eine Cloud-Anwendung, die sehr viele unserer Kunden nutzen. Letztlich ist es aber oft ein Zusammenspiel der Daten aus der Cloud und denjenigen aus den einzelnen Anwendungen, die in den Unternehmen verwendet werden.

Haben Sie den Eindruck, dass die Sicherheitsvorgaben, die sich die Unternehmen selbst stellen, erfüllt werden? 

Nein. Unternehmen haben in der Regel einen sehr hohen Sicherheitsanspruch, dem sie aber in weiten Teilen nicht gerecht werden. Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung bereitet deshalb schon vielen Unternehmen Kopfzerbrechen, da sie sie vor weitere Herausforderungen stellt, wenn es um den Schutz von personenbezogenen Daten geht. Hier können bestimmte Lösungen zur Data Governance helfen. Denn sie klären Fragen wie »Wie gehe ich mit Daten um und wer ist für welche Daten verantwortlich?« Wir bei Talend gehen davon aus, dass Unternehmen – was den Bereich Governance angeht – künftig zwangsläufig einen großen Sprung nach vorne machen müssen. Und das bedeutet auch, dass Unternehmen hier investieren sollten. Es wird immer wichtiger, sich um seine Daten zu kümmern. Ein erfolgreiches Unternehmen muss heute gut integrierte Daten haben und ganz genau festlegen, wer auf diese zugreifen darf, wer für sie verantwortlich ist und wer nicht. Denn: Wer keine klaren Governance-Richtlinien definiert, der wird über Kurz oder Lang ein Problem bekommen.

Ein erfolgreiches Unternehmen muss also gut integrierte Daten haben? 

Exakt. Und es muss genau festlegen, wie es mit den Datenmassen umgeht und wer für sie verantwortlich ist. Denn wir beobachten aktuell, dass in immer mehr Unternehmen nicht mehr nur die IT-Abteilung, sondern auch die einzelnen Fachbereiche wie Marketing, Vertrieb und Einkauf zum Zug kommen und von den gesammelten Daten profitieren wollen. Die IT bleibt natürlich nach wie vor wichtiges Element eines Unternehmens, aber die Aufgabenverteilung verändert sich. Die IT ist nunmehr nicht mehr hauptsächlich für die Bereitstellung der Daten für die einzelnen Fachabteilungen zuständig, sondern auch die Mitarbeiter ausden anderen Unternehmensbereichen. Diese teilweise Verlagerung des Datenmanagements in die einzelnen Fachbereiche wird durch sogenannte Self-Service-Tools ermöglicht. Das sind zum Teil Werkzeuge, die ähnlich wie Excel aussehen. Es ist eine Art Basiswerkzeug für Business User, die nichts mit IT zu tun haben. Es dient dazu, Datenquellen letztlich für sich und seine fachspezifischen Fragestellungen und Bedürfnisse verwendbar zu machen. Viele Anwendungen erzeugen zum Beispiel CSV-Dateien. Diese lassen Nicht-ITler schnell verzweifeln. Mit Self-Service-Tools können Mitarbeiter der verschiedenen Abteilungen selbstständig auf die benötigten Daten zugreifen und sie strukturieren. Der Trend geht aktuell dahin, dass die einzelnen Fachbereiche mehr Kompetenz haben und zunehmend selbst kleinere Datenintegrationsfunktionen in einfacher Form lösen.

Wie sieht die Lizenzgebühr aus? Wie wird sie berechnet? 

Talend hat ein Lizenzmodell, das dem Markt, wie dem Kundenanliegen sehr entgegenkommt. Die Open-Source-Version, das Talend Open Studio, ist grundsätzlich kostenfrei. Benötigt ein Kunde die Enterprise-Version von unseren Produkten, berechnen wir im Wesentlichen die entsprechenden Anteile der Benutzer.

Sowohl die Transparenz der Kosten, als auch die intuitive Anwendung der Software, sind die entscheidenden Vorteile der Talend-Lösungen. Denn Kunden wollen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können und nicht mehr so viel Zeit dafür verschwenden, die richtigen IT-Lösungen auszuwählen.


Bild: © Talend Deutschland GmbH

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