Digitalisierung als Schutz vor Disruption: ISCM als wichtigster Erfolgsfaktor für die Digitalisierung

Die gefürchtete Disruption zwingt Unternehmen in allen Branchen dazu, sich Gedanken über Digitalisierung zu machen und das bestehende Geschäft zu transformieren. Anderenfalls droht das Aussterben. Beispiele für Branchen, die von Disruption erschüttert wurden, lassen sich schnell finden: Musikindustrie, Buchhandel, klassischer Katalog-Versandhandel. Selbst vermeintlich sichere Branchen wie die Automobilindustrie oder auch der Bankensektor widmen sich daher mit Hochdruck der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen, um der schlummernden Gefahr zu begegnen. Denn hinter der nächsten Straßenecke lauert vielleicht schon ein alternatives Fortbewegungsmittel (E-Auto, Carsharing, …) oder eine Kryptowährung, die das Potenzial hat, die gesamte Branche vom Kopf auf die Füße zu stellen – wider bisheriger Machtverhältnisse im Markt oder politischer Regulierung.

 

Wie es um den Grad der Digitalisierung und den damit verbundenen Chancen und Risiken in deutschen Unternehmen steht, zeigt die EDEN (European Digital Entity Norm) Studie auf und ermöglicht einen Selbst-Test, der Unternehmen eine Einschätzung ihres Entwicklungsstandes entlang des ISCM ermöglicht und Potenziale aufdeckt [1].

Techconsult hat in Zusammenarbeit mit The Group of Analysts (TGOA) den Stand des Information Supply Chain Managements (ISCM) in deutschen Unternehmen untersucht, das als zentrales Element der digitalen Transformation betrachtet werden kann. Die Ergebnisse diskutieren die Analysten in der EDEN Study. Unternehmen können sich im Rahmen eines Tests mit den Ergebnissen der Studie messen lassen und ihren eigenen Digitalisierungsgrad ermitteln. Schwerpunkt der Betrachtung bilden dabei 14 verschiedene Aspekte des ISCM, die in Unternehmen zum Einsatz kommen.

 

Information Supply Chain und Lösungen im Mittelpunkt

Ausgehend von den Trends Cloud, Internet of Things, Big Data und Virtual/Augmented Reality, die Digitalisierung maßgeblich vorantreiben, widmet sich die Studie dem Management der Informationslieferkette, dem sogenannten Information Supply Chain Management (ISCM). Analog zur Supply Chain in der Industrie geht es um die Beschaffung, Verarbeitung und Verbreitung von Daten und Informationen im Unternehmen. Der Fokussierung auf diese Perspektive liegt die These zugrunde, dass die Bedeutung des ISCM mit der digitalen Transformation zentraler denn je wird. »Die bisherigen Ziele des Information Supply Chain Managements waren Qualitätssicherung, Optimierung und Effizienzsteigerung. Im Zeitalter der digitalen Transformation wird sie jetzt zum Wettbewerbs- und damit Überlebensfaktor«, kommentiert Temel Kahyaoglu, Vorstand der Group of Analysts.

Im Fokus der Analyse stehen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern aus den Branchen Industrie, Großhandel, Versandhandel, Einzelhandel und Dienstleistungen. Die Information Supply Chain und deren Management wird dabei anhand der folgenden Lösungsbereiche hinsichtlich Verbreitung, Umsetzung, Potenzial, Beitrag zur digitalen Transformation, Strategie und bisherigen Umsetzungserfahrungen untersucht:

 

Datenbeschaffung:

  • Product Information Management (PIM)
  • Media/Digital Asset Management (MAM/DAM)
  • Customer Relationship Management (CRM)
  • Enterprise Ressource Planning (ERP)
  • Business Intelligence (BI) und Analytics

 

Datenaufbereitung:

  • Marketing Ressource Management (MRM)
  • Multi Language Management (MLM) / Translation Memory Systeme (TMS)
  • Workflow Management
  • Print Publishing beziehungsweise Dynamic Publishing Systeme (DPS)
  • Künstliche Intelligenz (KI)

 

Datendistribution:

  • (Enterprise) Content Management Systeme (ECMS/CMS),
  • E-Commerce (ECOM),
  • Point of Sales (POS)

 

Digitale Strategie setzt auf MAM, DPS und CMS

Media Asset Management (MAM), Digital Publishing Systeme (DPS) und Content Management Systeme (CMS) sind die derzeit am häufigsten in eine digitale Strategie eingebundenen Lösungen. Zwischen 40 und 60 Prozent der befragten Unternehmen setzen bei Datenbeschaffung, Datenaufbereitung und Datendistribution auf solche Lösungen.

Treibend für die digitale Transformation des Unternehmens sind in den Augen der Befragten das Marketing Ressource Management und E-Commerce-Lösungen. Für rund 30 Prozent liefern diese einen sehr hohen Beitrag, weitere 40 Prozent sind der Meinung, dass der Beitrag groß ist.

 

 

Abbildung: Auf der Ebene der Datendistribution integriert die digitale Strategie in fast 60 Prozent der befragten Unternehmen den Einsatz von Content Management Systemen (CMS). Apps und E-Commerce-Lösungen (ECOM) berücksichtigen hingegen erst rund 40 Prozent der Unternehmen, Point of Sale-Lösungen gar nur 20 Prozent. Der Anteil der Unternehmen, die gar keine Lösung zur Datendistribution in die digitale Strategie einbindet liegt bei rund 9 Prozent. Bildquelle: TGOA EDEN Study, http://www.edenstudy.com.

 

 

Fazit und Handlungsempfehlungen

Größere Mittelständler und Großunternehmen finden in der EDEN Study Kontext und Perspektive für die zukünftige Ausrichtung ihrer Digitalisierungsstrategie sowie praktische Ansatzpunkte, den eigenen Stand zu prüfen. »Insbesondere sollten Unternehmen eine konsequente digitale und zentrale Datenhaltung, die Qualität und Sicherheit der Daten, den reibungslosen Datenaustausch zwischen Systemen und eine hohe Prozessqualität im Rahmen ihres Information Supply Chain Managements sicherstellen«, so Chefanalyst Kahyaoglu. Darüber hinaus ist neben dem Rückhalt für das Thema durch das Management die Vernetzung aller involvierten Ebenen entscheidend für den Erfolg eines umfassenden ISCM. Vor allem kann die Beschäftigung mit bisher weniger verbreiteten Lösungen in der Informationslieferkette Potenziale für eine Wettbewerbsdifferenzierung aufzeigen.

Henrik Groß, Senior Analyst, techconsult GmbH

 

[1] Diese und weitere Ergebnisse fasst die EDEN Study (European Digital Entity Norm) zusammen, die nach einer kostenfreien Registrierung auf www.edenstudy.com zum Download bereit steht. Darüber hinaus können interessierte Unternehmen dort einen Self-Check durchführen, um zu überprüfen, wie es um die digitale Transformation und die Information Supply Chain im Unternehmen bestellt ist.

 


 

Daten-Silos aufbrechen und Digitalisierungspotenzial befreien

Unternehmen kämpfen nach wie vor häufig damit, dass Daten an eine Anwendung gebunden sind und somit in sogenannten »Daten-Silos« gefangen sind. Dadurch entsteht erheblicher Mehraufwand bei der Datenpflege. Auch können Daten nicht über Systemgrenzen hinweg genutzt werden, weil Schnittstellen fehlen und somit der Datenfluss unterbrochen ist. Essenziell für den Digitalisierungserfolg im Unternehmen ist es, diese Probleme anzugehen, denn sowohl Datenmengen nehmen zu als auch die Anzahl an datenverarbeitenden Systemen.

 

Für den Daten- und Informationsfluss durch die unterschiedlichen Systeme in Unternehmen – Customer Relationship Management (CRM), Enterprise Content Management (ECM), Product Information Management (PIM) usw. – steht der Begriff der Information Supply Chain (ISC). Eine Voraussetzung für eine funktionierende ISC ist, dass Datensilos aufgebrochen werden, um Daten und Informationen über verschiedene Systeme nutzbar zu machen.

 

Ziel der Digitalisierung ist Automatisierbarkeit

Zu den Zielen von Digitalisierung gehört vor allem, analoge, ineffiziente und schlecht skalierbare Prozesse abzulösen. Das heißt, manuelle Tätigkeiten, papierbasierte Abläufe und Medienbrüche zu vermeiden und Prozesse in IT-Systemen so abzubilden, damit sie durchgängig digital verarbeitet und weitestgehend automatisiert durch Software ausgeführt werden können. Dadurch lassen sich viele Fehlerquellen ausschließen, die zum Beispiel bei der manuellen Dateneingabe entstehen können. Darüber hinaus skalieren diese Prozesse sehr viel besser: Digitalisierte Abläufe können nach ihrer Automatisierung in großen Mengen abgearbeitet werden. Eine digitalisierte und automatisierte Prozesskette, die sich branchenweit etablieren konnte, ist beispielsweise der elektronische Zahlungsverkehr zwischen Banken, durch den massenhaft Zahlungstransaktionen automatisiert ausgeführt werden.

 

Voraussetzung für Digitalisierung: Daten-Silos aufbrechen und Standardisierung vorantreiben

Um die digitale Transformation im Unternehmen sinnvoll anzugehen, ist es ratsam, vorhandene Daten-Silos zu identifizieren und zu erarbeiten, ob, wo und wie die Daten auch in anderen Prozessen und Systemen genutzt werden könnten. Dazu gehört, eingesetzte Softwarelösungen auf den Ebenen der Datenbeschaffung, -verarbeitung und -verteilung zu ermitteln und im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung als Informationslieferkette zu begreifen.

 

 

 

Abbildung: Verschiedene Softwarelösungen zur Datenbeschaffung, Datenaufbereitung und Datendistribution tragen zur digitalen Wertschöpfung bei. Diese sollten im Rahmen eines ganzheitlichen Information Supply Chain Managements (ISCM) integriert werden. (Bildnachweis: TGOA EDEN Study 2017, CC-BY-SA)

 

 

EDEN-Studie zeigt Stand der Informationssysteme in Unternehmen

Die European Digital Entity Norm (EDEN), die von The Group of Analysts ins Leben gerufen und in Kooperation mit techconsult umgesetzt wurde, ermittelt den Status quo der bisherigen Umsetzung der Daten- und Informationsverarbeitung und liefert Interpretationsansätze, um Unternehmen auf dem Weg der digitalen Transformation zu begleiten. Die gleichnamige Studie legt dabei den Fokus auf Softwarelösungen, die entlang der Information Supply Chain eingesetzt werden.

 

EDEN-Level als individuelle Standortbestimmung für Unternehmen

Unternehmen können sich auf www.edenstudy.com mit den Ergebnissen der Studie messen und ihren eigenen Digitalisierungsgrad ermitteln. Für diese Standortsbestimmung wurde ein Bewertungsschema geschaffen, mit dem der sogenannte EDEN Level berechnet wird. Dieser berücksichtigt die Einschätzung der digitalen Lage im Unternehmen und die Umsetzung des ISCM sowie die Nutzung und Verarbeitung von Daten. Der EDEN Level dient als Vergleichswert, der es ermöglicht das eigene individuelle Ergebnis mit den Studienergebnissen zu vergleichen. Maximal sind 2.500 Punkte möglich.

Interessierte Unternehmen können auf www.edenstudy.com einen Self-Check durchführen, um zu überprüfen, wie es um die digitale Transformation und die Information Supply Chain im Unternehmen bestellt ist. Ebenfalls steht dort die EDEN Study (European Digital Entity Norm) nach einer kostenfreien Registrierung zum Download bereit.

Henrik Groß, Senior Analyst, Techconsult GmbH

Die Group of Analysts AG ist ein renommiertes und seit mehr als 10 Jahren am Markt etabliertes Marktforschungs- und Beratungsunternehmen mit Sitz in Meersburg am Bodensee. Das TGOA-Analystennetzwerk beobachtet und evaluiert die effektive Leistungsfähigkeit von Unternehmen des Software-Marktes basierend auf einer einzigartigen Analysemethode, die Kundenevaluationen und Forschungsergebnisse der letzten zwölf Jahre miteinbezieht. Die TGOA kann dabei auf Informationen von mehr als 24.000 Unternehmen aus dem Bereich des Demand Marktes und über 400 Unternehmen aus dem Bereich des Supply Marktes zurückgreifen. Konzentrische Schaubilder, Market Performance Wheels genannt, sind das Ergebnis. Diese wundervoll designte, konzentrische Bündelung an Wissen ermöglicht multidimensionale Einblicke. MPWs sind einzigartig auf dem Markt und erfassen die DNA der Unternehmen und deren Produkte.

 


 

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