Distributed Trust für gebrauchte Software – Maximale Sicherheit und Transparenz dank Blockchain

Große Einsparpotenziale bei tadelloser Leistung: Der Markt für Gebrauchtsoftware wächst beständig. Dennoch bestehen weiterhin Vorbehalte. Das Problem für interessierte Unternehmen: Sie müssen sichergehen, dass die Lizenzen legal in den Handel gebracht wurden, was aufwändige Dokumentationsnachweise erfordert. Die Blockchain-Technologie bietet eine Lösung. Sie macht den vollständigen Lebenszyklus einer Softwarelizenz transparent und beschleunigt den Kaufprozess signifikant.

Dass die Anschaffung von Gebrauchtsoftware wirtschaftlich Sinn macht, kann angesichts von Einsparpotenzialen von bis zu 50 Prozent kaum bezweifelt werden. Zudem können Reibungsverluste vermieden werden, die – oftmals getrieben durch das Geschäftsgebaren der Hersteller – beim erzwungenen Umstieg auf neue Versionen anfallen. Denn: Lizenzen einer älteren Softwareversion stehen nicht selten zu deutlich günstigeren Konditionen auf dem Gebrauchtmarkt zur Verfügung, als die Hersteller sie für die neueste Version mit anschließendem Downgrade aufrufen.

Mangelnde Transparenz schreckt Käufer ab. Trotz der Vorteile kann längst nicht von einer flächendeckenden Verbreitung von Gebrauchtsoftware gesprochen werden. Sorgen vor juristischen Konsequenzen scheinen die Hauptgründe für den Verzicht zu sein. Aus Sicht des Kunden nachvollziehbar: Auch wenn die aktuelle Rechtsprechung bekannt und eindeutig ist, kann der Anwender nicht bei allen Anbietern sicher sein, ein legales Produkt zu bekommen. Wie kann er verlässlich zwischen schwarzen Schafen, die illegal kopierte Lizenzen als Gebrauchtsoftware vertreiben, und seriösen Anbietern unterscheiden? Wie kann er die Herkunft der angebotenen Ware zweifelsfrei überprüfen? 

Abhilfe könnte eine umfangreiche Dokumentation schaffen. Sie müsste die Echtheit der Softwarelizenz bestätigen, sämtliche Nutzer bis hin zum Erstverwerter aufführen und die Garantie enthalten, dass die Software beim Vorbesitzer gelöscht wurde. Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus einer mehrfach veräußerten Software, wird schnell klar, welch immenser Aufwand mit so einer lückenlosen Dokumentation verbunden ist, ganz zu schweigen von datenschutzrechtlichen Bedenken.

Ein konformes Geschäft ist mit ihr jedoch nicht garantiert. Schließlich könnte sie mehrfach verwendet werden oder gefälscht sein. Hier ist also ein großes Maß an Vertrauen zwischen den Geschäftspartnern Voraussetzung. Mithilfe der Blockchain kann genau dieses Vertrauen jetzt Technologie-gestützt hergestellt werden. Das Schlagwort in diesem Zusammenhang lautet Distributed Trust, also »verteiltes Vertrauen«.

Die Blockchain-Technologie als Lösungsansatz. Der Handel mit gebrauchter Software ist vor allem deshalb kompliziert, weil es sich bei Software um digitale Güter handelt. Eine Datei kann, ohne Auswirkungen auf die Ausgangsdatei, beliebig oft kopiert werden. Somit ist nie sicher, wie viele Kopien dieser Datei existieren. 

Aus diesem Grund konnte es beispielsweise lange keine vertrauenswürdige digitale Währung geben. Die Entwicklung der Blockchain-Technologie macht dies nun möglich, wie die Einführung des Bitcoins gezeigt hat. Die illegale Vervielfältigung von Dateien wird beim Blockchain-Verfahren dadurch verhindert, dass die vollständige Historie einer Datei aufgezeichnet wird. Dieser Ansatz wird nun auf Lizenzen für gebrauchte Software angewendet. 

Im Prinzip ist die Blockchain ein Verzeichnis, in dem Transaktionen von A nach B gespeichert werden. Es wird dezentral von vielen verschiedenen Rechnern geführt, auch Knoten genannt. Hinter jedem Knoten sitzen sogenannte Miner, die die Korrektheit der Transaktionen prüfen. Wird eine Transaktion korrekt ausgeführt, wird die dazugehörige Information in einem Block abgelegt. Dieser wird an eine Kette von Blöcken angehängt, die Blockchain. Um zu gewährleisten, dass sich alle Knoten stets auf einen verbindlichen Stand einigen, gibt es einen Abstimmungsmechanismus. Dank der Überprüfung durch das gesamte Netzwerk entsteht Fälschungssicherheit, denn eine manipulierte Transaktion würde sofort entdeckt werden.

Die Praxis: License on Blockchain. Führende Gebrauchtsoftwarehändler haben den Nutzen erkannt. Als erster Anbieter in Deutschland führte die Soft & Cloud AG vor einigen Wochen die Blockchain als Technologie für den Lizenztransfer ein. Denn diese ermöglicht nicht nur, Transaktionen zu validieren: Auf der Ethereum-Blockchain können auch Smart Contracts – kleine Programme, die bedingte Anweisungen ausführen – geprüft werden. Dies macht sich das Prinzip der License on Blockchain (LOB) zunutze. Der Smart Contract führt ein Verzeichnis, in dem Softwarelizenzen, ihre Seriennummer und die Anzahl der User eingetragen werden, die legal mit der Software arbeiten dürfen. Möchte ein Unternehmen gebrauchte Software erwerben, wird dafür ein eigenes Konto auf der Blockchain eingerichtet. Hier werden die Lizenzen des Unternehmens abgelegt. Bei einem Kauf ordnet der Smart Contract dem Konto die neuen Lizenzen zu und prüft, ob der Verkäufer auch tatsächlich über die Anzahl an Lizenzen verfügt, die er veräußern möchte. So wird ausgeschlossen, dass sich mehr Lizenzen im Umlauf befinden, als ursprünglich vom Hersteller ausgegeben wurden. Ergebnis: Das Verfahren standardisiert den Kauf von Software aus zweiter Hand und vereinfacht ihn dabei signifikant. 

Da der gesamte Vorgang auf der Blockchain stattfindet, entsteht Fälschungssicherheit, weil jede Transaktion vom gesamten Netzwerk geprüft und bestätigt wird. Dadurch ist die gesamte Historie einer Software unveränderbar und für jeden einsehbar gespeichert. Statt die benötigten Informationen auf einem zentralen Server zu lagern, werden sie dezentral im Blockchain-Netzwerk abgelegt. Manipulation durch einen Host sowie das Abschalten oder Zerstören des Servers werden also ausgeschlossen. Für Kunden entsteht so eine nie dagewesene Sicherheit in Bezug auf die Konformität von transferierten Lizenzen.

Fazit: Die Blockchain wird den Handel mit Gebrauchtsoftware beflügeln. Das Bewusstsein dafür, dass mit Gebrauchtsoftware auf legale Weise in großem Umfang Kosten eingespart werden können, wächst. Doch herrscht in vielen Unternehmen nach wie vor Unsicherheit darüber, wie die Bedingungen zu erfüllen sind. Andere überblicken die rechtliche Situation, schrecken aber vor der umfangreichen Dokumentationspflicht und Audits durch die Hersteller zurück. Mit dem LOB-Verfahren wird der Handel mit Gebrauchtsoftware unkomplizierter, schneller und vor allem deutlich sicherer. Die hundertprozentige Transparenz der Transaktionsvorgänge sorgt für Rechtssicherheit bei Kunde und Händler und beseitigt damit das größte Hindernis für einen florierenden Markt. Somit wird LOB den Handel mit Gebrauchtsoftware spürbar beleben.


Michael Helms,
Geschäftsführer
Soft & Cloud AG
www.softandcloud.com

 

Illustration: © magic pictures /shutterstock.com

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