Ein Jahr Digital Hub Initiative: 350 Start-ups, 150 Unternehmen, 45 Hochschulen sind bereits dabei

■  Großunternehmen, Mittelstand und Start-ups bringen gemeinsam die Digitalisierung der deutschen Leitbranchen voran.

■  Bundesregierung will Hub-Initiative in der laufenden Legislaturperiode ausbauen.

■  Bitkom: Mittelstand muss Chance nutzen, die Digitalisierung aktiv zu gestalten.

Nicht nur über die Digitalisierung sprechen, nicht nur ihre Probleme sehen, sondern ganz praktisch gemeinsame neue Technologien erproben und Lösungen entwickeln – das ist das Ziel der Digital-Hub-Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums. Vor einem Jahr, im April 2017, hat die Hub Agency als zentrale Geschäftsstelle zur Vernetzung der bundesweit zwölf »Digital Hubs« ihre Arbeit aufgenommen. Ziel der vom Bitkom mitinitiierten Digital-Hub-Initiative ist es, dass Großunternehmen, Mittelständler und Start-ups gemeinsam mit Wissenschaftlern und Investoren die digitale Transformation der deutschen Leitindustrien vorantreiben.

Bereits heute bringen die Digital Hubs mehr als 350 Start-ups, 150 Unternehmen und 45 Hochschulen zusammen. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD angekündigt, die Digital-Hub-Initiative fortzusetzen und weiter auszubauen.

»Seit die Idee für die Digital-Hub-Initiative auf dem IT-Gipfel 2015 erstmals vorgestellt wurde, ist dank der großen Unterstützung durch das Bundeswirtschaftsministerium eine Menge passiert. In kürzester Zeit sind in ganz Deutschland Orte entstanden, an denen Digitalisierung praktisch erlebbar und gestaltbar wird. Ziel der Initiative muss dabei sein, die deutschen Leitindustrien bestmöglich bei der Digitalisierung zu unterstützen«, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Zentraler Bestandteil der Hubs ist ein physischer Ort, der Innovations- und Entwicklungsabteilungen mit Start-ups und Wissenschaftlern zusammenbringen soll. So wurden in einzelnen Hubs Teams von Mitarbeitern aus verschiedenen Unternehmen gebildet, um Prototypen für Produkte zu entwickeln. In anderen Hubs haben sich erfolgreiche Start-ups angesiedelt oder es entstanden Co-Working- und Maker-Spaces, in denen junge Unternehmen loslegen und sich mit Vertretern von etablierten Unternehmen austauschen können.

Dafür gibt es nach einer Studie des Digitalverbands Bitkom großen Bedarf. So sagen zwei Drittel (67 Prozent) der Unternehmen mit 50 bis 499 Mitarbeitern, dass sie bisher nicht mit Start-ups zusammenarbeiten. Die große Mehrheit von ihnen (84 Prozent) nennt als Grund, dass sie keinen Kontakt zu Start-ups haben.

»Ein Ziel für die kommenden Jahre wird sein, die Arbeit noch stärker zu fokussieren und den Mittelstand stärker einzubeziehen. Dabei sind aber auch die Unternehmen selbst aufgerufen, die sich bietenden Chancen zu ergreifen und die Zusammenarbeit mit Start-ups, Konzernen und Wissenschaft aktiv zu suchen«, sagt Berg. »Die Digital Hubs sind eine einmalige Chance, digitale Schlüsseltechnologien wie Artificial Intelligence, Blockchain, 3D-Druck oder Virtual Reality in die Breite der Unternehmen zu bringen und so die Digitalisierung nicht nur zu bewältigen, sondern aktiv zu gestalten – und eine internationale Strahlkraft zu entwickeln.«

 

Übersicht über die Digital Hubs in Deutschland

 

■  Berlin: Internet of Things (IoT) und FinTech

■  Dortmund: Logistics

■  Dresden und Leipzig: Smart Infrastructure und Smart Systems

■  Frankfurt und Darmstadt: FinTech und Cybersecurity

■  Hamburg: Logistics

■  Karlsruhe: Artificial Intelligence

■  Köln: InsurTech

■  Ludwigshafen und Mannheim: Digital Chemistry und Digital Health

■  München: Mobility und InsurTech

■  Nürnberg und Erlangen: Digital Health

■  Potsdam: MediaTech

■  Stuttgart: Future Industries

 


 

Digitale Transformation: IT-Gipfel gibt Startschuss für Deutschlands digitale Hubs

  • In fünf Städten wird die digitale Transformation von Mobilität, Logistik und Finanzwesen vorangetrieben
  • Gipfel-Schwerpunkt Bildung: Erste »Smart School« als Blaupause für Digitalpakt
  • Fortschritte bei Gigabit-Netzen und Arbeitsmarktintegration für Flüchtlinge

Der Digitalverband Bitkom hat die auf dem 10. Nationalen IT-Gipfel in Saarbrücken vorgestellten digitalen Hubs als »bedeutenden Schritt« für das Gelingen der digitalen Transformation in Deutschland bezeichnet. Nach einer repräsentativen Umfrage unter 500 Unternehmen aus allen Branchen im Auftrag des Bitkom sagen aktuell 59 Prozent der Unternehmen, dass sie bei der Digitalisierung nur Nachzügler sind [1]. Immerhin jedes dritte Unternehmen (34 Prozent) sieht sich selbst als Vorreiter bei der Digitalisierung.

»Künftig wird nicht mehr der auf dem Weltmarkt dominieren, der die meisten PS in sein Auto baut, sondern derjenige, der mit Hilfe digitaler Technologie das intelligenteste und nutzerfreundlichste Beförderungskonzept entwickelt«, sagte Bitkom-Präsident Thorsten Dirks. »Jeder weiß inzwischen, dass die Digitalisierung alle Branchen grundlegend verändern wird – aber viele Unternehmen wissen nicht, wie sie die Digitalisierung konkret angehen können. Die heute vorgestellten ersten digitalen Hubs in Deutschland werden das ändern. Sie geben den Unternehmen Digital-Know-how an die Hand: Es geht ums Machen, ums Ausprobieren.«

Die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel angekündigten digitalen Hubs werden unter der Dachmarke »Digital Hubs Germany« zunächst zu den Themen Mobilität, Fintech, Logistik und Internet of Things in fünf Städten an den Start gehen:

  • Die Digitalisierung der Finanzbranche wird künftig in Frankfurt am Main vorangetrieben. Der dortige Fintech-Hub wird bereits am heutigen Abend eröffnet und wurde unter anderem vom hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir initiiert.
  • Die Digitalisierung der Logistikbranche steht in Dortmund im Zentrum. Der dortige Hub wird von Fraunhofer IML gemeinsam mit dem Bitkom und anderen Akteuren vor Ort vorangetrieben und vom Bundesforschungsministerium unterstützt.
  • Ein Logistik-Hub entsteht ebenfalls in Hamburg, wobei dort die maritime Kette im Mittelpunkt stehen soll. Partner dabei sind unter anderem der Erste Bürgermeister Olaf Scholz und der Hamburger Hafen.
  • Und um die Zukunft der Mobilität wird es in einem digitalen Hub in München gehen. Maßgeblich beteiligt ist der von der Unternehmerin Susanne Klatten geförderte und europaweit führende Inkubator UnternehmerTUM, unterstützt wird der Hub von dem bayerischen Wirtschaftsministerium, dem Bundesverkehrsministerium und der Stadt München.
  • Um das Internet Of Things (IoT)und die Digitalisierung des Finanzwesens geht es in Berlin. Hier sind neben der Stadt Berlin zahlreiche Vertreter der starken Digital- und Start-up-Szene mit in die Aktivitäten eingebunden.

grafik-bitkom-digitale-hubs-de

Für die digitalen Hubs, von denen es bundesweit maximal zwölf geben soll, wird gleichzeitig eine internationale Standortkampagne gestartet, um weltweit die innovativsten Start-ups der jeweiligen Branche auf ihre Chancen in Deutschland aufmerksam zu machen. »Die digitalen Hubs sollen ein offenes, digitales Ökosystem bilden, in dem rund um unsere Leitindustrien Branchenriesen, Mittelständler und Start-ups zusammen mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Kapitalgebern die digitale Transformation Deutschlands gestalten«, sagte Dirks. Es gehe darum, jeweils einen konkreten Ort in der Stadt zu schaffen, in dem die Unternehmen Schreibtisch an Schreibtisch arbeiten, Erfahrungen und Lösungsansätze austauschen und die modernsten Produktionstechnologien wie 3D-Drucker ausprobieren und nutzen können. Dirks: »In einem solchen Hub sollen künftig Vorstände von etablierten Unternehmen von Start-ups lernen können, ohne nach Kalifornien fliegen zu müssen.«

Erste Smart School in Deutschland eröffnet

Zweites großes Thema des diesjährigen IT-Gipfels war Bildung. Aus diesem Anlass hat Bitkom unter anderem zusammen mit Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer die Gesamtschule Bellevue in Saarbrücken als erste »Smart School« in Deutschland eröffnet. Mit Unterstützung von Partnern wie Bettermarks, Cisco, Fujitsu, Google, HP, Imsimity, Microsoft, Minhoff, SAP und Telekom wurde die Schule mit digitalen Geräten und spezieller Lernsoftware für den Unterricht von morgen ausgestattet. Parallel wird ein didaktisches Konzept entwickelt, um die Technologie in den Lehrplan zu integrieren und die Lehrer entsprechend weiterzubilden. »Digitale Technologien in die Schule zu bringen, ist nicht nur ein Wunsch von Lehrern und Schülern, sondern auch der Eltern«, sagte Dirks.

Nach einer repräsentativen Umfrage unter 1.011 Eltern schulpflichtiger Kinder im Auftrag des Bitkom sind zwei Drittel (66 Prozent) der Meinung, dass ihre Kinder durch den Computereinsatz in der Schule motivierter sind. Jeweils rund die Hälfte sagt, durch den Einsatz digitaler Medien lernt das eigene Kind schneller (47 Prozent) und tauscht sich besser mit seinen Mitschülern aus (49 Prozent). Und 8 von 10 Eltern (83 Prozent) fordern, dass mehr Geld in Computerausstattung und in digitale Lernmittel an der Schule ihres Kindes investiert wird. »Der von Bundesbildungsministerin Wanka vorgeschlagenen Digitalpakt, der 5 Milliarden Euro für digitale Geräte und Infrastruktur an den Schulen vorsieht, geht voll auf Forderung der Eltern in Deutschland ein«, so Dirks. »Das ist eine klare Aufforderung an die politisch Verantwortlichen in den Ländern, die Digitalisierung der Schule jetzt anzugehen.« Nach Ansicht des Bitkom liefert die »Smart School« in Saarbrücken eine Blaupause, wie sich der Digitalpakt vor Ort praktisch umsetzen lässt. Mit dem Gymnasium Wendalinum hat sich im Saarland bereits die zweite Schule auf diesen Weg gemacht. »Bildung und digitale Transformation unserer Wirtschaft, das sind zwei ganz zentrale Zukunftsthemen. Von ihnen hängen unser künftiger Wohlstand, gesellschaftlicher Zusammenhalt und politischer Gestaltungs¬spielraum ab«, sagte Dirks.

 


 

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