Entwickler-Standort-Report: So sieht die deutsche Programmiererlandschaft aus

  • 709.033 Entwickler in Deutschland, davon 59,6 Prozent Full-Stack-Entwickler
  • Programmiersprachen: Java und Python sind am gängigsten
  • Unterschiede in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Rhein/Ruhr und Stuttgart/Karlsruhe werden beleuchtet

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Stack Overflow, die nach eigenen Angaben größte Progammierplattform der Welt, präsentiert erstmals den Entwickler-Standort-Report für Deutschland: Dazu wurde auf nationaler Ebene untersucht, wie viele Entwickler in Deutschland derzeit tätig sind und auf welche Programmiersprachen sie sich verteilen [1]. Zudem wurden die sechs wichtigen Wirtschaftsregionen Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Rhein/Ruhr und Stuttgart/Karlsruhe und deren Fachkräftepotenzial näher untersucht und die jeweiligen Standorteigenschaften beleuchtet.

»Software is eating the world«: Gemeint ist damit, dass nahezu alle Branchen durch digitale Prozesse beeinflusst werden. Auch die deutsche Wirtschaft und der Arbeitsmarkt hierzulande spüren diese Entwicklung – nahezu keine Branche kommt mehr ohne die Hilfe von Software-Entwicklern aus. Eine der größten Herausforderungen dabei: Der Fachkräftemangel. Doch wie ist es tatsächlich um die hiesige Entwicklerlandschaft bestellt?

Der Entwickler-Arbeitsmarkt – Eine Bestandsaufnahme

In Deutschland gibt es derzeit 709.033 Software-Entwickler (Stand August 2016). Die meisten davon sind Full-Stack-Entwickler (59,6 Prozent), beherrschen also alle erforderlichen Technologien ausreichend, um eine voll funktionsfähige Web-Anwendung zu erstellen. Das entspricht auch dem globalen Trend vom fließenden Verlauf zwischen Front-End und Back-End-Spezialisten. Generell gibt es in Deutschland deutlich mehr Generalisten als Experten. Für mobile Endgeräte programmieren gerade mal 5,3 Prozent der deutschen Entwickler.

Der deutsche Durchschnitts-Entwickler

Entwickler, Nerds, Gurus, Rockstars – es kursieren viele Bezeichnungen und jeder hat sein ganz eigenes Bild vor Augen, was einen typischen Entwickler ausmacht. Aber was sagen die Zahlen? Würde man den Stereotypen eines deutschen Entwicklers beschreiben, so wäre er männlich, zwischen 25 und 29 Jahren alt, verdient zwischen 44.000 und 53.000 Euro jährlich und hat bereits 6,5 Jahre Berufserfahrung. Das geht aus einer Auswertung der 3.883 deutschen Teilnehmer der diesjährigen Entwickler-Umfrage von Stack Overflow hervor.

Welche Programmier-Sprache sprechen die deutschen Entwickler?

Die genutzten Programmiersprachen in Deutschland sind vielfältig, unangefochten an der Spitze jedoch steht Java mit 96.068 Entwicklern, die diese Sprache beherrschen – das entspricht 13,7 Prozent aller Entwickler in Deutschland. Python liegt auf Platz zwei und gehört zum Repertoire von 90.929 Entwicklern (12,8 Prozent).

Im mobilen Wettstreit schlägt die Zahl der Android-Entwickler mit 24.683 Entwicklern mengenmäßig klar die iOS-Entwickler mit 13.223. Der Anteil der Android-Entwickler an allen Entwicklern im Mobilebereich liegt somit bei 65,1 Prozent.

Deutschlands Entwicklerregionen im Vergleich:

Im Zuge des Deutschland Reports wurden sechs bedeutende Wirtschaftsregionen und die dortige Entwicklerlandschaft näher betrachtet: Die Rhein/Ruhr-Region, Berlin, München, Frankfurt am Main, Stuttgart/Karlsruhe und Hamburg – sortiert nach Anzahl der dort jeweils ansässigen Entwickler. Wo liegen die Stärken der Entwickler in den einzelnen Regionen?

Rhein-/Ruhr-Region

In der Rhein-/Ruhr-Region (bestehend aus den Städten Dortmund, Essen, Duisburg, Bochum, Gelsenkirchen, Oberhausen, Düsseldorf, Neuss, Mönchengladbach, Wuppertal, Köln/Bonn sowie Leverkusen) sitzen 93.920 Entwickler, davon gelten 59,5 Prozent als Full-Stack Entwickler. Die übrigen Programmierer beherrschen die Sprachen Java (13,9 Prozent), PHP (12,3 Prozent) und Python (10,8 Prozent).

Berlin

Als Gründer-Hauptstadt – alle 20 Minuten wird in Berlin laut Statistik ein Start-up gegründet – folgt Berlin mit 81.868 Entwicklern auf Platz zwei der größten Entwickler-Regionen in Deutschland. Die am weitesten verbreiteten Sprachen sind Python (14,7 %), Ruby (12,9 %) und NodeJS (12,3 %). Besonders an der Region Berlin ist die hohe Dichte an Mobile-Entwicklern: Ihr Anteil beträgt 6,1 Prozent im Gegensatz zu 5,3 Prozent im deutschen Durchschnitt.

München

München gilt als Europas Nummer 1 im ITK-Bereich und wird auch als »Isar Valley« bezeichnet. In der Bayernmetropole sind 65.178 Entwickler beheimatet, davon 57,7 Prozent Full-Stack-Entwickler. Die Übrigen verteilen sich auf die Sprachen Python (14,7 Prozent), Java (14 Prozent) und NodeJS (7,9 Prozent). München ist somit neben Berlin die einzige der sechs untersuchten Regionen, in der Java nicht Spitzenreiter der Technologien ist.

Frankfurt am Main

Frankfurt am Main ist der viertgrößte Entwicklerstandort und beherbergt 47.551 Entwickler, davon sind 57,6 Prozent Full-Stack-Entwickler. Die übrigen verteilen sich auf Java (15,9 Prozent), .NET (11,1 Prozent) und Python (8,3 Prozent). Es ist auffällig, dass sich hier vor allem die gängigen Programmiersprachen internationaler Firmen wie Java, Sharepoint, Salesforce oder Oracle durchgesetzt haben – was sich wohl durch die in Frankfurt ansässigen Großkonzerne und Banken erklären lasst.

Stuttgart/Karlsruhe

Die Region Stuttgart/Karlsruhe zählt 39.823 Entwickler, davon 59,7 Prozent Full-Stack-Entwickler. Was hier besonders auffällt: Neben Spezialisten für Java (15,4 Prozent), Python (14,2 Prozent) und NodeJS (8,8 Prozent) gibt es hier eine hohe Zahl an Grafikprogrammierern. Obwohl die Region »nur« der fünftgrößte Entwicklerstandort ist, ist sie als Gründerstandort nicht zu unterschätzen: Bei den Unternehmensgründungen aus dem ITK-Bereich liegt Karlsruhe deutschlandweit nach Hamburg auf dem zweiten Platz.

Hamburg

Obwohl Hamburg mengenmäßig die kleinste der betrachteten Entwickler-Regionen ist, gilt die Hansestadt als IT-Hochburg, denn die IT Branche ist einer der bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren: 37.839 Entwickler haben hier ihren Wohnsitz. Neben den 63,3 Prozent Full-Stack-Entwicklern teilt sich das Sprachenspektrum auf Java (13,3 Prozent), PHP (11,9 Prozent) und Ruby (11,6 Prozent) auf.

»So unterschiedlich Deutschlands Wirtschaftsregionen auch sind – sie stehen im Wettbewerb miteinander um die besten Entwickler-Talente. Wir sind gespannt, welche Standorte in den nächsten Jahren den »War for Talents« gewinnen werden und wie einzelne Unternehmen sich präsentieren, um die gesuchten Talente anzuziehen. Klar ist: Wenn Entwickler ihren Job aus einer Angebotsvielfalt auswählen können, dann gewinnt das attraktivste Angebot«, sagt Stefan Schwarzgruber, Country Manager Deutschland bei Stack Overflow.

Stack-Overflow-Gründer und CEO Joel Spolsky weiß aus jahrelanger Erfahrung, wie Unternehmen im Recruiting erfolgreich sind und ergänzt: »Ein großer Fehler, den Unternehmen überall machen, ist sich selbst nicht ehrlich zu beschreiben. Das ist wie vorzugeben, man sei 18 Jahre alt und durchtrainiert. So siehst du aber nicht aus, akzeptiere das! Wer erfolgreich im Recruiting sein will, sollte ein so realistisches Profil wie möglich von sich zeichnen und die dazu passenden Talente ansprechen.«

[1] Der Report wurde von Stack Overflow Insights erstellt: Stack Overflow Insights nutzt firmeninterne Daten und identifiziert mit Hilfe von Methoden des maschinellen Lernens, welche Technologien Entwickler oder Entwicklerinnen lokal nutzen – und erstellt so eine Kartierung der Entwickler. Die Daten werden in Echtzeit erhoben und spiegeln tatsächliches Nutzerverhalten wieder. Der gesamte Report ist hier verfügbar: http://business.stackoverflow.com/c/entwickler-in-deutschland

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