Fake News: Deutsche Medien sind vertrauenswürdig

75 Prozent der Befragten einer PwC-Umfrage halten deutsche Medien für vertrauenswürdig. Das spiegelt sich auch in den meistgenutzten Informationsquellen zu politischen Ereignissen wieder, wie die Infografik von Statista. So belegen öffentlich-rechtliche Fernsehsender hier mit 71 Prozent den ersten Platz vor Tages- und Wochenzeitungen (53 Prozent). An dritter Stelle stehen Gespräche im Familien-, Freundes- oder Kollegenkreis (52 Prozent). Websites oder Online-News-Seiten beziehungsweise Social Media spielen im Vergleich nur eine nachgeordnete Rolle. Das gilt indes nicht für die Jüngeren. Bei den 18-29-Jährigen informieren sich mehr als die Hälfte (56 Prozent) via Facebook, Twitter und andere Social-Media-Kanäle. Dabei schätzt die Mehrheit den den Wahrheitsgehalt von Informationen dort als eher gering ein. Mehr noch, das Gros der Befragten rechnet hier am ehesten mit Fake News zu politischen Themen. Mathias Brandt

https://de.statista.com/infografik/12228/umfrage-zum-thema-fake-news/

 


 

Fake News finden und bekämpfen

Neues Forschungsprojekt DORIAN: Interdisziplinäres Team entwickelt rechtskonforme Methoden und praxistaugliche Handlungsempfehlungen.

 

Fake News werden meist zur Stimmungsmache oder gezielten Hetze gegen einzelne Personen verbreitet und können schnell im Internet kursieren. Doch was genau ist eine Fake News und wie lassen sie sich am besten bekämpfen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich das im August gestartete und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt DORIAN. Juristen, Medienwissenschaftler, Psychologen, Informatiker und Journalisten suchen gemeinsam nach Möglichkeiten, um Fake News automatisiert zu erkennen und ihrer Verbreitung entgegenzuwirken. Ziel des Projekts ist die Entwicklung von Methoden und Handlungsempfehlungen, die praxistauglich sind und zugleich den Datenschutz und die Meinungsfreiheit wahren. Projektpartner sind das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie, die Hochschule der Medien Stuttgart, die Universität Duisburg-Essen und die Universität Kassel. Weitere Informationen zum Projekt finden sich im Internet unter www.sit.fraunhofer.de/dorian

Soziale Netzwerke und Nachrichtenportale im Internet sind zu einer wichtigen Plattform für gesellschaftliche und politische Kommunikation geworden. Koordinierte Fake-News-Kampagnen setzen diese Plattformen zweckentfremdet ein, um manipulierte Nachrichten zu verbreiten. Sie zielen darauf, die öffentliche Stimmung in eine bestimmte Richtung zu lenken, sie sollen als Massenpropaganda wirken oder bestimmte Gruppen gezielt beeinflussen.

Mechanismen zur Aufdeckung und Bekämpfung von Falschmeldungen

Oft ist es aufwendig, Fake News als solche zu entlarven. Bislang gibt es nur wenige Gegenmaßnahmen, meist von Betreibern großer Internetplattformen wie Google oder Facebook sowie Medienhäusern, die Faktencheck-Portale betreiben. Das Projekt DORIAN hat es sich zum Ziel gesetzt, Mechanismen zur Aufdeckung und Bekämpfung von Falschmeldungen zu entwickeln, die gleichzeitig das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie die Presse- beziehungsweise Zensurfreiheit und den Datenschutz berücksichtigen. Konkret erstellen die Projektpartner zum Beispiel Handlungsempfehlungen für Bürger, Behörden und Medienhäuser.

»Im Projekt DORIAN untersuchen wir Meinungsmanipulation mit einem umfassenden interdisziplinären Ansatz – damit wollen wir mögliche technische Lösungen zur automatisierten Erkennung und Bekämpfung von Desinformation und Meinungsmanipulation im Internet aufzeigen, die grundrechtskonform sind und nicht zensierend wirken sollen«, erklärt Dr. Michael Kreutzer, Projektleiter am Fraunhofer SIT. Prof. Dr. Martin Steinebach, ebenfalls Fraunhofer SIT, ergänzt: »Wir bringen große Kompetenz im Bereich technischer Datenschutz, Bild- und Textforensik, der Computerlinguistik sowie dem Internet als Infrastruktur in das Projekt ein.«

Rrechtliche Anforderungen

Die rechtlichen Anforderungen im Projekt DORIAN untersucht ein Wissenschaftlerteam der Universität Kassel unter Leitung von Prof. Dr. Alexander Roßnagel. »Wir schauen, in welchen Fällen gegen Fake News rechtlich vorgegangen werden kann und untersuchen, ob der bestehende Rechtsrahmen hierfür ausreicht oder erweitert werden sollte«, sagt Roßnagel, der mit seinem Team auch die Konformität von möglichen Aufdeckungs- und Bekämpfungsmaßnahmen mit dem Datenschutz untersucht.

Medienpsychologie

Das Wissenschaftlerteam der Universität Duisburg-Essen steuert neueste Erkenntnisse aus der Medienpsychologie bei. »Wir untersuchen Prozesse der Meinungsbildung in sozialen Medien sowie Mechanismen zur Weiterleitung von Informationen im Internet«, erklärt Prof. Dr. Nicole Krämer. Ihr Medienpsychologie-Team wird in Studien untersuchen, wie Menschen Falschinformationen wahrnehmen, ob sie in der Erinnerung – selbst nach deren Aufdeckung – haften bleiben und unter welchen Umständen die Bürgerinnen und Bürger Warnungen vor Fake News beachten.

Sammlung von Fake News

Die Hochschule der Medien (HDM) in Stuttgart wird das Untersuchungsmaterial erheben, also eine Sammlung von Fake News erstellen. »Wir steuern zudem Erkenntnisse über politische Kommunikation, journalistische Qualität, Datenjournalismus sowie redaktionelle Abläufe bei«, ergänzen Prof. Dr. Katarina Bader und Prof. Dr. Lars Rinsdorf von der HDM.

Das Projekt DORIAN – Desinformation aufdecken und bekämpfen – läuft bis 2019 und hat ein Gesamtfördervolumen von über einer Million Euro. Mehr Informationen unter www.sit.fraunhofer.de/dorian

 

 

Ziel des Forschungsprojekts Dorian ist die Entwicklung von rechtskonformen Methoden und praxistauglichen Handlungsempfehlungen gegen Fake News.

[1] Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die führende Organisation für angewandte Forschung in Europa. Unter ihrem Dach arbeiten 67 Institute und Forschungseinrichtungen an Standorten in ganz Deutschland. 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bearbeiten das jährliche Forschungsvolumen von mehr als 2,1 Milliarden Euro. Davon fallen über 1,8 Milliarden Euro auf den Leistungsbereich Vertragsforschung. Über 70 Prozent dieses Leistungsbereichs erwirtschaftet die Fraunhofer-Gesellschaft mit Aufträgen aus der Industrie und mit öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Die internationale Zusammenarbeit wird durch Niederlassungen in Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien gefördert.

 


 

Die Mehrheit erachtet Fake News als Gefahr für die Demokratie

Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, Fake News seien kein neues Phänomen.

 

Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen YouGov befragte aktuell die deutschen Wähler über deren Nutzung und Wahrnehmung von Medien sowie deren Einschätzung zu Falschmeldungen, den sogenannten Fake News [1]. Am meisten wird der Polizei und dem Bundesverfassungsgericht vertraut. An dritter Stelle folgen dann die öffentlich-rechtlichen Medien. Abgeschlagen auf Platz 8 liegen die privaten Medien. Zwei von fünf der Befragten (41 Prozent) sind der Meinung, dass man privaten, kommerziellen Medien eher nicht oder überhaupt nicht vertrauen kann.

Grundsätzlich skeptisch

Deutsche Wähler zeigen sich grundsätzlich skeptisch gegenüber medialer Berichterstattung. Nur etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent) fühlt sich über das politische Geschehen in Deutschland korrekt informiert. Ebenfalls nur ein Drittel ist der Meinung, dass die Medien und deren Berichterstattung grundsätzlich glaubwürdig sind. Außerdem sind drei von zehn Deutschen der Meinung, dass die klassischen Medien Ereignisse verschweigen würden, um politisch korrekt zu sein. »Aus unserer Sicht stellen dies bedenkliche Werte dar«, erläutert Holger Geißler, Head of Research YouGov Germany. »In den USA, wo nur noch 30 Prozent der Bürger den Medien vertrauen, gehört Medienschelte inzwischen zum guten Ton der Regierenden. Eine solche Entwicklung schwächt die Kontrollfunktion der vierten Gewalt im Staat.«

Die Quellen

Mehr als zwei Drittel der Wähler (73 Prozent) erhalten ihre Informationen zum politischen Geschehen im Land über das Fernsehen. Auf Platz zwei folgt dann schon das Internet mit 61 Prozent. Davon verfolgt fast die Hälfte Diskussionen über Politik und jeder Zehnte diskutiert aktiv mit. Insbesondere Anhänger der Linken, der FDP und der AfD beteiligen sich online fleißig am politischen Diskurs. Radio (47 Prozent) und Zeitungen (42 Prozent) folgen als Informationsquelle abgeschlagen auf Platz drei und vier.

Tageszeitungen und öffentlich-rechtlichen Fernsehsender

Die Angebote von Tageszeitungen und öffentlich-rechtlichen Fernsehsender werden deutlich vertrauenswürdiger wahrgenommen als andere Quellen. Online-Nachrichtenportale, Online Angebote von Boulevard-Zeitungen und Boulevard-Zeitungen selbst schneiden besonders schlecht in Sachen Glaubwürdigkeit ab. Allerdings beurteilen die befragten Wähler die Social-Media-Kanäle YouTube, Facebook und Twitter als noch weniger verlässlich. Fast die Hälfte der Deutschen Wähler (48 Prozent) erachten Fake News als ernsthafte Gefahr für die Demokratie. Mehr als die Hälfte ist überzeugt, dass es dieses Phänomen schon immer gab. Immerhin ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass der Begriff derzeit häufig verwendet wird, um die Glaubwürdigkeit einer eigentlich richtigen Nachricht in Zweifel zu ziehen. Die Verantwortung im Kampf gegen Fake News sehen die Wähler vor allem bei den Medien und Journalisten selbst. Nur ein Viertel der Befragten erachtet eine staatliche Behörde zur Überprüfung von Falschnachrichten als sinnvoll.

Soziale Medien und Boulevard-Zeitungen

Interessanterweise sehen die Wähler vor allem soziale Medien und Boulevard-Zeitungen als stark oder sehr stark anfällig für Falschmeldungen. Dabei führt Facebook mit 61 Prozent, gefolgt von Twitter (55 Prozent) und YouTube (51 Prozent). Vier von zehn Wählern (41 Prozent) sind der Meinung, dass Fake News bestimmt oder wahrscheinlich eine Rolle im aktuellen Wahlkampf zur Bundestagswahl spielen wird. Und jeder vierte deutsche Wähler ist überzeugt, dass dies den Ausgang der Bundestagswahl beeinflussen kann.

[1] YouGov befragte im Zeitraum vom 29.05.2017 bis zum 31.05.2017 repräsentativ 2.000 ausgesuchte Personen in Deutschland ab 18 Jahren zu ihrer Meinung zu Fake News in einer geschlossenen Online-Umfrage. Die Ergebnisse der YouGov-Studie »Fake News« können Sie nach Registrierung hier herunterladen. http://campaign.yougov.com/DE_2017_08_Political_Fake_News.html

 


 

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