Feuer im Rechenzentrum vermeiden ist besser als bekämpfen

In den IT-Rechenzentren herrscht ein besonders hohes Brandrisiko durch die hohe Energiedichte der installierten elektrischen Anlagen wie Server, Storages, Netzwerkkomponenten usw. sowie die damit verbundene große Abwärmemenge. Die typische Brandgefahr liegt in den Schwelbränden durch Kurzschlüsse oder technische Defekte, die oft erst entdeckt werden, wenn ein Brandschaden bereits entstanden ist.

In vielen Datacentern sind unzureichende Feuerlöschsysteme installiert. Nicht selten findet man in Datacentern kleiner und mittelgroßer Unternehmen ausschließlich Handfeuerlöscher vor, die keinen richtigen Schutz bieten, auch wenn Rauchmelder installiert sind. Bis der Brand erkannt wurde, ist es schon zu spät, das Feuer zu löschen. In der Nacht, wenn niemand im Unternehmen ist, hat man erst recht keine Chance.

Oft herrscht die Meinung vor: »Bei uns ist noch nie ein Brand ausgebrochen, es wird schon nichts passieren«. Wenn es dann doch passiert, ist die Folge, dass die IT-Infrastruktur ausfällt – und das oft für Tage oder Wochen. Es muss neue Hardware beschafft, die Verkabelung erneuert, die Daten aus der Datensicherung zurückgespielt werden. Hoffentlich gibt es dann einen aktualisierten Notfallplan, der genau vorgibt, was zu tun ist. Heute kann kein Unternehmen mehr auf die IT-Unterstützung verzichten, im Extremfall zwingt ein Feuerereignis zur Aufgabe des Unternehmens. Beispiele gibt es leider genug.

Häufig installierte Löschanlagen

Für die Sicherheit sind eine technisch hochwertige Brandfrühesterkennung und ein Rauchansaugsystem in Verbindung mit einem zuverlässigen und schnellen automatischen Löschsystem erforderlich. Das Rauchansaugsystem sendet ein Signal an die Brandmeldezentrale, die wiederum die Löschanlage aktiviert. Eine frühzeitige Aktivierung der Löschung ist für den Löscherfolg entscheidend. Im Datacenter sind unter der Decke Düsen installiert, die für eine homogene Verteilung der Löschmittel zuständig sind. Die Alternative ist ein Brandvermeidungssystem. Die gängigen Löschsysteme sind:

  • Inertgas oder
  • chemische Löschmittel Novec 1230, FM200 und vermehrt
  • Brandvermeidungsanlagen.

Bei Inertgas wird im Brandfall durch das Löschmittel der Sauerstoffanteil der Raumluft so stark reduziert, dass ein Verbrennungsprozess unterbunden wird.

Bei Novec 1230, FM 200 entfalten die Löschgase ihre Wirkung durch Wärmeabsorption in der Flamme. Der Flamme wird Wärme entzogen bis zu einem Punkt, bei dem Verbrennungsreaktionen nicht mehr stattfinden können. Hier wirken eine physikalische und eine chemische Komponente.

Die Flutung erfolgt bei Inertgasen nach 120 Sekunden, bei Novec 1230, FM200 innerhalb von 10 Sekunden. Inertgas und Novec 1230 sind die heute am stärksten verbreiteten Löschsysteme. Allerdings muss bei diesen Löschsystemen erst ein Brandereignis entstehen, bevor es gelöscht werden kann. Folgeschäden durch Rauch und Löschmittel sind unvermeidbar. Damit keine Rückentzündung entsteht, wird die Stromversorgung im Brandfall im gesamten Rechenzentrum automatisch ausgeschaltet.

Eine Alternative bietet eine aktive präventive Brandvermeidung mit einem Brandvermeidungssystem. Es lässt einen Brand erst gar nicht entstehen. Der Sauerstoffgehalt wird durch Zuführung von Stickstoff abgesenkt. Dadurch wird die Sauerstoffkonzentration exakt auf einen zuvor eingestellten Wert vermindert. In diesem Fall ist die Entstehung eines Brandes ausgeschlossen. Personen können die Räume betreten.

Der normale Luftsauerstoffgehalt in einem Raum liegt bei etwa 20,95 Volumenprozent. Bis 17 Volumenprozent Luftsauerstoffgehalt sind für Menschen unbedenklich. Bei 15,2 Volumenprozent ist die Entstehung eines Schwelbrandes oder Feuer unmöglich; der Wert entspricht einer Berghöhe von ca. 2.800 Metern.

Bei einer konstanten Sauerstoffreduzierung unter 17 bis 15 Prozent ist der Aufenthalt in einem geschützten Raum von bis zu drei Stunden unbedenklich. Allerdings muss laut Arbeitsschutzverordnung eine gesundheitliche Untersuchung des Herz-Kreislaufsystems vorgenommen werden, die alle drei Jahre zu wiederholen ist. Die Dauer der Untersuchung beansprucht ca. 10 Minuten.

Das Betreten der Schutzräume durch Personen sollte ohnehin nur im Ausnahmefall erfolgen und aus Sicherheitsgründen nur auf wenige berechtigte Personen beschränkt sein. Da moderne Datacenter nur noch remote bedient werden, sollte das kein Problem sein. Werden Brände und deren Ausbreitung vermieden, muss das Datacenter nicht stromlos geschaltet werden und die Geschäftsprozesse sowie Daten bleiben störungsfrei.

Wolfgang Heinhaus, Experton-Group, www.experton-group.de


 

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