Flaute nach dem Hype? Virtual Reality und Sprachassistenten werden nur zaghaft angenommen.

Nur ein Hype? Angebote aus dem Bereich Virtual Reality haben bislang die in sie gesetzten Erwartungen enttäuscht.

Laut des Deloitte Globale Mobile Consumer Survey 2017 [1] ist der entsprechende Hardwarebestand gegenüber dem Vorjahr nur unwesentlich gestiegen. Eine Trendwende lässt auf sich warten. Kaum besser steht es um die Popularität von 5G: Die Verbraucher schenken dem zukünftigen Mobilfunkstandard offenbar wenig Beachtung und wollen für die höheren Bandbreiten auch nicht tiefer in die Tasche greifen. Intelligente Sprachassistenten werden ebenfalls weniger intensiv angenommen, als es die aktuelle Diskussion um das Thema vermuten lässt. Das zentrale Consumer Device bleibt weiterhin das Smartphone – und zwar nun auch als Video- beziehungsweise Filmleinwand, gerne auch bei längeren Formaten. Insgesamt lässt sich jedoch eine geringere Marktdynamik als noch in den vergangenen Jahren feststellen.

»Innovative Dienste sind der Treibstoff für die Mobilfunkindustrie. Viele der groß angekündigten Trends sind jedoch noch nicht recht bei den Verbrauchern angekommen. Zwar zeigen sich die jüngeren Altersgruppen erwartungsgemäß aufgeschlossener – im Verhältnis zur Gesamtzahl bleiben sie aber in der klaren Minderheit. Von Disruption kann zurzeit keine Rede sein – eher von einer evolutionären Entwicklung in unterschiedlichen Geschwindigkeiten«, erklärt Dr. Andreas Gentner, Partner und Leiter TMT EMEA bei Deloitte.

Virtuelle Welt (noch) nicht in der Realität angekommen
Virtual Reality ist noch weit von einem Massenphänomen entfernt. Betrug der Verbreitungsgrad entsprechender Ausrüstung im Jahr 2016 noch 2 Prozent, so ist es in diesem Jahr gerade einmal ein Prozentpunkt mehr. Dabei verwenden die Konsumenten inzwischen eher die höherwertige Hardware: Der Anteil der Full-Feature-Brillen am gesamten Gerätebestand stieg um fast das Doppelte auf nunmehr 32 Prozent, während einfache Cardboards den Ansprüchen inzwischen nicht mehr genügen und an Bedeutung verlieren.

Bessere VR-Hardware kann helfen
Die geäußerte Kaufabsicht zeigt: Auf absehbare Zeit ist hier keine Steigerung zu erwarten. Naturgemäß sind eher die Jüngeren für die Technologie zu begeistern, sodass die Bemühungen der Hersteller zunächst auf diese Gruppe fokussieren sollten. Auch könnte eine verstärkte Vermarktung VR-geeigneter Smartphones das Interesse steigern. Hauptsächlich bestimmt jedoch der erkennbare Mehrwert von Virtual-Reality-Anwendungen das zukünftige Potenzial.

 

 

Bandbreite egal? 5G entwickelt wenig Appeal
Eine aus Anbietersicht ebenfalls enttäuschende Entwicklung zeigt der Survey für den Bereich 5G auf. Ganzen 61 Prozent der Befragten ist der neue Mobilfunkstandard mit seinen höheren Bandbreiten nicht sehr oder gar nicht wichtig, während die Interessierten nicht einmal ein Drittel ausmachen. Das bedeutet: Bislang konnte der Nutzen von 5G nicht überzeugend dargestellt werden. Lediglich die Altersgruppe von 24 bis 35 Jahren lässt eine geringfügig stärkere Neigung erkennen. Sie würden, im Gegensatz zu allen anderen, letzten Endes auch etwas mehr dafür zahlen.

Intelligenter Sprachassistent: praktisch, aber nicht elementar
Nur wenig gefragter ist der smarte Sprachassistent, wie er auf vielen Smartphones bereits installiert ist. Lediglich 18 Prozent der Befragten verwenden Dienste wie Siri & Co. Die iPhone-Besitzer zeigen eine etwas höhere Affinität. Wenn, dann wird der Service entweder »handsfree« etwa zur Steuerung von Navigationsfunktionen eingesetzt oder aber zur Informationssuche beziehungsweise als Entertainment-Tool. Lediglich hier ist eine Steigerung der Nutzungsrate gegenüber 2016 festzustellen, in anderen Bereichen wie Wetter, Reise und Verkehr nimmt die Nutzung sogar ab.

Smartphone-Screen auch für längeren Filmgenuss
Doch es gibt auch positive Signale: Das Smartphone wird zunehmend zur mobilen Leinwand. Die handlichen Geräte werden mittlerweile auch für den Konsum längerer Videos und Filme herangezogen. Als Videokamera gewinnen sie ebenfalls an Beliebtheit. Gegenüber dem Vorjahr verdoppelte sich die Mobiltelefon-Nutzung für Live-TV, Fernsehen über Mediatheken-Bestände sowie Streamen von Filmen auf Werte um 12 bis 13 Prozent. Unabhängig davon sind Smartphones wie 2016 bei 30 Prozent der Anwender nach wie vor das Medium der Wahl für Short-Form-Videos.

E-Mail bleibt beliebtes Kommunikationsmittel
So tot die SMS inzwischen als Kommunikationsmittel ist, so beliebt bleibt die E-Mail. Mit 43 Prozent nutzt sie fast die Hälfte täglich, vor allem im Geschäftsleben scheinen sich die Anwender damit am wohlsten zu fühlen. Alternative Messaging-Dienste und Social-Media-Kanäle sind ebenfalls beliebt und weisen entsprechende Steigerungsraten auf, werden aber eher im privaten Umfeld eingesetzt.

Trendwende beim IoT
Ein Silberstreif am Horizont ist beim Internet der Dinge erkennbar. Bislang wurden die vernetzten Objekte von den Konsumenten kaum angenommen. Nach Jahren der Stagnation zeichnet sich nun eine Trendwende ab, der Consumer-IoT-Gerätebestand ist spürbar gestiegen. Und auch die weiteren Aussichten sind erfreulich: Die geäußerten Kaufabsichten deuten auf einen nachhaltigen Aufschwung.

»Das IoT wird oft mit der Industrie in Verbindung gebracht, spielt aber auch im Privatleben eine zunehmend wichtige Rolle. Vom Smart Home über das Connected Car bis zur Smart Watch: Vernetzte Systeme bieten neue, attraktive Möglichkeiten. Die beliebtesten smarten Geräte sind aktuell noch Fitness-Tracker und Smart Watches. Der Wearables-Bestand hat sich in den letzten Monaten mehr als verdoppelt. Für das gesamte Internet der Dinge gibt es weiterhin noch sehr viel Luft nach oben, wenn die vorhandenen Potenziale tatsächlich ausgeschöpft werden sollen. Dabei wird es vor allem auf eine verstärkte plattformübergreifende Interoperabilität ankommen«, ergänzt Andreas Gentner.

[1] Die komplette Studie finden Sie hier zum Download. https://www2.deloitte.com/de/de/pages/technology-media-and-telecommunications/articles/global-mobile-consumer-survey-2017.html

 


 

Zurück in die Zukunft? 2017 steht im Zeichen ultraschneller Netze, lernender Maschinen – und der Vinyl-Schallplatte

Die Welt wird wieder zur Scheibe – jedenfalls, wenn es um Tonträger geht. Wie die aktuellen Deloitte TMT Predictions 2017 mit dem Titel »Digitale Evolution« zeigen, feiert die Vinyl-Schallplatte mit einem erwarteten weltweiten Absatz von 40 Millionen Stück im Jahr 2017 ein echtes Comeback. Weitere wichtige Trends sind unter anderem die rückläufige Entwicklung bei Tablets sowie das Näherrücken der künftigen 5G-Mobilfunknetze, wobei konkrete Zwischenschritte bereits einen Vorgeschmack auf das neue Geschwindigkeitsniveau geben werden. Eine ganz neue Dimension erhält das maschinelle Lernen: Es findet bereits auf zahlreichen Smartphones unabhängig von Netzverbindungen statt. Nicht zuletzt schafft die sogenannte Blockchain neue Geschäftsmodelle im Netz.

Vinyl: Wie Phönix aus der Asche

»Knapp vier Jahrzehnte nach ihrer Ablösung durch die CD gewinnt die Vinyl-Schallplatte wieder auf breiter Front an Popularität. Die Gründe sind vielfältig: Neben purer Nostalgie und dem besonderen Klang fasziniert besonders das haptische Erlebnis der LP. Viele Verbraucher nehmen dafür die Nachteile, zum Beispiel beim Handling, gerne in Kauf« , erklärt Dr. Andreas Gentner, Partner und Leiter TMT EMEA bei Deloitte.

Nachdem die Vinyl-Schallplatte im Grunde von der Bildfläche verschwunden war, ist seit einer Weile eine erstaunliche Renaissance zu beobachten. Im Jahr 2017 wird die Zahl der weltweit verkauften Tonträger bei 40 Millionen liegen. Mittlerweile ist die LP ein klares Premium-Produkt, das sich mit einem durchschnittlichen Preis von 20 Euro an echte Fans wendet. Nachdem diese in den vergangenen Jahren immer zahlreicher wurden, erreicht das Wachstum 2017 einen vorläufigen Höhepunkt, um dann in der Folgezeit wieder etwas nachzulassen. Bis dahin werden Vinyl-Platten etwa 15 bis 18 Prozent aller verkauften physischen Tonträger ausmachen.

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Tablets: Der Anfang vom Ende?

Ein gegenteiliger Trend zeigt sich beim Tablet: Seine Verbreitung hatte zuletzt bereits ein Plateau erreicht, 2017 gehen die Verkaufszahlen nun deutlich zurück. Gerechnet wird mit etwa 160 Millionen weltweit abgesetzten Geräten – ganze 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Gründe liegen auf der Hand: Der Trend zu immer größeren Smartphones und leichteren Laptops macht Tablets zunehmend überflüssig, zumal ein spezifischer Use Case fehlt. Die vergleichsweise lange Lebensdauer der Geräte verhindert zudem einen Austausch in kürzeren Zyklen. Es bräuchte neue, innovative Features sowie eine spürbar bessere Performance, um die Verkäufe wieder anzukurbeln.

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5G: Schrittweise zum neuen Standard

2017 wird im Hinblick auf die Realisierung des 5G-Mobilfunkstandards ein entscheidendes Jahr. Der Weg führt hierbei über optimierte 4G-Netze, die bereits 5G-Komponenten enthalten. Die wesentlichen Zwischenstufen sind LTE Advanced und LTE Advanced Pro. Ende 2017 betreiben über 200 Carrier solche Netze. Bis zum Start von 5G ist es jedoch noch ein langer Prozess mit vielen Zwischenstationen. Vor 2020 ist nicht mit einer Markteinführung in größerem Stil zu rechnen. Bis dahin könnte sich LTE Advanced Pro bereits zur echten Alternative zum traditionellen Festnetz entwickelt haben.

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Maschinelles Lernen: Raus aus der Cloud

Lernende Maschinen sind in Zeiten intelligenter Sprachassistenten und Übersetzungsprogramme nichts Ungewöhnliches mehr. Neu ist ihre Unabhängigkeit von Datennetzen. Im Jahr 2017 wird etwa ein Fünftel aller neu gekauften Smartphones Machine-Learning-Kapazitäten an Bord haben – ein Novum, denn bislang fand maschinelles Lernen ausschließlich cloud-basiert statt. Neue, leistungsfähigere CPUs, GPUs sowie frei programmierbare Schaltkreise und Softwareemulatoren erlauben ein Onboard-Learning der Handhelds. Smartphones rücken so immer stärker ins Zentrum datenzentrierter Geschäftsmodelle. Auch anderenorts wird maschinelles Lernen möglich: Drohnen, VR-Brillen oder IoT-Hardware entwickeln sich bis 2020 vermutlich zu Gerätekategorien, für die maschinelles Lernen zur Selbstverständlichkeit gehört.

Blockchain: Transparente und sichere Transaktionen

Auch die Blockchain, eine dezentrale, chronologisch aktualisierte Datenbank zur digitalen Verbriefung von Eigentumsrechten, wird das TMT-Jahr 2017 prägen. Der Schwerpunkt liegt hier zwar weiterhin im Finanzbereich, jedoch definieren auch TMT-Unternehmen in den kommenden Monaten geeignete Einsatzfelder und starten erste Blockchain-Pilotprojekte. Konkrete Anwendungsszenarien sind die transparentere Content-Nutzung im Medienbereich sowie einfachere Prozesse beim Paid Content durch ein blockchain-basiertes Micropayment.

»Die Blockchain hat für zahlreiche Industrien ein disruptives Potenzial. Auch und besonders innerhalb der Medien- und Telekommunikationsbranche wurden bereits zahlreiche Chancen und Risiken der neuen Technologie erkannt. Immer mehr TMT-Unternehmen haben daher die Blockchain 2017 auf ihrer Agenda«, schließt Gentner.

[1] Die komplette Studie finden Sie hier zum Download: https://www2.deloitte.com/de/de/pages/technology-media-and-telecommunications/articles/tmt-predictions-2017.html

 


 

 

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