Future Work – Wege in die neue Arbeitswelt

Andreas Frary, Head of Innovation and Marketing, bridgingIT

Andreas Frary, Head of Innovation and Marketing, bridgingIT

Digitale Transformation, technologische Entwicklung und ein neues Mindset mischen die Arbeitswelt gründlich auf. Ein renommierter Unternehmensname und ein hohes Gehalt reichen nicht mehr aus, um das Interesse bei geeigneten Bewerbern zu wecken. Arbeit und Privatleben verschmelzen unter dem sogenannten Work-Life-Flow. Menschen suchen vor allem den Sinn der Arbeit, möchten nachweisliche Beiträge zum Erfolg leisten, sich weiterentwickeln und selbstbestimmt arbeiten. Und lassen sich gerne am Erfolg messen.

Viele Unternehmen in Deutschland haben sich bereits auf die neuen Anforderungen eingestellt und die Personalpolitik darauf ausgerichtet. Dies wiederum hat veränderte Tätigkeitsfelder und neue Konzepte der Zusammenarbeit zur Folge. »manage it« hat sich mit Andreas Frary, Head of Innovation and Marketing, beim Beratungshaus bridgingIT, darüber unterhalten, wie solche Konzepte aussehen können und wie Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung ihre Personalpolitik ausrichten und gestalten sollen, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und bestehende zu halten.

Was sollten Unternehmen tun, um die dringend benötigten Spezialisten zu gewinnen?

Die beste Werbung, um neues qualifiziertes Fachpersonal zu rekrutieren, ist Employer Brand. Die eigenen Mitarbeiter sind als »Markenbotschafter« der effektivste Kanal, potenzielle Mitarbeiter anzusprechen. Über breit angelegte Marketing-Kampagnen erreichen Sie heute kaum noch einen Experten, da sich diese Menschen in der Regel in einer Festanstellung befinden und nicht aktiv auf der Suche nach einem Job sind. Vielmehr suchen diese Menschen echte Herausforderungen und die Möglichkeit, etwas bewegen zu können. Gerade im IT-Bereich reden wir heute über einen Fachkräfteengpass. Die Bewerber wollen sich in ihrem Fachgebiet weiterentwickeln, suchen kluge Kollegen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, dazu flache Hierarchien und eine passende Arbeitsumgebung. Die klassische Karriere oder das Gehalt sind nicht mehr im Fokus.

Darauf müssen Unternehmen reagieren. Dies setzt eine Kultur voraus, die diese neuen Herausforderungen im Sinne einer modernen Arbeitswelt aufgreift. Wichtig ist, neuen Ideen genügend Freiraum zu geben sowie ein Arbeitsplatz, der nach den Bedürfnissen der Mitarbeiter ausgelegt ist. Hinzukommen sollte ein teamorientierter, kollegialer Führungsstil über alle Abteilungsgrenzen hinweg. Ebenso sollte den Mitarbeitern genügend Flexibilität, beispielsweise bei der Bestimmung ihrer Arbeitszeiten, eingeräumt werden. All das wird entscheidend dafür sein, ob sich neue Mitarbeiter für ein Unternehmen interessieren beziehungsweise möglichst lange im Unternehmen bleiben.

Was ändert sich für die Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung?

Der deutsche Arbeitsmarkt steht mit der Digitalisierung und der Ausrichtung der Geschäftsmodelle nach Prognosen von Arbeitsmarktforschern vor einer Jobumschichtung. Zwar fallen keine oder nur wenige Arbeitsplätze weg, aber die bestehenden Beschäftigten müssen sich beruflich neu orientieren und ihr Mindset erweitern. Das geht aus der aktuellen Studie für Arbeitsmarkt- und Berufsförderung (IAB) hervor. Um diesen Umbruch zu meistern, bedarf es aber weit mehr als nur IT-Kompetenz und IT-Erfahrung. Mitarbeiter müssen lernen, quer zu denken, kreative Ansätze zu finden, sich als Macher und Umsetzer zu etablieren und die veränderten Tätigkeitsfelder voranzutreiben. Wer künftig zusätzlich noch offen für Veränderung ist, wird alle Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Das Modell, 30 Jahre in einem Unternehmen auf derselben Position, hat längst ausgedient. Das Vorurteil, ältere Menschen könnten hier nicht mithalten, kann ich übrigens nicht bestätigen. Unsere Erfahrung zeigt, der richtige Mix in Projektteams kann sehr erfolgreich sein. Gerade in dieser agilen und digitalen Welt ist es hilfreich, möglichst viele Perspektiven an einem Tisch zu haben. Denn nur so kann man sich den Herausforderungen neuer Geschäftsmodelle stellen.

Die fortschreitende Digitalisierung geht mit veränderten Tätigkeitsfeldern einher. Welche Strategie sollten Personaler für die Herausbildung dieser Tätigkeitsfelder fahren?

Wir bei bridgingIT haben früh damit begonnen, ein Modell zu schaffen, welches den Mitarbeitern ermöglicht, ihr Jobprofil entlang der individuellen Interessen und Fähigkeiten zu gestalten. Wir nennen das »Bausteinmodell«. Die Bausteine beschreiben die Aufgaben und Ziele jedes Mitarbeiters. Auch die Kennzahlen zur Messung der Zielerreichung werden über die Bausteine erfasst und dokumentiert. Neben den klassischen Umsatzzielen im Berateralltag bietet uns dieses Modell die Chance, Mitarbeiter individuell an ihren persönlichen Zielen zu messen. Klassische Hierarchien und die Trennung von Funktionsbereichen halten wir für kontraproduktiv. Wir unterscheiden auch nicht zwischen Manager und Mitarbeiter. Wir können über diese Bausteine Tätigkeitsfelder und flexible Rollen definieren, beides jederzeit anpassen.

Können Sie näher darauf eingehen?

Bei uns hat der Mitarbeiter die Möglichkeit, seinen Tätigkeitsbereich individuell und gemäß seiner Interessen und Fähigkeiten zusammenzustellen und auch jederzeit korrigierend einzugreifen. So haben auch Vollblut-Berater die Chance, ihre vertrieblichen Kompetenzen einzusetzen, um beispielsweise als Account-Manager einen Kunden zu betreuen oder neue Kunden zu akquirieren. Aber auch im Rahmen der Themenentwicklung ist es möglich, neben der Hauptaufgabe im Kundenprojekt, neue Themen im Portfolio zu entwickeln und voranzutreiben. Je nach Qualifikationen, Fähigkeiten, Neigungen, aber auch Schwächen, stellt der Mitarbeiter gemeinsam mit seinem Manager in individuellen Gesprächen den Tätigkeitsmix zusammen. Auch persönliche Randbedingungen werden bei diesen Gesprächen berücksichtigt. Nach einem definierten Zeitraum, welcher innerhalb der Zielvereinbarung festgelegt wurde, setzen sich Mitarbeiter und Manager erneut zusammen, um zu prüfen, inwieweit für beide Seiten der Tätigkeitsmix aufgegangen ist. Haben sich zwischenzeitlich Projekte, Aufgaben oder Geschäftsstrategien geändert, werden die Bausteine neu gewichtet. Dieses Bausteinmodell hat für die Mitarbeiter den Charme, dass sie sich hinsichtlich ihrer Qualifikationen, Fähigkeiten, Neigungen und Schwächen verstanden und abgeholt fühlen. Dies fördert auch ihre Motivation und ihr Engagement, sich für ihre Aufgaben voll einzusetzen. Beides zahlt sich unter dem Strich schnell für das Unternehmen und die Mitarbeiter aus.

Welche Empfehlung können Sie als externer Berater Unternehmen auf dem Weg in Richtung Future Work geben?

Future Work braucht eine ganzheitliche Betrachtung. Begriffe wir Customer Experience oder Customer Journey sind in der heutigen Produktenwicklung häufig die oberste Maxime. Meines Erachtens ist das in der Arbeitswelt nicht anders. So wie man heute den Kunden in den Fokus stellt, mit dem Ziel aus zufriedenen Kunden loyale Kunden zu machen sowie eine emotionale Bindung aufzubauen, sollte der Mensch und seine individuelle Employee Experience im Fokus stehen.

Die unternehmensinterne Mentalität wird zur Basis für wirtschaftlichen Erfolg und für Themen, Kultur und Werte werden. Dies alles wird das Arbeitsverständnis der Mitarbeiter prägen. Deshalb werden sich Unternehmen auch von bestehenden Prozessen, Strukturen und Arbeitsweisen lösen und das Augenmerk auf Employee Journey legen müssen. Dieser Work-Life-Flow bedeutet für viele Unternehmen, Arbeit neu zu denken. bridgingIT kann hier sehr gut als Partner agieren, denn viele dieser Ansätze werden bei uns bereits gelebt. Der Mensch steht nicht nur in unserem Claim. Er ist Mittelpunkt unseres Handelns. Ganz nach dem Ansatz »practice what you preach« greifen wir dabei auf Erfahrung, Methoden und Ideen zurück, die helfen, den Weg in die neue Arbeitswelt zu begleiten und Employee Experience zu schaffen.


Das Interview führte Hadi Stiel, freier Journalist, Kommunikationsberater und IT-Sachverständiger in Bad Camberg.

 

Bild: © bridgingIT

 

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