Hocheffizient und sicher – State-of-the-Art-Rechenzentrum im Atombunker

Ein Foto aus dem Jahre 1944 zeigt eine Bombenwüste – die Stadt nur noch Schutt und Asche. Einzige Ausnahme ein Hochbunker, unbeschädigt trotzte er den schwersten Fliegerangriffen. Damals bewahrte der achtstöckige Hochbunker menschliches Leben. Nun bewahrt er die Substanz menschlicher Geschäftstätigkeit, digitale Daten. Einblicke in die Planung zeigen: Es entstand in ihm eines der sichersten Data Center Deutschlands, wenn nicht Europas.

Der Bunker im Bremer Westend stand nie leer. Wegen seiner ungewöhnlich kompakten Bauweise wurde er einige Jahre nach Kriegsende zum Atombunker umfunktioniert. Angekommen in der digitalen Gegenwart, soll er zukünftig wichtige Unternehmensdaten schützen. Sicherheit, und besonders Datensicherheit, ist hierzulande zum wichtigsten digitalen Parameter der Unternehmensentscheider geworden. Jedoch: Über zwei Drittel der deutschen Unternehmen, 83 Prozent, vertrauen ihre Daten nur dem eigenen Data Center an. Obwohl europaweit führend im Rechenzentrumsmarkt, belegt Deutschland beim Thema Datensicherheit in der globalen »Data Centre Risk Map« [1] gerade einmal Platz 16. Geht etwas schief, kann es teuer werden. Eine letztjährige Umfrage ermittelte durchschnittliche Kosten von 740.000 Dollar pro Ausfall.

Nicht nur bomben-, sondern auch datensicher. 2013 – in jenem Jahr machte sich der Geschäftsführende Gesellschafter der Bremer Consultix GmbH, Andres Dickehut, daran, das Thema Data Center durch die Augen des Ingenieurs zu betrachten: »Natürlich ist Bremen nicht der Nabel der deutschen Rechenzentren«, sagt er, »Hochburgen sind vor allem Frankfurt, das Ruhrgebiet, München, Hamburg, Berlin.« Ihm war bei einer Standortanalyse aufgefallen, dass Bremen in der Region mit den wenigsten Blitzen liegt und durch viele weitere Vorteile in Deutschland einzigartig ist. Der Ehrgeiz war geweckt, ein Data Center mit Sicherheitsparametern so einmalig zu bauen, wie es der Standort hinsichtlich der Blitzhäufigkeit ist.

Uwe Jambroszyk, Sales Manager (l.) und Andres Dickehut, CEO von Consultix (r.).

Uwe Jambroszyk, Sales Manager (l.) und Andres Dickehut, CEO von Consultix (r.).

Mit dem Erwerb des Atombunkers im Bremer Westend begann ein zweijähriger Umbau. Das Ziel: absolute physische und digitale Sicherheit aller Daten. Eine Konzeption nach dem »Zwiebelschalenprinzip« nennt Andres Dickehut das. Zu den äußeren Schalen zählen ein Sicherheitszaun und der Bunker darin mit seinen zwei Meter dicken Außenwänden und -decken sowie fünf Meter dicken Fundamenten. Eine ausgefeilte Sicherheitstechnik begleitet den Besucher auf Schritt und Tritt. Gleich zu Beginn eine Detektor-Schleuse und Video-Überwachung, mehrere hundert Kameras im Ganzen. Dann die Türen, Hochsicherheits-Spezialtüren der höchsten Sicherheitsstufen, von außen nur mittels Dreifaktor-Authentifizierung über Code, Chip- und Biometrie-Erkennung zu öffnen. Zudem ein System von Türen: jeweils ein halbes Dutzend muss geöffnet werden, um überhaupt in eines der fünf Data-Stockwerke zu gelangen. Hermetisch sind diese abgeschirmt – keine Fenster, kein Funk, keine elektromagnetischen Wellen. Systematische Sauerstoffreduktion lässt keinerlei offenes Feuer in den IT-Räumen zu. Jedes Stockwerk ist ein eigenständiges Rechenzentrum mit gespiegelter Infrastruktur. Statt Energiekabeln, wie häufig in Rechenzentren anzutreffen, wurden flexible, nicht brennbare Stromschienensysteme aus Metall verlegt.

Nicht brennbare Stromschienensysteme aus Metall.

Nicht brennbare Stromschienensysteme aus Metall.

Das geothermische Kühlkonzept wurde vorab bereits mit dem Deutschen Rechenzentrumspreis prämiert. Kein Blitz, keine Natur- und keine Menschengewalt, auch kein Materialrisiko im Inneren können diesen Bunker erschüttern. Auf dem Dach deutet Andres Dickehut zufrieden auf die Blitzableiter, dem Ausgangspunkt seiner Überlegungen: »Der Blitzschutz entspricht Klasse 0, diesen Standard haben sonst nur Krankenhäuser und sensible Infrastrukturen«, sagt er.

Zertifizierung und beste Anbindung. Zum Betrieb des Hochbunkers als Data Center gründete Andres Dickehut ein zweites Unternehmen, ColocationIX. Mit einer Gesamtfläche von über 2.500 Quadratmetern gehört ColocationIX zu den mittleren Rechenzentren, von denen es in Deutschland gerade einmal 280 (Stand 2013) gibt. Zur physischen, äußeren Sicherheit gesellt sich die digitale Sicherheit innerhalb des Bunker-Netzwerks und mithin der Racks. Via Glasfaser ist ColocationIX direkt und bei geringsten Latenzzeiten mit den weltgrößten Internet-Exchanges DECIX, AMSIX, und LINX sowie nach China verbunden. Die kurzen direkten Wege erlauben es, Anwendungen sehr performant global zu betreiben. Sicherheitsservices wie Intrusion Prevention, DDoS Attack Mitigation oder RBTH sollen ColocationIX unangreifbar machen.

Die Eröffnung des Rechenzentrums fand Mitte November statt und aktuell wird das Rechenzentrum nach ISO 27001 auditiert. Der ehemalige Atombunker des Bundes ist für Tier 4 / Class 4 gebaut und gehört damit dann zu den sichersten Rechenzentren Deutschlands, wenn nicht sogar Europas. Vor allem deutsche Konzerne und Unternehmen aller Größenordnungen werden das mit Wohlwollen hören. Denn zunehmend präferieren viele die Private statt der Public Cloud. Der typische deutsche Entscheider wünscht bei der Wahl seines Cloud-Providers laut einer aktuellen Studie [2] »Vertrauen in den Anbieter«, »Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis« sowie »Technologisches Know-how«. Sicherheitsbedenken sind das mit Abstand größte Hemmnis. Somit dürfte der ehemalige Atombunker im Bremer Westend in Bälde seiner dritten Bestimmung erfolgreich nachgehen, nämlich digitale Daten als menschlich elementares Gut mit Sicherheit zu bewahren!

www.consultix.de


Gerrit Reichert, freier Journalist
[1] https://www.cushmanwakefield.com/en/research-and-insight/2016/data-centre-risk-index-2016/
[2] https://www.trendmicro.de/media/misc/atp_idg-studie-cloud-security-2016.pdf

 

Bilder: © Consultix, Klama

 


 

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