Hybride Infrastrukturen – Weil kaum jemand auf der grünen Wiese entwickelt …

Niedrigere Computing-Infrastrukturanforderungen, sinkende Betriebskosten, hohe Skalierbarkeit – der Trend bei neu entwickelten Applikationen geht Richtung Cloud. Doch in den Unternehmen gibt es viele Systeme, die nicht oder nicht wirtschaftlich in Cloud-Anwendungen überführt werden können. IT-Dienstleister müssen ihre Leistungen und Infrastrukturen darauf anpassen.

Glaubt man den Branchenauguren mit ihren Umfragen und Marktanalysen, so wird der B2B-Markt für Cloud-Anwendungen – in der Summe von Private und Public Cloud, Technologien, Beratung oder Services – im Durchschnitt der nächsten Jahre um über 40 Prozent (CAGR) wachsen. Dahinter stecken gute Gründe und starke wirtschaftliche Motive: Cloud-Anwendungen versprechen den Unternehmen wegen geringerer Computing-Anforderungen deutlich sinkende Betriebskosten und lassen sich als distribuierte Systeme zudem viel einfacher skalieren. Analysen zwischen vergleichbaren Anwendungen beim IT-Dienstleister noris network zeigen Kosteneinsparungen bei verteilten Storage-Systemen um bis zu 70 Prozent. Kein Wunder also, wenn laut Bitkom ein schnell steigender Anteil deutscher Unternehmen aller Größen auf die Cloud setzt.

Doch die in den Studien offenbarte Euphorie der Topmanager und Controller springt auf viele IT-Verantwortliche mit Bezug zum operativen Geschäft nicht über. Der Hintergrund: Diese IT-Verantwortlichen wissen, dass in der Cloud die Infrastruktur-Computing-Anforderungen zwar sinken, die Softwarebefähigungen dafür aber erst mal geschaffen werden müssen. Natürlich gibt es viele native Cloud-Anwendungen, oft jüngeren Datums, meist IT-Tools, E-Commerce, Office- oder Collaboration-Anwendungen. Doch die Mehrzahl der in etablierten Industrieunternehmen, in öffentlichen Verwaltungen oder in der Finanzbranche eingesetzten Systeme ist alles andere als »cloud ready«. Hier beherrscht die klassische Unternehmens-IT mit dedizierten oder virtualisierten Prozessor- und Speicherressourcen das Feld und muss mit großem Aufwand und klassischen Redundanzkonzepten zuverlässig verfügbar gehalten werden. Hier ist man noch dabei, Verfügbarkeitsanforderungen der Outsourcing-Provider im Bereich Storage mit Metro-Cluster-Technologien zu realisieren. Statt wie in der Cloud Ressourcen ortsunabhängig distribuieren zu können, braucht es hier Nähe, um die Latenzzeiten bei Spiegelungen und redundantem Betrieb nicht zu lang werden zu lassen und somit nicht massive Performancebeeinträchtigung bis hin zu Ausfällen von produktiven Systemen zu provozieren.

Outsourcing-Partner für Migrationsstrategien gesucht. Für viele Unternehmen sind die Leistungen der internationalen Cloud-Giganten mit ihren fast unerschöpflich erscheinenden IT-Ressourcen daher faszinierend – aber eben nicht immer und überall hilfreich. Das betrifft nicht nur Compliance-Fragen zu Datenschutz und Sicherheit. Die meisten Unternehmen brauchen nicht nur »hippe« Cloud-Spezialisten, sondern IT-Architekten, die beide Welten verstehen oder diese Kompetenzen in Teams zusammenführen können. Neue Anwendungen, die zweifellos bevorzugt in die Cloud gehören, werden eben nicht »auf der grünen Wiese entwickelt«. Sie benötigen vielfach Daten aus klassischen CRM-, ERP- oder anderen Enterprise-IT-Anwendungen.

Kurzum: Theoretisch wäre der Big Bang, die schlagartige Umstellung in Richtung Cloud, vielleicht wünschenswert. Dieser lässt sich aber weder wirtschaftlich noch projekttechnisch in den Unternehmen realisieren. Eine funktionierende IT ist für Unternehmen wichtig geworden, überlebenswichtig. Umstellungen bei laufendem Betrieb müssen daher umsichtig und gut geplant erfolgen. Nur so lassen sich durch Ausfälle und die fast unvermeidbaren Fehler in großen IT-Projekten verursachten Kosten und Schäden für das Unternehmen minimieren.

IT-Verantwortliche müssen Migrationsstrategien und -pläne entwickeln. Klare Prioritäten dafür setzen, ob und wann welche produktiven Anwendungen der klassischen Enterprise-IT in die Cloud überführt werden. Mit der Entwicklung und Umsetzung dieser Pläne werden Unternehmen bei aller Cloud-Euphorie und deren unbestreitbaren Vorteilen über viele Jahre beschäftigt sein.

Eine grundlegende technologische Veränderung in der Infrastruktur mit Neuentwicklungen von Anwendungen, bei laufendem Betrieb und hohem Spardruck – damit stellt sich für IT-Verantwortliche unweigerlich die Frage nach der Verfügbarkeit von Know-how sowie von personellen und technischen Kapazitäten. Mit internen Kräften ist der Spagat zwischen strukturellem Change und zuverlässigen Betrieb kaum zu schaffen. Gesucht werden IT-Dienstleister, die eine Migration sinnvoll unterstützen können.

Die Lösung liegt in hybriden Infrastrukturen. Um seinen Kunden bei der schrittweisen Migration helfen zu können, müssen IT-Dienstleister künftig Infrastruktur, Kompetenzen und flexible Dienstleistungen aus beiden IT-Welten bereitstellen können: klassische Enterprise-IT und Cloud. Und das jeweils auf möglichst hohem Niveau.

Stichwort standortverteilte Storage (Metro-Cluster): Wachstum, der Zwang zu einer immer höheren Verfügbarkeit und sich verschärfende Compliance- und Sicherheitsanforderungen werden Unternehmen zwingen, für ihre Enterprise-IT neben bestehenden Rechenzentrumskapazitäten standortverteilt weitere Rechenzentren zu nutzen. Zwischen bestehenden und neuen Rechenzentren müssen entsprechend leistungsfähige Anbindungen existieren, damit Latenzzeiten nicht überschritten werden. Schon das macht Metro-Cluster aus in räumlicher Nähe liegenden Rechenzentren attraktiv.

Der Aufbau und Betrieb eigener Rechenzentren ist für die meisten, auch größeren Unternehmen wirtschaftlich nicht mehr darstellbar. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Neben Planungszeiten und Planungsaufwänden und der Bindung von Managementkapazitäten sind dies insbesondere die Risiken einer schnellen technologischen Entwicklung oder Überraschungen auf regulatorischer Seite, die auch modernste Rechenzentren schnell veralten lassen können. Eine weitere Hürde, die sich von Unternehmen zunehmend schwer überwinden lässt: Es müssen ausreichend viele IT-Spezialisten rekrutiert und gebunden werden.

Die sinnvollere Alternative zum eigenen Rechenzentrum beim Aufbau eines Dual Side Datacenters ist daher oft das Outsourcing, also Flächen-, Hosting-, Entwicklungs- und/oder Betriebsdienstleistungen von spezialisierten IT-Dienstleistern mit eigenen Rechenzentrumskapazitäten. Die Anforderungen an diese IT-Dienstleister, deren Rechenzentren und Dienstleistungen sind daher auch ohne Cloud in den letzten Jahren rasant gestiegen: Qualität von Anlagen und Personal, Sicherheit, Skalierbarkeit bei Flächen und Services, allgemeine und branchenspezifische Zertifizierungen, Applikationsbetrieb, Projektmanagement- und Methodenkompetenz, Reporting, flexible Vertragsmodelle etc.

Cloud-on-Top. Mit dem Trend zur Cloud kommen weitere Anforderungen hinzu. Idealerweise sollten IT-Dienstleister in der Lage sein, die Migration der Kunden in Richtung Cloud, die Entwicklung und den Betrieb von Private-Cloud-Plattformen für Unternehmen zu unterstützen.

Diese Aufgaben sind komplex und jedes Unternehmen wird mit seinen IT-Dienstleistern den eigenen, spezifischen Weg suchen müssen, um Anwendungen nach und nach »cloud ready« zu machen und dann in der Private Cloud in enger Anbindung an klassische Systeme zu betreiben. Hierfür braucht es eigene Ressourcen und Tool-Ketten beim IT-Dienstleister, es braucht Spezialisten, Architekten und erfahrene DevOps-Teams. IT-Dienstleister, die lediglich als Mittler für Angebote der großen Cloud-Konzerne fungieren und somit keinen direkten Einfluss auf Plattformen und Tool-Landschaft haben, werden dies nicht leisten können.

Es wird nicht einfacher, sondern komplexer. Die Zukunft der Unternehmens-IT ist nicht klassisch oder Cloud. Die Zukunft ist hybrid und damit deutlich komplexer. Unternehmen suchen IT-Dienstleister mit standortverteilten, zertifizierten Rechenzentren, die sowohl klassische Enterprise-IT mit dedizierten und virtualisierten Ressourcen wie auch umfassende Cloud-Plattformen betreiben können – natürlich sauber aufgeteilt in Entwicklungs-, Test- und Produktivumgebungen. Unternehmen fordern von ihren Dienstleistern Teams, die neben Microsoft- und Linux-Servern verschiedene Datenbanktechniken sowie ERP- und CRM-Anwendungen sicher betreiben können. Und die dafür sorgen, dass bestehende Anwendungen nach und nach »cloud ready« gemacht und gemeinsam mit neuen Anwendungen auf hochskalierbaren Cloud-Plattformen betrieben und agil fortentwickelt werden können.

Anders gesagt: Unternehmen suchen strategische Partner, die hybride Infrastrukturen entwickeln, bereitstellen und betreiben können.


Stefan Keller,
Executive Vice President Marketing & Sales,
noris network AG
www.noris.de

 

Illustration: © Ollyy, Valery Brozhinsky/shutterstock.com

 

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