Innovation: Für die Lösung der Aufgaben von morgen

autor foto ben collar siemensBen Collar, Direktor von Research & Development bei Siemens »Road and City Mobility«, erläutert, mit welcher erhöhten Innovationskraft sich Unternehmen geschäftlichen und sozialen Aufgaben wie beispielsweise dem Thema Staubekämpfung zu stellen haben.

In der schnelllebigen Welt unserer Gegenwart muss man ziemlich kreativ sein, um Zeit und Mittel für echte Innovation zu finden. Die meisten Unternehmen möchten gerne innovativ sein, doch es fehlt das Know-how oder die Struktur, um dieses Ziel wirklich erreichen zu können. Dies könnte sich als ein schwerwiegendes Manko erweisen. Wie am anhaltenden Erfolg von Firmen wie Apple und Google oder derjenigen, die sich für den Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit völlig neu erfinden mussten, zu sehen ist, hält Innovation Unternehmen an der Spitze ihrer Branchen. So hat beispielsweise der Mineralöl-Gigant Shell seine unternehmerische Tätigkeit Mitte des 19. Jahrhunderts als ein auf Meeresmuscheln spezialisiertes Transport- und Handelsunternehmen begonnen.

In Japan gibt es einer Studie der Ratingagentur Tokyo Shoko Research zufolge trotz jüngster wirtschaftlicher Schwierigkeiten mehr als 20.000 Unternehmen, die älter als 100 Jahre sind. Analysten glauben, dass die Langlebigkeit japanischer Firmen einem kulturellen Schwerpunkt, dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess – bekannt unter dem Begriff Kaizen –, der im Unternehmensumfeld häufig an die Stelle von kommerziellen Interessen tritt, zugeschrieben werden kann.

In einer Welt, in der sich schnell Start-up-Unternehmen bilden, die sofort die etablierten Unternehmen herausfordern, müssen Wirtschaftsführer der Innovation Vorrang einzuräumen. Allerdings müssen sie sich darüber im Klaren sein, dass der Entstehungsprozess neuer Ideen nicht mehr nur der Verantwortung einer kleinen Gruppe von Führungskräften oder selbsternannter »Kreativer« unterliegt, sondern dem gesamten Unternehmen. Google bietet vielleicht das bekannteste Beispiel, indem es mit Stolz auf die zahlreichen innovativen Vergünstigungen verweist, die es seiner Belegschaft inklusive der »20-Prozent-Zeit«, welche die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermutigen soll, ein Fünftel ihrer Arbeitszeit der Entwicklung neuer Ideen zu widmen, bietet. Während nun die Entwicklung von Ideen nicht mehr in der alleinigen Verantwortung der Führungskräfte liegen kann, haben diese jedoch die Rolle der alleinigen Verantwortungsträger zur Sicherstellung dieses Prozesses zu übernehmen.

Das Potenzial der Crowd

Unternehmen dürfen sich bei der Suche nach Innovation weder auf die eigenen Reihen beschränken, noch auf Lösungen, die auf eines der primären Unternehmensziele gerichtet sind. Vielmehr sollten sie sich die Kunden- und Belegschaftsbasis zu Nutze machen. Siemens hat beispielsweise seinen Mobility IDEA Contest, eine Initiative zur Entdeckung innovativer Ideen, ins Leben gerufen, um die Bewältigung von fünf der schwierigsten Herausforderungen der Verkehrsindustrie voranzutreiben. Dazu gehören Lösungen für die Verringerung des CO2-Ausstoßes im Straßenverkehr, die Verringerung von Staus in Innenstädten sowie neue Möglichkeiten, um Autos in effektiver Weise zu Parkplätzen zu leiten.

Einer unlängst erstellten Studie zufolge, verbringt ein durchschnittlicher Arbeitnehmer jeden Tag 68 Minuten im Verkehrstau. Das ergibt 340 Minuten pro Woche und resultiert in 272 Stunden pro Jahr. Im Laufe des Arbeitslebens summieren sich daraus satte 453,33 Tage beziehungsweise ungefähr eineinviertel Jahre, die man gefangen in einem Fahrzeug verbringt, das so gut wie auf der Stelle steht. Die geschätzte monetäre Auswirkung des Stillstands alleine im Vereinigten Königreich beträgt 4,4 Milliarden Pfund Sterling – dieser Betrag setzt sich aus verschwendetem Kraftstoff, verlorenen Arbeitsstunden und indirekten Folgekosten zusammen. Ähnliche verblüffende Statistiken können überall auf der Welt gefunden werden. Verkehr ist zu einem wirklich weltweiten, sich weiter verschärfenden Problem geworden, vor allem in zahlreichen Entwicklungsländern, da das Wachstum der Bevölkerung zunimmt und Landflucht sich weiter fortsetzt.

Anstatt die Suche nach Lösungen für diese Probleme auf das Unternehmen zu beschränken, unternimmt Siemens Anstrengungen, um Beiträge externer Personengruppen einzuholen. Die auf Grundlage der Innovationsplattform SpigitEngage von Mindjet umgesetzte »IDEA Contest«-Website richtete sich an die Allgemeinheit, einschließlich der Studierenden, die aufgefordert waren, Ideen zur Lösung der fünf spezifischen Probleme, mit denen sich die Verkehrsindustrie konfrontiert sieht, einzureichen. Die SpigitEngage-Plattform ermöglicht die Eingabe von Vorschlägen zur Verbesserung eingereichter Ideen sowie die Möglichkeit, über diese Ideen abzustimmen. Auf Grundlage der Ergebnisse dieses Prozesses werden die besten Ideen automatisch auf einer Rangliste eingestuft; die am höchsten eingestuften Ideen, werden im Anschluss geprüft und von einer Expertengruppe nach und nach auf nur wenige reduziert, bevor sie für eine abschließenden Abstimmung an die Crowd zurückgegeben werden.

Dank der externen Durchführung dieser Aufgabe, kann Siemens von den Ansichten und dem Fachwissen einer umfangreicheren Gemeinschaft profitieren. Obwohl Innovation sein Lebenselixier ist, ist das Unternehmen sich darüber im Klaren, dass die besten Ideen nicht immer aus den eigenen Reihen hervorgehen.

Siemens ist nicht das erste weltweit tätige Unternehmen, das eine Initiative zur Lösung sozialer Probleme ins Leben ruft. Bereits letztes Jahr hat das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) SpigitEngage von Mindjet genutzt, um Mitarbeiter, Partner und nicht zuletzt auch Flüchtlinge nach Ideen zur Integration von Flüchtlingen in den Gastländern zu befragen.

Die Spielregeln

Die Schaffung einer klaren Vision für Innovation ist wesentlich für den Erfolg eines Programms, sei es intern oder extern. Die Crowd muss erstens den Wert des Prozesses auf einer persönlichen und auf einer umfassenderen Ebene erkennen, damit die Teilnahme als lohnend erscheint. Dies kann erreicht werden mittels eines klaren Verständnisses der Aufgabe oder des Ziels (d. h. einer neuen Idee zu einem spezifischen Problem wie beispielsweise Verkehrsstaus) sowie mit Belohnungsangeboten für das Erreichen des Ziels – entweder in finanzieller Weise oder indem sich die Geschäftsleitung in anderer Art und Weise erkenntlich zeigt.

Zweitens muss der Prozess hinter diesem Unterfangen oder dieser Initiative transparent und klar sein. Und schließlich sollte der einzuschlagende Weg für die Teilnehmer nicht beschwerlich sein. Wenn die oben genannten Punkte dauerhaft erfüllt werden, entstehen neue Gewohnheiten, und eine Kultur der Innovation kann so regelrecht hergestellt werden. Moderne Technologie macht dies einfacher als je zuvor, da Innovationsplattformen dafür ausgelegt sind, eine breit angelegte Kommunikation zu erleichtern, Initiativen auszuführen sowie Ideen aus allen Winkeln eines Unternehmens zusammenzutragen.

Unser Weg in eine bessere Welt durch Innovation

Die Folgewirkungen von Innovation und neuen Schöpfungen können unabhängig davon, ob Unternehmen in erster Linie aus kommerziellen Gründen innovativ sind oder nicht, allen zum Vorteil gereichen. Während Siemens die Hoffnung hegt, das Zentrum einer künftigen Verkehrsentwicklungstechnologie zu bilden, könnten die Auswirkungen dieser Tätigkeit auf Umwelt, Lebensalltag der Menschen sowie Wirtschaft tiefgreifend sein. GoogleMaps – augenscheinlich entstanden aus einer Idee, die sich während der zuvor erwähnten »20-Prozent-Zeit« geformt hat – hat mit Sicherheit zum kommerziellen Aufstieg von Google beigetragen, aber auch zu zahlreichen weitreichenden Vorteilen wie beispielsweise der Sensibilisierung für das tatsächliche Ausmaß städtischer Elendsquartiere in Indien geführt.

Unternehmen kommt bei der Beantwortung der weltweit größten sozioökonomischen Fragen eine unglaublich wichtige Rolle zu. Häufig verfügen nur sie über das nötige Fachwissen und die nötigen Ressourcen für die im erforderlichen Maß zu betreibenden Änderungen. Das ist eine Position, die sie nicht nur akzeptieren, sondern der sie auch gerecht werden sollten.

 

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