Intelligente Tools für ERP – Besser auf Kundenwünsche reagieren

Intelligente Tools für ERP

Kann die Fertigung nicht flexibel genug auf Kundenanforderungen reagieren, leidet die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit darunter. Abhilfe kann die Nachrüstung des ERP-Systems mit intelligenten Tools schaffen, die sich nahtlos in vorhandene Systeme integrieren lassen.

Die Kordel Antriebstechnik GmbH, Dülmen, entwickelt und produziert in enger Zusammenarbeit mit den Kunden maßgeschneiderte Antriebskonzepte. Durch die Ergänzung der unterschiedlichsten Getriebe mit selbst entwickelten und gefertigten Modulen wie Motor und Drehkranzlager entstehen Antriebskomplettlösungen für jeden Bedarf. Mehr als die Hälfte der produzierten Getriebe werden im Flurförderbereich vor allem in Gabelstaplern eingesetzt. Darüber hinaus fertigt Kordel Getriebe für den Landmaschinenbau, den Straßenbau sowie Sondergetriebe für spezielle Anwendungen. Für die Produktion praxisbewährter Serienprodukte gründete man in den 1990er Jahren im polnischen Jawor den Fertigungsbetrieb Korpo Sp. z o.o., der heute 350 Mitarbeiter beschäftigt. Zusammen mit den 400 Mitarbeitern in Deutschland erwirtschaftete Kordel 2013 über 100 Millionen Euro.

EDV zu starr. IT-Leiter Werner Rips beschreibt die Schwierigkeiten, die durch das steigende Auftragsvolumen entstanden: »Zu unseren Kundenanforderungen gehört eine sehr hohe Flexibilität. Liefertermine werden vorgezogen, Stückzahlen herabgesetzt oder erhöht. Das bedeutete mit unserem PPS-System eine aufwendige und unübersichtliche händische Umterminierung und Stückzahlenkorrektur.« Gab es Umplanungen seitens der Kunden, bezog sich das nicht nur auf den einen, sondern auf alle wartenden Aufträge. Überlegungen, die Arbeitsabläufe anders zu organisieren, wurden schnell verworfen, da es keine Möglichkeit gab, beispielsweise die künftige Deckungs-situation von Materialien vernünftig im System abzubilden.

Daher sollte dieses Kundenverhalten so im ERP-System abgebildet werden, dass ein Planungssystem mit einer täglich wechselnden Sicht auf die Kundenbedarfe und die Kundenauftragsstrukturen entstand. »So haben wir unsere Suche im Internet, auf der Cebit und der Hannover Messe begonnen«, berichtet Rips, der schließlich drei Anbieter auswählte, kontaktierte und sie ihr jeweiliges Produkt präsentieren ließ. Zu ihnen gehörte die Berghof Systeme GmbH aus Königsee, zu der Rips über seinen Berliner ERP-Partner Psipenta Kontakt bekommen hatte. »Der Berghof-Berater hat von den Anbietern unsere Probleme am besten verstanden«, so Rips. Ein weiterer, signifikanter Unterschied, der letztlich mit zur Entscheidung führte, bestand in der -vollständigen Integration der Berghof-Lösung ins ERP-System. »Das Berghof-Modul SRM ist heute mit seiner Kernfunktionalität integraler Bestandteil unseres ERP-Standards PSIpenta«, verdeutlicht Rips.

Transparente Grobplanung. Das Kernstück besteht im sogenannten SRM-Modul, dem Selbstregulierenden Mechanismus. Damit lassen sich für die Erstellung von Prognosen Verbräuche aus der Vergangenheit auf die Zukunft projizieren. Als Ergebnis entstehen Verbrauchskurven mit geplanten oder voraussichtlichen Bedarfsquoten. »Mit Berghof haben wir einen Partner gefunden, der diese Daten dann auch in praktische Daten umsetzen kann, die dazu führen, dass wir unsere Grobplanung aus Kundensicht für die Planung in unserer Produktionssteuerung transparent abbilden können«, erklärt Rips. Während früher letztlich alle Einteilungen fixe Termine mit fixen Fertigungsaufträgen darstellten, gibt es heute -einen Feinplanungshorizont von maximal vier Wochen. Darüber hinaus besteht ein Grobplanungshorizont, den der Kunde verplanen kann.

Die Grobplanung wird intern abgebildet und startet außerhalb des Feinplanungshorizonts bereits die Beschaffung, sodass man beschaffungsseitig eine Unterdeckung vermeidet. Die Fertigungsleitstelle braucht die Aufträge jetzt nur noch so zu steuern, dass der im Kalender immer weiter rückende Feinplanungshorizont stets gedeckt ist. Das SRM sorgt also für eine geplante Deckung im gesamten Auftragszeitraum, indem es unter anderem historische Daten zu Prognosedaten macht. In kritischen Situationen weist das Tool automatisch die entsprechenden Abteilungen auf einen Engpass hin. So erhält die komplette Meisterebene über Terminals dynamische Arbeitsvorratslisten, die jederzeit aktualisiert abgerufen werden können.

SRM bringt Flexibilität. »So hat sich unsere Fertigungssituation drastisch entspannt. Hatten wir früher über den Grobplanungszeitraum der Kunden noch 7.000 bis 8.000 Aufträge, sind es heute noch gut 4.000«, beziffert Manfred Schwack, Leiter Produktionssteuerung, den Effekt. Weniger Aufträge zur selben Zeit im System bedeutet ein viel flexibleres Handling, wodurch sich auch die Losgrößen reduzieren lassen. »Früher mussten wir mit großen Überdeckungen arbeiten, um alle Eventualitäten abzudecken, das bedeutete auch hohe Losgrößen«, weiß Rips. Heute kann die Fertigung mit erheblich kleineren Losgrößen viel flexibler reagieren, denn kleinere Mengen lassen sich besser fertig produzieren. »Früher meinten wir, der Rüstaufwand bei kleineren Losgrößen sei viel zu hoch. Jetzt wissen wir, dass das Plus an Flexibilität viel wertvoller ist«, so Schwack.

Natürlich hat das Berghof-Tool auch Auswirkungen auf den Lagerbestand. »Wenn wir den Kunden zugestehen, bei ihren Abrufen bis zu 50 Prozent von ihrem Standardmittelwert abzuweichen, müssen wir dies quasi als Sicherheitspaket im Lagerbestand beachten«, gibt Schwack zu bedenken. SRM verfügt jedoch über variable, einstellbare Parameter, die diese Überdeckungen berücksichtigen. »Kordel glaubt, seinen Kunden diesen Komfort des Sicherheitspakets schuldig zu sein«, meint Rips und betont gleichzeitig, dass der Lagerbestand durch die Steuerung des SRM etwa gleich geblieben oder leicht gesunken ist, obwohl der Umsatz seit 2011 um über zehn Millionen Euro gestiegen ist. So gibt es eine deutlich reduzierte Kapitalbindung für nicht benötigtes Material.

Gewinn vor allem für die Kunden. Rips zeigt sich ausgesprochen zufrieden mit dem Erfolg des SRM: »Vor allem hat uns die Beratungskompetenz der Berghof-Mitarbeiter in vielen Dingen weiter geholfen.« Die Verminderung der Fertigungsaufträge um die Hälfte und die signifikante Reduzierung der Losgrößen bedeuten für ihn einen erheblichen Flexibilitätsgewinn. Auch in der Produktion bewirkte die Berghof-Lösung eine effizientere Kapazitätsnutzung, da beispielsweise kein Material gefertigt wird, das man erst Wochen später braucht. Durch die größere Sicherheit in den Terminplanungen lassen sich viel besser Änderungswünsche der Kunden berücksichtigen ohne etwa Liefertermine zu gefährden. »Die Qualität unserer Produkte und die Zufriedenheit unserer Kunden bestimmt unser Handeln. Das ist Firmenphilosophie. Dabei unterstützt uns Berghof effektiv«, fasst IT-Leiter Rips zusammen.

Volker Vorburg


www.berghof-systeme.de

Titelbild: Shutterstock.com/alphaspirit

 

 

Weitere Artikel zu