Internes Whistleblowing auf dem Vormarsch

Reputationsprofis wissen: Ein wichtiger Teil des präventiven Reputation Management in Großunternehmen ist die Einrichtung robuster Strukturen für internes Whistleblowing. Klare Wege, über die Mitarbeiter die Unternehmensführung über Rechtsbrüche und Verstöße gegen ethische Richtlinien im eigenen Unternehmen informieren können. Denn Unternehmen, die solche Hinweise ignorieren und die mutmaßlichen Verstöße nicht ausermitteln und abstellen, drohen schwere Reputationskrisen mit erheblichen wirtschaftlichen Schäden.

Zu diesem Thema hat Freshfields Bruckhaus Deringer ermutigende Zahlen veröffentlicht:

Für die Studie »Whistleblowing is on the rise« wurden 2.500 Führungskräfte aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien sowie Hong Kong und den USA befragt.

47 Prozent der Befragten gaben an, in ihrem Unternehmen bereits Erfahrungen mit Whistleblowing gemacht zu haben – entweder als Hinweisgeber, Hinweisempfänger oder Zeuge. Interessant wird diese Zahl durch einen Vergleich mit Ergebnissen einer ähnlichen Umfrage aus dem Jahr 2014: Damals lag diese Quote erst bei 34 Prozent. Auf Deutschland bezogen ist dieser Sprung sogar noch größer: Von ehemals 29 auf jetzt 54 Prozent.

Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil derjenigen, die angeben, dass ihr Unternehmen internes Whistleblowing aktiv ermutigt, von 13 auf 24 Prozent. Parallel dazu sank der Anteil derjenigen, die meinen, ihre Firma versuche ihre Mitarbeiter eher von der Aufdeckung von Missständen abzuhalten, von elf auf nur noch vier Prozent. Darüber hinaus stehen laut Freshfields Berufstätige unter 45 Jahren dem Thema Whistleblowing offener gegenüber als ältere Mitarbeiter.

Die Autoren schließen daraus, dass sich (internes) Whistleblowing immer mehr als Normalität in der Wirtschaft etabliert.

So weit, so gut. Ein internes Hinweisgeber-System kann aber nur funktionieren, wenn die Whistleblower keine persönlichen Repressalien im Unternehmen erwarten müssen. 55 Prozent der Befragten gehen allerdings davon aus, dass Angst vor einem Verlust an Reputation oder einem Karriere-Knick Mitarbeiter von Hinweisen auf problematische Praktiken abhalten würde.

Deswegen: Wenn Sie nicht wollen, dass Ihr Unternehmen morgen in Zusammenhang mit einem Skandal in der Presse steht und mühsam erarbeitete Reputation verliert, sollten Sie schon heute nicht nur ein robustes internes Whistleblowing-System etablieren (wie zum Beispiel das von Lidl). Sondern auch für eine Unternehmenskultur sorgen, die Mitarbeiter ermutigt, Bedenken zu äußern.

Nur so können Sie vor der Öffentlichkeit wissen, welche Themen die Reputation Ihres Hauses bedrohen – und diese Risiken abstellen, bevor sie eine Krise auslösen.

Roland Heintze

 

 


 

Reputation Ranking 2018: Deutsche würden am liebsten für Lego arbeiten

Deutschlands Unternehmen mit der höchsten Reputation

EU-DSGVO: Unternehmen üben sich in Gelassenheit und unterschätzen dabei das Ausmaß der Auswirkungen auf Organisation und Reputation

Informationsmanagement der digitalen Kanäle erhöht das Risiko von Datenpannen und führt zu Reputationsverlusten

Studie: Lob vom Chef ist wichtiger als ein geschenkter Wochenendtrip

Schlechtes Image: KI gilt als Kreativitätskiller und undurchsichtige Konkurrenz

Weitere Artikel zu