Internet of Things – Smarte Wert­schöpfung mit dem Internet der Dinge

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Das Internet der Dinge wird alte Geschäftsmodelle verschwinden lassen, neue Partnerschaften etablieren und die Innovationszyklen verkürzen. Wie sollten Unternehmen darauf reagieren?

Vorwärts, immer weiter – das ist der Trend des Internets. Mehr als 3 Milliarden Menschen nutzen es und noch bevor es alle Menschen erreicht hat, drängt es in die Maschinen vor, die uns umgeben: Schon heute sind 15 Milliarden Geräte im Internet der Dinge (IoT) miteinander vernetzt; bis 2020 sollen es 50 Milliarden oder mehr sein.

Hadoop als Schlüsseltechnologie. Um den Anforderungen der zunehmenden Vernetzung von Anlagen und Maschinen gerecht zu werden, muss die Industrie flexibel, zielgerichtet und systematisch organisiert vorgehen. Dabei gibt es 3 Schlüsseltechnologien, die miteinander interagieren und ohne die IoT und Industrie 4.0 nicht denkbar sind: M2M, Big Data und die Cloud. Vor allem die Big Data gilt es dabei in den Griff zu kriegen.

Ein Beispiel für die Unmengen an Daten, die entstehen, wenn alles mit allem spricht, ist das automatische Ablesen von Heizungen: Statt einmal im Jahr wird hier jede Minute ein Wert abgelesen – mehr als 500.000 Werte pro Jahr und Heizkörper. Damit hängt der Erfolg der IoT-Strategie eines jeden Unternehmens direkt von einer stabilen Datenplattform und -architektur zur Verarbeitung dieser Datenmengen, eben Big Data, ab. Die Apache-Hadoop-Software hat sich hier aufgrund ihrer Flexibilität und nahezu grenzenlosen Skalierbarkeit mittlerweile als Framework zum De-facto-Standard entwickelt, der auch problemlos mit Unternehmensanwendungen wie SAP HANA zusammenspielt.

Einsatzszenarien für IoT. Das Potenzial für Unternehmen und der Mehrwert für Nutzer liegt in vielfältigen Bereichen. Hier ein paar aktuelle Beispiele:

  • Landwirtschaft: John Deere hat sich vom traditionellen Maschinenhersteller zum Datenlieferanten für Landwirte gewandelt.
  • Connected Car: Daimler Trucks North America testet seinen fahrerlosen Freightliner Inspiration Truck bereits auf den Fernstraßen Nevadas, und auch die von Tesla und Google entwickelten selbstfahrenden Autos sind bereits unterwegs.
  • Transportbranche: Schifffahrtsunternehmen beobachten Ladung sowie Bordsysteme, Wetter- und Seebedingungen. Auch bei DHL, UPS, Fedex und Co. wird dies Einzug halten.
  • Smart Home & Smart City: Kühlschranke, die Milch bestellen, und sich selbst regulierende Heizungen kennt jeder. Aber was wäre, wenn eine App die sicherste Route für einen Nachtspaziergang zur U-Bahn zeigt oder das Auto von selbst zum nächsten freien Parkplatz geleitet wird?
  • Versicherung: Wird heute ein neuer Porsche gestohlen, wird automatisch das firmeneigene Alarmcenter benachrichtigt.
  • Infrastruktur: Sensoren können in Risikobereichen Probleme verringern oder ganz ausschalten. Wenn beispielsweise das Brandrisiko aufgrund eines defekten Kabels oder einer unsicheren Verbindung steigt, werden automatisch Techniker alarmiert.

All das wird es nicht geschenkt geben. Zwar löst IoT Probleme, die Unternehmen seit Jahrzehnten plagen, aber es wirft auch ganz neue Fragen auf zu Datenschutz, Cybersicherheit und Haftung. Hier die wichtigsten:

Sicherheit: Es steht außer Frage, dass wir neue Angriffsflächen schaffen und dass es Sicherheitsbrüche geben wird. Wenn Sie mit einem Flugzeug oder selbstfahrenden Auto unterwegs sind, befinden Sie sich innerhalb eines Computers. Es ist für unsere Branche von entscheidender Bedeutung, dass wir alles Erdenkliche unternehmen, um Risiken zu minimieren.

  • Haftung: Wer haftet, wenn zwei selbststeuernde Autos einen Unfall verursachen? Wie sieht es aus, wenn Industrieanlagen sich aus Sicherheitsgründen selber abschalten?
    Was, wenn der Kühlschrank Milch bestellt, die ich nicht brauche?
  • Standards: Wenn IoT sich im großen Maßstab durchsetzen soll, müssen Standards für die M2M-Kommunikation her, damit nicht bei jeder Lösung das Rad neu erfunden werden muss. Wer definiert diese?
  • Interconnectivity: Alle Technologien müssen Hand in Hand arbeiten. Wer gestaltet das Framework, ohne dass es in die Hände von Monopolisten fällt?

Wie angehen und lohnt es sich? Natürlich fragen sich Firmen, wo und wie sie anfangen sollen. Aber das Wasserfallprojekt, bei dem zwei Jahre geplant und dann mit Millionenbudget gestartet wird, hat in dieser schnellen Welt ausgedient. Wir raten: Geh den ersten Schritt klein, aber gehe ihn schnell. Mit 150.000 Euro und einigen Leuten kann man gut vorankommen und binnen 3 bis 6 Monaten sehen, ob man in die korrekte Richtung geht. Nur so kann man es im IoT-Umfeld schaffen

Obwohl laut einer Studie von Telenor Connexion knapp 25 % der Unternehmen einen negativen ROI befürchteten, bietet IoT Unternehmen jeder Größenordnung in nahezu jeder Branche vielversprechende Einsatzszenarien. Es existieren IoT-Projekte auf Basis von Hadoop, die mithilfe neuer Produkte mit Mehrwert und anspruchsvoller Anwendungen den Umsatz und die Kundenbindung derart erhöhten, dass sie binnen 12 Monaten profitabel wurden. Neue Standards werden die Kosten reduzieren, Entwicklungszyklen verringern und so die ROI-Grenze weiter senken.

Ratschläge aus der Praxis. Cloudera ist an vielen IoT-Projekten beteiligt, daher kann ich aus der Praxis einige Ratschläge geben: Hinterfragen Sie Ihr Geschäftsmodell, bevor es andere tun, und versetzen Sie sich dabei in Ihre Kunden. Lassen Sie sich von den vielen Herausforderungen von IoT nicht einschüchtern. Haben Sie Mut zur Partnerschaft und scheuen Sie sich nicht, Hilfe von externen Experten anzunehmen. Öffnen Sie Ihr Ökosystem mit gut dokumentierten APIs und bieten Sie Ihren Kunden die Anbindung an. Arbeiten Sie agil, denn der Markt ist von kurzen, disruptiven Innovationszyklen geprägt. Und last but not least: Think big, but start small! Aber starten Sie jetzt, denn allein bis 2020 soll der deutsche B2B-Markt für IoT-Anwendungen laut Deloitte ein Volumen von 50 Milliarden Euro erreichen.


autor_hans-martin_czerminHans-Martin Czermin,
Sr. Director Central & Eastern Europe
at Cloudera
www.cloudera.com

 

 

Illustration: © bizvector/shutterstock.com 

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