Jedes zweite EU-Unternehmen fürchtet digitale Disruption

In der Europäischen Union steigt die Angst vor digitaler Disruption. 47 Prozent der EU-Firmen geben an, dass in den vergangenen 18 Monaten die Anzeichen für disruptive Veränderungen in der eigenen Branche massiv zugenommen haben. Von dieser Entwicklung bleibt kaum ein Industriezweig verschont. Nur zwölf Prozent der Firmen fühlen sich wenig oder gar nicht bedroht. Das zeigt eine Umfrage des Softwareunternehmens Camunda [1].

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Wie schnell sich ganze Branchen durch digitale Innovationen disruptieren lassen, haben Amazon, Netflix und zahlreiche Fintechs, die Banken mit komfortablen Digitallösungen ins Visier nehmen, längst bewiesen. Wann die Disruption tatsächlich stattfindet, schätzen jedoch viele Unternehmen falsch ein, glaubt Jakob Freund, CEO und Mitgründer von Camunda. »Amazon hat schon mit dem ersten online verkauften Buch einen Keil zwischen Kunde und Handel getrieben«, so der Experte für digitale Transformation. »Einbrechende Umsätze sind nur der Hebeleffekt einer Disruption, die bereits viel früher begonnen hat.«

Neues Selbstverständnis als Softwarefirma

Erfolgsentscheidend für das eigene Überleben ist deshalb, Frühindikatoren zu entwickeln, um disruptive Einflüsse im eigenen Geschäftsmodell rechtzeitig aufzuspüren. »Wenn sich Disruption schon aus den wirtschaftlichen Kennzahlen eines Unternehmens herauslesen lässt, ist es zu spät«, warnt Jakob Freund. Der beste Schutz gegen digitale Angreifer sei, selbst digitale Kompetenz aufzubauen, so der Camunda-Chef: »Die Unternehmen müssen ein neues Selbstverständnis als Softwarefirma aufbauen. Differenzierung findet künftig nur noch über die angebotenen Dienste statt. Es wird Softwarefirmen geben, die Bankdienstleistungen anbieten und solche, die Autos bauen. Ohne hausinterne, leistungsfähige Kapazitäten zur Softwareentwicklung kommt aber kein einziges Unternehmen mehr aus.«

91 Prozent der EU-Firmen haben bereits verstanden, dass digitale Transformation der Schlüssel für langfristiges Wachstum darstellt. Dazu gehört vor allem, die eigene Organisation digital umzubauen und IT-Systeme zu entwickeln, die sich flexibel an sich ständig verändernde Kundenwünsche anpassen lassen. 56 Prozent der Befragten schätzen Microservices diesbezüglich als erfolgskritischen Faktor für die IT-Infrastruktur der Zukunft ein. Als besondere Herausforderung gilt hierbei die durchgängige Abbildung der Kerngeschäftsprozesse. Dies zeigt sich auch an den Aktivitäten von Microservices-Vorreitern wie dem US-Streamingdienst Netflix, der seine eigene Lösung zur Orchestrierung von Microservices veröffentlicht hat.

»Microservices ermöglichen neuartige Anwendungen, die sich wie Lego-Bausätze zusammensetzen und erweitern lassen. Damit der Gesamtprozess dabei nicht aus dem Blick gerät, bietet sich eine durchgängige Unterstützung durch Workflow-Automation-Technologie an«, sagt Jakob Freund.

In den kommenden 18 Monaten erwartet der Camunda-Chef, dass sich ein Wettbewerb um die beste Kundenerfahrung entwickelt. »Im digitalen Zeitalter gewinnt, wer seine Kunden optimal bedient und diese Fähigkeit skalieren kann«, so Freund. »Entscheidend ist, dass auch eher konservative Produkte wie beispielsweise Versicherungen für den Kunden so einfach zu erwerben und nutzen sind wie ein Produkt bei Amazon.«

 

[1] Über die Umfrage: Camunda hat weltweit mehr als 350 Fachexperten online zur Entwicklung, Anwendung und Einführung von Software auf Basis von Microservices befragt, darunter mehrheitlich Software-Architekten (54 Prozent) und Software-Ingenieure (17 Prozent) sowie Business-Analysten, Produktmanager und Anwendungsentwickler. Die Umfrage wurde durchgeführt von Researchscape International. Auf die Europäische Union entfielen mit 186 Beteiligten mehr als die Hälfte der Antworten. Am stärksten vertreten sind Unternehmen aus den Branchen Finanzen, Versicherungen und Immobilien (28 Prozent), gefolgt von Software (27 Prozent), Telekommunikation (8 Prozent), Regierung (6 Prozent), Internet (5 Prozent) sowie Transport und Lagerhaltung (5 Prozent).

 


 

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