Klarer Trend: Deutsche wollen smarter wohnen

Das Smart Home gilt als die Zukunft des Wohnens. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Wachstumspotenziale und Qualität, aber auch die Skepsis steigt wie eine aktuelle Studie von Deloitte zeigt.

Die Erwartungen an die Wachstumspotenziale sind hoch. Tatsächlich hat sich das Smart Home »in den Köpfen« bereits vielfach etablieren können, das Interesse wächst. Aber auch die Skepsis steigt: Wie der aktuelle Deloitte Smart Home Consumer Survey zeigt, sind insbesondere die Bedenken im Hinblick auf Datenschutz und -sicherheit nicht geringer geworden [1]. Die Bereitschaft zum Teilen von Daten nimmt dennoch zu. Abseits dessen sind die Erfahrungen der Anwender mehrheitlich gut bis sehr gut.

Besonders gefragt beziehungsweise verbreitet sind vernetzte Lautsprecher sowie intelligente Schalter und Steckdosen. Hausnotrufsysteme genießen als einziger Zusatzdienst ebenfalls eine hohe Akzeptanz im Markt. Generell stehen Komfort und Sicherheit an erster Stelle bei den Nutzungsgründen. Gesteuert werden die entsprechenden Systeme – bei denen die Mehrheit offene Plattformen gegenüber geschlossenen eindeutig vorzieht – überwiegend per Smartphone und App.

»Von einem Boom zu sprechen, wäre noch verfrüht, aber die Verbreitung von Smart-Home-Komponenten nimmt zu. Insgesamt steigen Akzeptanz und Interesse, wenn auch im Hinblick auf sensible Bereiche wie etwa Türschlösser noch Vorbehalte existieren. Der Kenntnisstand ist bei nahezu allen Altersgruppen deutlich gestiegen«, erklärt Dr. Gunther Wagner, Director Technology bei Deloitte.

 

Smart-Home-Komponenten werden immer interessanter

Rund 13 Prozent der Haushalte in Deutschland haben heute einen smarten Lautsprecher, sechs Prozent ein intelligentes Reinigungsgerät – und 14 Prozent einen Mediaserver. Andere Devices und Systeme bewegen sich zwischen vier und fünf Prozent Verbreitung. Das grundsätzliche Interesse an der Anschaffung beläuft sich jedoch durchgehend auf 20 bis 30 Prozent. Insgesamt ist die Verbreitung smarter Devices für das Zuhause in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen, bei Lautsprechern, Leuchten und Thermostaten um 50 bis 67 Prozent. Hausnotrufsysteme hingegen stagnieren, Mediaserver legten nur um acht Prozent zu.

 

Wer es hat, liebt es

Mehr als die Hälfte der Nutzer von Smart-Home-Systemen ist zufrieden. Immerhin 87 Prozent verwenden sie regelmäßig, vor allem Verbraucher zwischen 25 und 45 Jahren. Im Vordergrund steht dabei der Wunsch nach mehr Komfort (56 %) und nach zusätzlicher Sicherheit (49 %). Im Hinblick auf smarte Heizthermostate spielt natürlich auch der Kostenaspekt eine substanzielle Rolle (38 %). In den letzten Jahren sind den Verbrauchern offensichtlich immer mehr Gründe und Anlässe eingefallen, sich für Smart-Home-Komponenten zu erwärmen – was auf einen insgesamt höheren Informationsstand schließen lässt. So spielt jetzt auch das Motiv Umwelt eine stärkere Rolle (20 % der Nennungen).

 

 

Vorbehalte bei Kosten und Sicherheit

Skeptiker gibt es vor allem im Hinblick auf den Datenschutz und die Sicherheit der übermittelten Informationen. Für genau ein Drittel ist das ein Grund, Smart-Home-Lösungen links liegen zu lassen. Übertroffen wird die Sicherheits- nur von der Kostenfrage: 38 Prozent finden die Systeme zu teuer, jedoch sank die Zahl der Nennungen um sechs Prozentpunkte gegenüber 2015. 22 Prozent finden die Technologie noch zu wenig ausgereift, für 15 Prozent ist die Installation zu kompliziert: eine Zunahme um drei Prozentpunkte. Gestiegen ist ebenfalls die Befürchtung einer zu komplexen Bedienung.

 

Bereitschaft zum Datenteilen nimmt zu

Die Datensicherheit ist entscheidend – und obwohl die allgemeine Skepsis weiterhin groß zu sein scheint, sind mehr Menschen bereit, ihre Daten zu teilen. Waren 2015 noch 57 Prozent zu keinerlei Kompromissen bereit, sind es jetzt nur noch 52 Prozent. Dafür würden 14 Prozent in jedem Fall, 34 Prozent unter bestimmten Bedingungen teilen (2015: 12 beziehungsweise 31 %). Die Jungen zeigen sich erwartungsgemäß offener als die Älteren. Dabei vertrauen auch sie eher Anbietern aus der Consumer Electronics- und Telekommunikationsbranche als den großen Internetfirmen.

 

 

Obwohl das Teilen von Nutzungsdaten eine unabdingbare Voraussetzung für intelligente Smart-Home-Funktionalitäten darstellt, sind nur 14 Prozent der Befragten dazu grundsätzlich bereit – und 40 Prozent lehnen es sogar ab, Nutzungsdaten zu teilen. Besonders kritisch sind hier vor allem die älteren Befragten über 65 eingestellt. Allerdings ist die Bereitschaft zum Teilen von Smart-Home-Nutzungsdaten gegenüber 2015 leicht gestiegen, besonders was das Teilen der Daten mit einzelnen, ausgewählten Smart-Home-Anbietern anbelangt. Besonders in den mittleren Alterssegmenten sind Konsumenten aufgeschlossener: So würde über ein Viertel der 25- bis 34-Jährigen diese Daten vorbehaltlos einem Smart-Home-Anbieter überlassen.

Misstrauen herrscht insbesondere, was die Internet-Giganten mit den Daten anstellen: Google, Amazon & Co. vertrauen hier nur 3 Prozent der Befragten. Das ist insofern bemerkenswert, weil vernetzte Lautsprecher wie Amazon Echo oder die Google-Home-Modelle derzeit die mit am häufigsten genutzte Smart-Home-Hardware darstellen. Ihre Verbreitung wird aktuell nur von smarten Schaltern und Steckdosen übertroffen.

 

Steuerung: Touch schlägt Sprache – noch

Die zentrale Steuereinheit für Smart-Home-Komponenten ist das Smartphone – und nahezu nur das Smartphone, denn Tablets, Laptops oder andere Alternativen werden kaum präferiert. Trotz genereller Aufgeschlossenheit zeigen sich die Nutzer auch in puncto Sprachassistenten zurückhaltend: Bevorzugt werden eindeutig noch Apps im Verbindung mit Touch-Steuerung.

 

Offene Plattformen bevorzugt – mieten nicht attraktiv

Geschlossene Systeme »aus einer Hand« haben insbesondere bei der Handhabung ihre Vorteile – werden aber nur von älteren Nutzern geschätzt. Alle anderen bevorzugen offene Plattformen mit der Möglichkeit, das Smart Home nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Immerhin 71 Prozent ist das wichtig oder sogar sehr wichtig – insbesondere in der Altersgruppe 18 bis 44 Jahre. Konservativer zeigen sich die Studienteilnehmer bei der Frage nach Kauf oder Miete: Für ganze zwei Drittel kommt nur der einmalige käufliche Erwerb infrage, nur 14 Prozent können sich ein Abonnement oder ein anderes gebührenbasiertes Modell vorstellen. Dabei zeigen sich die Älteren etwas weniger ablehnend als jüngere Verbraucher.

 

»Die Studie liefert einige sehr wichtige Erkenntnisse – zum Beispiel, dass eine ausschließliche Fokussierung auf Mietmodelle ebenso wenig erfolgversprechend ist wie das Angebot kompakter, geschlossener Systeme ohne individuelle Erweiterungsoptionen. So könnten Consumer-Electronics-Hersteller zum Beispiel attraktive Bundles entwickeln, TK-Firmen ihre Connectivity-Kompetenzen ausspielen oder Energieversorger ihre große Kundenbasis für die Vermarktung nutzen. Wichtig ist immer der Datenschutz: Hier müssen vor allem die Internetunternehmen Vertrauen schaffen«, resümiert Wagner.

 

[1] Deloitte hat für den aktuellen Smart Home Consumer Survey über 2.000 Deutsche im Alter zwischen 19 und 75 Jahren befragt. Die komplette Studie finden Sie hier zum Download. https://www2.deloitte.com/de/de/pages/technology-media-and-telecommunications/articles/smart-home-studie-2018.html

 


 

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