Künstliche Intelligenz steigert die Effizienz, stößt aber bei Mitarbeitern auf Skepsis

Neue digitale Prozesse und Verfahrensweisen durch KI werden von den Mitarbeitern nur dann voll-umfänglich akzeptiert, wenn die Bedenken ausgeräumt und die Menschen »mitgenommen« werden.

Künstliche Intelligenz, kurz KI, also die Automatisierung intelligenten Verhaltens durch Computersysteme, zählt zu den Trendthemen bei der Verarbeitung digitaler Informationen. Gerade das überproportionale Wachstum der Datenvolumina – Stichworte Big Data oder auch IoT – machen Expertensysteme, die logische Schlussfolgerungen automatisiert generieren, geradezu unverzichtbar. Denn es geht darum, den Nutzwert digitaler Informationen und damit die Arbeitseffizienz und -produktivität zu steigern.

Ohne die Akzeptanz der Mitarbeiter, die nachhaltig davon abhängig ist, dass sich die eigene Arbeit erleichtert, indem als unnötig erachtete Arbeitsschritte eliminiert werden, und dass ein positives Leistungsgefühl entsteht, sind neue digitale Prozesse und Vorgehensweisen allerdings kaum erfolgreich umzusetzen. Welche Erwartungen aber haben die Belegschaften an KI-basierte Lösungen?

Diesem Thema hat sich das Workforce Institute angenommen und im Rahmen der von Coleman Parkes Research durchgeführten internationalen Studie »The Engaging Opportunity: Working Smarter with AI« mehr als 2.600 Mitarbeiter in Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von 100 aufwärts befragt. Die Interviewpartner stammten aus den USA, Australien und Neuseeland, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Kanada und Mexiko.

Ziel des Workforce Institutes – einem global agierenden Think Tank – ist es, durch unabhängige Forschung sowie basierend auf dem Know-how renommierter Experten, aus denen der Beirat des Instituts besteht, Unternehmen dabei zu unterstützen, Arbeitsplätze und Arbeitsumgebung zu optimieren, die Mitarbeitermotivation zu steigern und so letztlich das Unternehmensergebnis zu verbessern. Es wurde 2007 in den USA gegründet und ist seit 2017 auch in Europa vertreten.

Im Vorfeld der aktuellen Untersuchung hatte das Workforce Institute Europe bereits eine andere Untersuchung durchgeführt, die einen guten Kontext gibt: Sie befragte mehr als 3.000 Vollzeitbeschäftigte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien unter anderem zu ihren Gewohnheiten am Arbeitsplatz sowie ihrer privaten und beruflichen Nutzung von Technologien und zeigte auf, dass Technologien besonders in Deutschland erst dann konsequent eingesetzt werden, wenn sie sich etabliert, ihre Eignung also nachgewiesen haben. Als Produktivitätsbremsen zeigten sich Unzufriedenheit mit dem Arbeitsalltag und eine unausgeglichene Work-Life-Balance.

Insgesamt hat man bei der Studie festgestellt, dass »… um Produktivitätsverluste zu vermeiden, untersucht werden muss, wie wir mit Technologie arbeiten, um maßgeschneiderte und flexible Strategien zu entwickeln, die Arbeitnehmer unterstützen, eine bessere Work-Life-Balance zu finden und wieder mehr aus dem Arbeitstag herauszuholen« (Claire Richardson, Director, The Workforce Institute Europe at Kronos).

Kann künstliche Intelligenz hierauf also eine Antwort geben?

Die Ausgangslage. KI hat in Workforce-Management-Lösungen Einzug gehalten und kann dort bislang zeitraubende, alltägliche Aufgaben deutlich beschleunigen und potenzielle Compliance-Risiken und Burn-out-Anzeichen proaktiv erkennen, noch bevor sie zum Problem werden. Machine-Learning-Algorithmen liefern bessere Prognosen und ermöglichen der Technologie, als digitaler Berater zu agieren. Doch dieser Berater muss akzeptiert werden. Exakt hier offenbaren sich,
wie die Untersuchung »The Engaging Opportunity: Working Smarter with AI« zeigt, deutliche länderspezifische Unterschiede in den Erwartungen der Mitarbeiter.

Deutschland: das Land der KI-Skeptiker. Während etwa durchschnittlich 64 Prozent der in der Studie Befragten davon überzeugt sind, dass KI und die damit verbundene Automatisierung interne Arbeitsprozesse vereinfachen wird, sind dies in Deutschland lediglich 59 Prozent. Noch größer ist der Unterschied bei der Einschätzung, ob KI-Systeme die Arbeitsbelastungen senken: International nehmen dies 64 Prozent der Beschäftigten an, in Deutschland dagegen lediglich 52 Prozent.

KI-basierte Analysen als Entscheidungshilfen für Manager beurteilen 57 Prozent der Befragten positiv, hierzulande allerdings nur 42 Prozent. Und auch bei der KI-basierten Analyse von Daten zur Beurteilung der eigenen Arbeitsqualität zeigen sich deutsche Mitarbeiter eher zurückhaltend: Während in Großbritannien immerhin 61 Prozent davon ausgehen, dass dies ein erfolgversprechender Weg sei, sind es in Deutschland 54 Prozent.

Weiter haben die Deutschen deutlich größere Bedenken als ihre Kollegen aus den anderen Ländern, dass ihre gesamten beruflichen Aktivitäten beobachtet werden könnten, und so das Management besser wisse, womit sie die Arbeitszeit verbringen. 37 Prozent der in deutschen Betrieben Befragten gehen davon aus, dass dies der Fall sein werde. Der Durchschnitt aus den Antworten aller Studienteilnehmer lag bei 29 Prozent. Das deckt sich mit den relativ hohen Ansprüchen, die Menschen in Deutschland in puncto Datensicherheit und Personal Privacy haben.

Ein kurzes Fazit. Deutsche stehen der KI im Vergleich zu den Mitarbeitern in anderen Industrienationen am wenigsten positiv gegenüber. Bei fast allen Fragekomplexen bilden sie das Schlusslicht in Sachen positiver Erwartungen und sind eher skeptisch gegenüber den Vorteilen, die KI-Systeme ohne Zweifel realisieren können. Entsprechend gering ist daher derzeit die Bereitschaft, KI-basierte Systeme zu nutzen. Um dieser eher ablehnenden Haltung zu begegnen, ist das Management gefragt, da fehlendes Verständnis und geringe Kompetenz in Sachen KI vor allem aus unzureichender Aufklärung und Weiterbildung resultieren. Starke Argumente lassen sich hierbei aus dem täglichen Geschäft ziehen: Ein Kronos-Kunde berichtet, dass seine Manager weltweit mehr als 20.000 Urlaubs und Freizeitanträge JEDE WOCHE genehmigen müssen. Wenn diese Aufgabe automatisiert und nach vorab definierten Regeln ablaufen würde, wäre das Resultat der Gleichung einfach zu ermitteln: mehr Zeit für menschliche Interaktion und strategische Aufgaben.

Hier sieht Claire Richardson eine der großartigsten Errungenschaften, die gemacht werden können: »Viele Menschen sehen durch den Einsatz von Technik immer die Entfremdung, die Desozialisierung. Doch sie kann genau das Gegenteil bewirken: Der Einsatz von ebenjener Software kann und soll bewirken, dass sich Manager wieder mehr ihren Mitarbeitern widmen können.«


https://workforceinstitute.org

 

Illustration: © chombosan /shutterstock.com 

 

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