Lernen mit Netflix-Effekt

Was hat denn Netflix mit E-Learning zu tun? – Auf den ersten Blick wenig. Aber Unternehmen können sich für den Erfolg ihres Lernprogramms viel von der Streaming-Plattform abschauen.

Illustration: Absmeier, FelixMittermaier

Das US-amerikanische Unternehmen Netflix verdankt seinen weltweiten Erfolg der Video-on-Demand-Vermietung per Streaming. Serien wie Breaking Bad, Orange is the new Black, House of Cards oder Stranger Things aus eigener Produktion haben unter den weltweit 125 Millionen Abonnenten bereits Kultstatus erreicht.

Doch nicht nur die Qualität der Inhalte und die von Kritikern hoch gelobten Produktionen motivieren kontinuierlich mehr Menschen, den Dienst zu abonnieren. Auch die einfach zu bedienende Plattform sowie eine ansprechende Programmpräsentation mit intuitiver Suchfunktionalität sorgen dafür, dass die Kunden immer wiederkommen. Zusätzlich hat Netflix seit dem Jahr 2000 die Programmgestaltung ausschließlich auf das individuelle »Fernsehverhalten« seiner Kunden ausgerichtet. Auf dieser Grundlage empfiehlt die Plattform jedem Abonnenten ein auf seine persönlichen Präferenzen maßgeschneidertes Angebot.

 

Das E vor dem Learning steht nicht für einfach

Intuitive Bedienbarkeit und individuelle Programmvorschläge sind auch für Lernplattformen wesentliche Qualitätsmerkmale. Die Realität sieht jedoch oft anders aus: wie eine internationale Studie des Marktforschungsunternehmens Towards Maturity und Skillsoft ergab, findet ein Großteil der 6.000 befragten Arbeitnehmer E-Learning-Programme zu kompliziert und zeitintensiv. Am häufigsten wird beanstandet, Lerninhalte seien schwer zu finden, unattraktiv und würden »nichts bringen«.

Diese Negativerfahrung fördert nicht gerade die Motivation von Mitarbeitern, sich über digitale Formate weiterzubilden. Laut der Studie sind auf diese Weise E-Learning-Projekte schon bei 60 Prozent der befragten Unternehmen gescheitert und damit ein Großteil der Investitionen in digitales Lernen wirkungslos verpufft.

Das Beispiel Netflix belegt: die Qualität und Attraktivität der Plattform sind ein neuralgischer Punkt für den Erfolg – oder Misserfolg, wie die Studie zeigt. Unternehmen können hieraus zwei wesentliche Erkenntnisse gewinnen. Erstens: lernende Mitarbeiter sollten als Kunden betrachtet und entsprechend behandelt werden. Und zweitens: eine moderne Lernplattform muss viel mehr als eine bloße Content-Datenbank früherer Tage bieten.

 

Definiere Attraktivität

Was macht eine Lernplattform im digitalen Arbeitsumfeld aus? Was spricht Lernende an? Die gute Nachricht vorweg –Arbeitnehmer wollen lernen, sich weiterentwickeln, ihre Karriere vorantreiben. Es dürfte demnach von den Mitarbeitern grundsätzlich begrüßt werden, wenn Ihr Unternehmen ein digitales Lernprogramm zur Weiterbildung einführt.

Eine moderne Lernplattform präsentiert sich im »Look & Feel« wie die Benutzeroberflächen von Netflix, YouTube oder Facebook. Wichtig ist, dem Anwender schon beim ersten Start der Lernanwendung das Gefühl zu vermitteln, etwas Derartiges schon aus dem privaten Umfeld zu kennen. Das baut gerade bei eher ungeübten Nutzern Berührungsängste ab. Übersichtlichkeit und eine einfache Bedienung sind essenziell: Nichts ist für Anwender demotivierender, als sich mühsam in einer unüberschaubaren Fülle von Funktionen zurechtfinden oder langwierig nach passenden Lerninhalten suchen zu müssen.

Nach dem Netflix-Vorbild der Konsumentenanalyse sollten heutige Lernprogramme ebenfalls in der Lage sein, die individuellen Bedürfnisse der Lernkunden zu analysieren und maßgeschneiderte Kursangebote zu empfehlen. Dies erfordert einerseits eine große Vielfalt an Inhalten sowie andererseits die gezielte Zuordnung passender Inhalte zu persönlichen Anforderungsprofilen auf der Grundlage leistungsstarker Algorithmen und künstlicher Intelligenz.

 

Drei Tipps zur effektiven Kundenansprache à la Netflix

  1. Unter Ihren Lernkunden im Unternehmen befinden sich verschiedene Zielgruppen: Basis- und Führungskräfte, junge Talente, gestandene Mitarbeiter, routinierte und eher unerfahrene Anwender usw. Stellen Sie sicher, dass Ihr Kursportfolio nach unterschiedlichen Wissenslevels – etwa Anfänger, Fortgeschrittener, Experte – strukturiert ist und eine hohe Kontinuität bietet.
  2. Darüber hinaus ist es sinnvoll, individuelle Lernpräferenzen zu berücksichtigen. Denn während der Eine das Anschauen von Videos bevorzugt, können Andere sich Wissen besser über spielerische Elemente (Gamification) aneignen. Auch E-Books erfreuen sich in einem diversifizierten Kursportfolio nach wie vor großer Beliebtheit.
  3. Weiterhin sollten Sie beachten: digitales Lernen und Präsentationsformen müssen sich den Gegebenheiten des heutigen Arbeitslebens anpassen. Viele Arbeitnehmer beklagen einen Mangel an Zeit zum Lernen. Eine sehr effektive Schulungsmethode sind daher Micro Learning-Kurse. Diese vorwiegend Video-basierten »Lernhäppchen« sind aufgrund ihrer Praxisnähe – häufig werden typische Szenen aus dem Berufsalltag nachgestellt – bei Lernenden besonders beliebt. Dank ihrer geringen Dauer von 5 bis 10 Minuten pro Einheit und ihrer mobilen Verfügbarkeit auf dem Tablet oder Smartphone können sie ideal in den Arbeitsalltag eingebaut oder auch in der Freizeit genutzt werden. Bei Bedarf kann der Lernende jederzeit einfach die Pausentaste drücken –genau wie bei einem gestreamten Netflix-Programm – und die ‚Kurs-Serie‘ bei nächster Gelegenheit fortsetzen.

 

Kuratierte Lerninhalte sparen Zeit, bieten nützlichen Kontext, erhöhen die Produktivität und machen das Training insgesamt wertvoller. Und sie können die Motivation der Mitarbeiter maßgeblich erhöhen, wenn sie individuelle Karriereperspektiven fördern.

 

Was zeigt die Netflix-Erfahrung?

Eine zukunftsorientierte Weiterbildung braucht eine moderne, ansprechende und intuitive Plattform, deren Inhalte sowohl die Geschäftsziele Ihres Unternehmens unterstützen als auch jeden Mitarbeiter in seiner persönlichen Entwicklung fördern. Bieten Sie dies an, können Sie sicherstellen, dass Ihr Unternehmen von Ihrer Investition in digitales Lernen profitiert.

 


 

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