Manche Verbraucher glauben, dass Unternehmen der Schutz privater Daten gleichgültig ist

In Anbetracht der DSGVO/GDPR haben Unternehmen weit mehr zu befürchten als hohe Strafen bei Nichteinhaltung der Verordnung.

Illustration: Absmeier, Mohamad1983eg

 

Die Studie zur EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO/GDPR) basiert auf einer von Censuswide durchgeführten und von Thales beauftragten Befragung von Verbrauchern und Unternehmen in Europa und den Vereinigten Staaten [1]. Ziel der Erhebung war es herauszufinden wie gut Firmen auf die im Mai 2018 ablaufende Frist zur DSGVO-Compliance vorbereitet sind und wie sie den Einfluss der DSGVO auf ihre unternehmerische Tätigkeit bewerten.

Starke Bedenken bei Verbrauchern

Im Hinblick auf den Schutz personenbezogener Daten bestehen bei den Befragten teilweise erhebliche Bedenken. Die Hälfte der befragten Verbraucher im Vereinigten Königreich (50 %) und rund ein Drittel der Befragten in Deutschland (35 %) gaben an, niemandem zu vertrauen, wenn es um den Schutz ihrer personenbezogenen Daten geht. Damit sind im Bundesdatenschutzgesetz nach § 3 Absatz 1 alle Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person gemeint. Also alle Informationen, die über eine Person etwas aussagen. Ein ähnlicher Mangel an Vertrauen herrscht in Bezug auf den Umgang der Unternehmen mit der Privatsphäre im digitalen Umfeld. 49 % der britischen und 45 % der deutschen Verbraucher glauben, dass Unternehmen ihre digitale Privatsphäre weitgehend gleichgültig ist.

Ein Großteil der Verbraucher in beiden Ländern ist sogar bereit rechtliche Schritte einzuleiten, sollte ein Unternehmen gegen die Verordnungen der EU-DSGVO verstoßen. Gleichzeitig hegen Firmen aber auch Befürchtungen, dass die neuen Regelungen sich negativ auf ihre Geschäftstätigkeit oder internationale Beziehungen auswirken könnten.

Dabei konzentrieren sich die Bedenken vor allem auf Finanzinstitute, Einrichtungen des Gesundheitswesens und den Einzelhandel. Die Befragung ergab, dass im Vereinigten Königreich lediglich 6 % und in Deutschland nur 9 % der Verbraucher Einzelhändlern vertrauen. Dieses Misstrauen ist möglicherweise nicht ganz unberechtigt. Laut einem Bericht von Thales zu IT-Sicherheitsbedrohungen 2017 [2] wurden im vergangenen Jahr zwei von fünf Einzelhandelsunternehmen weltweit Opfer eines Datensicherheitsvorfalls während ein Drittel sogar mehr als einen Vorfall verzeichnete. Zudem sind stolze 70 % der britischen und 80 % der deutschen Verbraucher überzeugt, dass erbeutete Daten von Cyberkriminellen online zum Verkauf angeboten werden. Positiv im Hinblick auf die DSGVO: Drei Viertel der britischen (76 %) und vier Fünftel der deutschen Verbraucher (83 %) sind der Meinung, dass die zunehmende Regulierung den Datenschutz verbessern wird.

Mehr Kontrolle für Verbraucher

Die viel diskutierte Verordnung ist nicht nur bei Experten, sondern auch bei den europäischen Verbrauchern relativ bekannt: 37 % der britischen und sogar 62 % der deutschen Verbraucher hatten nach eigenen Angaben bereits von ihr gehört und können sie bis zu einem gewissen Grad erklären (57 % im Vereinigten Königreich, 66 % in Deutschland). Drei von fünf Verbrauchern im Vereinigten Königreich (58 %) und zwei Drittel der Verbraucher in Deutschland (68 %) ziehen sogar rechtliche Schritte gegen ein Unternehmen in Betracht, wenn es im Umgang mit personenbezogenen Daten gegen die DSGVO verstößt.

Geschäftliche Auswirkungen der DSGVO

Aus der Studie ergab sich noch eine Reihe weiterer Konsequenzen, die Unternehmen neben Rechtsstreitigkeiten und Geldbußen infolge der DSGVO unter Umständen zu befürchten haben:

  • Die Umsetzung von Maßnahmen zur Einhaltung der DSGVO macht den Geschäftsalltag komplexer und bürokratischer. Das denken 63 % der Befragten im Vereinigten Königreich, 49 % in Deutschland.
  • Beinahe die Hälfte der Befragten (49 % im Vereinigten Königreich, 47 % in Deutschland) befürchtet, dass die DSGVO Innovationen zu einem gewissen Grad behindern wird.
  • 21 % der Befragten im Vereinigten Königreich und 15 % in Deutschland erwarten negative Auswirkungen auf die Beziehung mit internationalen Partnern.

Trotzdem ist immerhin ein Drittel der europäischen Unternehmen (37 % im Vereinigten Königreich, 38 % in Deutschland) zuversichtlich, dass sich die DSGVO überhaupt nicht auf den Geschäftsbetrieb auswirken wird.

Kai Zobel, Regional Director DACH, Thales eSecurity:

»Als Folge der jüngsten und weiter anhaltenden Datenschutzvorfälle, bleibt die Sicherheit ihrer privaten Daten eine der Hauptsorgen der Verbraucher. Die Frist für die Umsetzung der DSGVO rückt näher und Kanzleien und andere Organisationen intensivieren ihren Kampf für die Rechte der Verbraucher. Daher dürften verschiedenste rechtliche Probleme auf die Unternehmen zukommen. Die DSGVO ist eine gesetzliche Neuerung, mit der Unternehmen eindeutig in die Pflicht genommen werden, ihre Angelegenheiten dahingehend zu regeln. Und die Zeit läuft.«

 

[1] Für die von Thales eSecurity in Auftrag gegebene Studie wurden 2.000 Verbraucher in Deutschland und im Vereinigten Königreich (jeweils 1.000 pro Land) und 1.500 Führungskräfte aus dem oberen Management in Deutschland, den USA und dem Vereinigten Königreich (jeweils 500 pro Land) befragt. Die Studie wurde im August 2017 von dem internationalen Marktforschungsunternehmen Censuswide online durchgeführt.
Um Unternehmen bei der Vorbereitung auf die DSGVO zu unterstützen hat Thales eSecurity eine Reihe von hilfreichen Unterlagen hier zusammengestellt. https://gdpr.thalesesecurity.com/
Der komplette Thales eSecurity Report – »Schutz personenbezogener Daten -Warum die DSGVO nicht nur Geldbußen mit sich bringt« steht nach Registrierung zum Herunterladen zur Verfügung. http://go.thalesesecurity.com/DE-GDPR-Survey-Protecting-private-personal-data-Why-there-is-more-to-the-GDPR-than-just-fines.html
[2] https://dtr-retail.thalesesecurity.com/

 


 

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