»Mauer im Kopf«: Ost-West-Unterschiede bei jungen Deutschen

Am 3. Oktober wird zum 28. Mal die deutsche Wiedervereinigung gefeiert. Fast dreißig Jahre nach dem Mauerfall diskutiert Deutschland immer noch, ob wir heute wirklich ein Volk sind oder ob es nach wie vor kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen gibt. Ausgehend von dieser Diskussion legt Appinio ein Augenmerk auf die Generation, die im geeinten Deutschland aufgewachsen ist, um grundsätzlich der Frage nachzugehen: »Gibt es in Deutschland eine geeinte junge Generation oder wurde die Mauer in den Köpfen vererbt?«

In der national repräsentativen Umfrage von Appinio mit 4831 Teilnehmern geben Ostdeutsche, die größtenteils in den neuen Ländern aufgewachsen sind und Westdeutsche im Alter von 16 bis 30 Jahren ihre Meinung zu ihrer Lebenssituation, ihrer Zufriedenheit mit der deutschen Demokratie und weiteren gesellschaftlichen Themen ab.

 

Hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Verbundenheit mit Deutschland und der deutschen Bevölkerung:

Positiv zu verzeichnen ist, dass das Verbundenheitsgefühl mit Deutschland sowohl im Osten als auch im Westen Deutschlands gleich stark vertreten ist (64 %) und keine regionalen Unterschiede bestehen. Nur 7 % fühlen sich überhaupt nicht mit Deutschland verbunden.

Zufriedenheit mit der deutschen Demokratie:

Geht es um die deutsche Demokratie, herrscht in der befragten Altersgruppe insgesamt eine hohe Unzufriedenheit. Hierbei sind Westdeutsche noch etwas zufriedener als Ostdeutsche: 51 % der West- und nur 43 % der Ostdeutschen äußern sich positiv zur allgemeinen Lage der Demokratie. Dies hängt vermutlich mit dem verbreiteten Gefühl zusammen, dass die eigenen Interessen von der Politik nicht vertreten werden. Insgesamt haben 77 % der jungen Deutschen überhaupt nicht und eher nicht das Gefühl, dass ihre Interessen in der Politik vertreten sind.

Lebenssituation im Vergleich zu anderen:

Mit dem Gefühl, dass ihre Ideen nicht repräsentiert werden geht auch das Gefühl einher, dass es anderen Deutschen vermutlich besser geht. Im Ost-West-Vergleich sind diejenigen, die im ehemaligen Westdeutschland aufgewachsen sind, noch etwas positiver gestimmt als der Durchschnitt. 34 % von ihnen schätzen ihre Lebenssituation als besser ein, während nur 29 % der jungen Ostdeutschen denken, dass ihre Lebenssituation besser ist als die der anderen Deutschen.

Identifikation als West- oder Ostdeutsche:

Obwohl es keinen Unterschied in der allgemeinen Verbundenheit mit Deutschland gibt, herrschen dennoch Unterschiede in der Identifikation als Ost- und Westdeutsche beziehungsweise »Deutsche«. Diejenigen, die heute in den ostdeutschen Ländern leben, sehen sich mehr als »Ostdeutsche« während sich die jungen Westdeutschen eher als »Deutsche« und weniger als »Westdeutsche« identifizieren. In einigen »neuen Ländern« identifizieren sich noch heute bis zu 50 % der jungen Einwohner eher als »Ostdeutsche« und weniger als »Deutsche«.

»Mauer im Kopf« – kulturelle Unterschiede:

Abschließend zeigt sich, dass die »Mauer im Kopf« zumindest teilweise an die junge Generation »vererbt« wurde: Während 69 % der 16- bis 30-Jährigen Ostdeutschen finden, dass es nach wie vor kulturelle Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen gibt teilen diese Meinung nur 56 % der jungen Westdeutschen.

 

 


 

Tag der deutschen Einheit: Alter Osten

Seit 28 Jahren sind Ost- und Westdeutschland nicht mehr getrennt – damit ist Deutschland am 31. Dezember länger vereint, als es durch Mauer und Stacheldraht getrennt war. Doch die neuen Bundesländer sind nach wie vor wirtschaftlich schwächer als die alten und sie haben ein Problem mit Überalterung, wie die Grafik zeigt. Demnach liegt das Durchschnittsalter laut Statistischem Bundesamt bundesweit bei 44,3 Jahren. Am höchsten ist es dabei mit 47,5 Jahren in Sachsen-Anhalt, gefolgt von Sachsen mit 46,7 Jahren. Die jüngsten Bundesbürger leben in den Stadtstaaten Hamburg (42,1 Jahre) und Berlin (42,6 Jahre). Die Baden-Württemberger sind durchschnittlich 43,3 Jahre alt. Hedda Nier

https://de.statista.com/infografik/15636/durchschnittsalter-in-den-bundeslaendern/

https://de.statista.com/infografik/15636/durchschnittsalter-in-den-bundeslaendern/

 


 

Bevölkerungsentwicklung: Der Osten schrumpft

Der Bevölkerunsgrückgang ist in Deutschland erstmal vertagt. Bis 2035 wird die Einwohnerzahl laut einer Prognose des IW Köln auf 83,1 Millionen steigen. Verantwortlich für diese Entwicklung ist die Rekordzuwanderung im Jahr 2015. Allerdings wächst die Bevölkerung nicht überall. Ballungsräume wie Berlin und Hamburg werden in den kommenden Jahren spürbar Einwohner hinzugewinnen. Allerdings wird die Bevölkerung in sieben der 16 Bundesländer schrumpfen. Besonders betroffen ist der Osten der Republik. An den Herausforderungen des demographischen Wandels ändert der Aufwärtstrend übrigens wenig. Das Verhältnis von Bevölkerung im Erwerbsalter und Bevölkerung außerhalb des Erwerbsalters geht trotzdem überall weiter zurück. »Die deutsche Gesellschaft steht somit trotz eines Bevölkerungsanstiegs auf nationaler Ebene durch die Alterung vor großen ökonomischen und gesellschaftlichen Herausforderungen« konstatiert das IW Köln. Mathias Brandt

https://de.statista.com/infografik/11338/bevoelkerungsentwicklung-in-deutschland-bis-2035/

 


 

Im Osten wird mehr gearbeitet, aber weniger verdient

In Ostdeutschland verdienen Arbeitnehmer deutlich weniger als im Westen des Landes – dafür arbeiten sie aber mehr. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes und der Statistikämter der Länder hervor, die die Linke-Bundestagsfraktion ausgewertet hat. Demnach leistet ein Arbeitnehmer in Thüringen mit 1.371 Stunden die meiste Arbeit, verdient aber nur durchschnittlich 28.728 Euro brutto pro Jahr. Arbeitnehmer in Rheinland-Pfalz arbeiten 1.255 Stunden pro Jahr und verdienen 31.998 Euro. Spitzenverdiener sind mit fast 41.000 Euro die Hamburger. Mit 1.334 Stunden liegen sie bei der Arbeitszeit im oberen Mittelfeld, wie die Grafik von Statista zeigt. Hedda Nier

https://de.statista.com/infografik/15162/arbeitsvolumen-und-bruttoloehne-in-deutschland/

https://de.statista.com/infografik/15162/arbeitsvolumen-und-bruttoloehne-in-deutschland/

 

 


Zuwanderung, Renten und Armut bleiben die Hauptsorgen der Deutschen

Ängste-Studie 2018: Politische Probleme dominieren die Ängste der Deutschen

Die Ängste der Deutschen 2018

Bewegung: Träges Deutschland

Gesundheit: Deutschland geht die Puste aus

Mindestlohn lässt Stundenlöhne in Deutschland steigen, aber Monatsverdienste nicht im selben Maße

KI kostet keine Jobs und schafft über 11 Prozent Wachstum in der Industrie

Weitere Artikel zu