Nachhaltigkeit ist Top-Thema der Automobilindustrie

  • Leichtbau, CO2-Reduzierung und gesteigerte Nachhaltigkeit beeinflussen verstärkt das Produkt Auto.
  • Neue Antriebsarten und Fahrassistenzsysteme sind weitere Investitionsschwerpunkte.
  • IT-Sicherheitsaspekte sind zentrales Element im Connected Car.

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Für die deutsche Automobilindustrie stehen in den kommenden zwei Jahren neben der Digitalisierung ganz klar drei Themen im Fokus: Leichtbau, CO2-Reduzierung und die Steigerung der Nachhaltigkeit. Mehr als zwei Drittel der im Rahmen des aktuellen Lünendonk-Automotive-Radars 2016 befragten Automotive Manager sind der Meinung, dass diese Themen derzeit einen großen oder sehr großen Einfluss auf die Entwicklung des Autos haben. Damit tragen die Unternehmen zwei wesentlichen Tendenzen Rechnung. Zum einen steigen die Neuzulassungen in den für Hersteller und Zulieferer bedeutendsten Märkten China, USA und Europa deutlich an – und damit auch die Emissionen. Allein in China wurden 2015 mehr als 20 Millionen PKW zugelassen (+ 9,1 % gegenüber dem Vorjahr). Dies wird künftig dazu führen, dass sich die Anforderungen an die Unternehmen im Hinblick auf die Reduzierung der CO2-Werte hier weiter erhöhen werden. Zum anderen verlangt die kontinuierliche Anpassung der Grenzwerte und Messmethoden auch in Europa von den Herstellern ein konsequentes Handeln, um die Emissionsvorgaben noch erfüllen zu können.

Hersteller stehen bei Emissionsreduzierung unter Handlungsdruck

»Die Autohersteller sind im Zugzwang. So haben sich in den letzten knapp zweieinhalb Jahrzehnten die gesamten CO2-Emissionen in Deutschland um rund 28 Prozent verringert, die des Verkehrssektors aber nur um rund zwei Prozent«, kommentiert Jonas Lünendonk, geschäftsführender Gesellschafter des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Lünendonk und Autor der Studie, die mit Unterstützung der Beratungsunternehmen Berylls, ESG, Sulzer und TMG entstanden ist. »Hinzu kommt, dass die Themen Regulatorik und Nachhaltigkeit seit dem Weltklimagipfel im vergangenen Jahr verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind und auch die VW-Affäre und damit die Kritik an den momentanen Messverfahren und deren Aussagekraft die Menschen beschäftigt.«

Die geplante Einführung des neuen Prüfzyklus WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Cycle) bis spätestens 2020 wird aber die Emissionswerte noch ansteigen lassen – teilweise um bis zu 25 Prozent. »Die Hersteller stehen daher unter Handlungsdruck, die Emissionen deutlich zu senken«, so Lünendonk weiter.

Markt für Karosserieleichtbau wird sich verfünffachen

Mit 69 Prozent großer bis sehr großer Zustimmung sehen die Studienteilnehmer mit einer Perspektive bis 2018 hier als erstes im Leichtbau einen Trend, der zur Erreichung der ambitionierten Ziele beitragen kann. Bis 2025 soll sich der Markt für Karosserieleichtbau auf rund 100 Milliarden Euro nahezu verfünffachen. »Durch die Reduzierung des Gewichts lässt sich die Reichweite und damit die Energieeffizienz je gefahrenem Kilometer erhöhen. Dies ist umso wichtiger, da zukünftig das Gewicht von Autos mit Elektroantrieben wieder deutlich steigen wird«, erläutert Jonas Lünendonk. »Das Thema Leichtbau steht damit in direktem Zusammenhang mit der CO2-Reduzierung beziehungsweise Nachhaltigkeit.«

Investitionen in Fahrerassistenzsysteme haben hohe Priorität

Neben der Reduzierung der Emissionen und der Steigerung der Nachhaltigkeit haben die Autohersteller zahlreiche weitere Themen auf der Investitionsagenda. Dazu gehören neue Antriebsarten wie batteriegetriebene Antriebe und Brennstoffzellen sowie auch Innovationen, die den Fahrer mehr als bisher unterstützen und bestimmte Teilaufgaben ganz übernehmen. Weit über 50 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Entwicklungen im Bereich »Fahrerassistenzsysteme/Autonomes Fahren«, aber auch die Interaktion zwischen Fahrer und Auto großen oder sehr großen Einfluss auf das Auto haben. Entsprechend hohe Bedeutung haben innovative Bedienkonzepte zur Verbesserung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

Von hoher Relevanz ist für die OEMs zudem das Thema »Connected Car«. Mehr als zwei Drittel der Befragten sehen hier einen großen Einflussfaktor – sind in Deutschland doch zwischen 30 und 50 Prozent und in China sogar 70 bis 90 Prozent der potenziellen Kunden bereit, für entsprechende Dienste einen Aufpreis zu zahlen, wie 2015 das Beratungsunternehmen Berylls ermittelte.

Automobilsoftware und Vernetzung fordern Hersteller bei IT-Sicherheit und Cyber Security

Das Mehr an IT und Konnektivität im Auto stellt für die Automobilhersteller aber eine große Herausforderung in puncto IT-Sicherheit und Cyber Security dar. Je mehr Schnittstellen die Systeme haben und je vernetzter die Fahrzeuge mit der Außenwelt sind, desto mehr Angriffspunkte gibt es für Kriminelle. Aber auch die Vielzahl der einzubeziehenden Lieferanten in den Softwareentwicklungsprozess stellt große Anforderungen an die Automotive Manager. Für Beratungsunternehmen mit Know-how im Entwicklungsprozess bieten sich hier gute Chancen.

Mit knapp unter 50 Prozent ist auch der Einsatz von Big Data Analytics nach Meinung der Studienteilnehmer ein bedeutender Trend, um einerseits durch Nutzung der entstehenden Daten das Kundenverhalten besser zu verstehen und andererseits Mehrwertdienste, wie etwa die genaue Prognose von Verkehrsflüssen, anzubieten.

[1] Mit welchen neuen Themen und Aufgabenstellungen sich die Automobilhersteller beschäftigen müssen, zeigt der »Lünendonk-Automotive-Radar 2016 – Trends und Entwicklungen in der Automotive-Industrie«. Neben den Studienergebnissen aus der Befragung von 120 Automotive- und 25 Beratungsunternehmen enthält die Publikation Fachbeiträge sowie eine Übersicht von mittelständischen und internationalen Dienstleistern in der Automobilindustrie. Die Lünendonk-Studie ist kostenfrei erhältlich

 

Stimmen zum Lünendonk-Automotive-Radar 2016:

»Jeder Automobilhersteller muss sich über seine Perspektive in fünf zentralen Themenfeldern klar werden: Autonomes Fahren, Elektromobilität, Mobilitätsdienstleistungen, Connectivity als zentrales verbindendes Element – und das alles unterstützt durch Big Data.«

Dr. Jan Burgard, Geschäftsführer bei Berylls

»Mit der Einführung von Connected-Car-Diensten rücken Fragestellungen der IT-Sicherheit (Security) ins Zentrum. Gleichermaßen muss die funktionale Sicherheit (Safety) von vernetzten Systemen neu hinterfragt werden, denn es gibt keine Safety ohne Security.«

Dr. Hieronymus Fischer, Leiter Innovations- und Technologiemanagement, Division Automotive, bei ESG

»Die Zusammenarbeit mit spezialisierten Beratungs- und Dienstleistungsunter–nehmen ist ein wichtiges Element der agilen Projektumsetzung, um die für den anstehenden Wandel benötigten Kompetenzen und Ressourcen schneller und flexibler zu erhalten.«

Thomas Kahabka, Geschäftsführer bei Sulzer

»Die weltweit verschärften Vorgaben zur Reduzierung der CO₂-Emissionen bedeuten für die Automobilkonzerne und ihre Zulieferer, das Fahrzeug und seine Prozesse weitgehend neu erfinden zu müssen. Für uns steht daher fest: Das Thema CO₂-Reduktion bleibt auf Jahre die Kernherausforderung für die Automobilindustrie. Kein Unternehmen wird sich diesem Megatrend entziehen können.«

Darya Nassehi, Geschäftsführer TMG Consultants

Dr. Bernhard Wiedemann, Director TMG Consultants


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