New Work, Coworking, Teamcoaching, BGM & Co.: Das sind die Personaltrends der Arbeit 4.0

Neue Formen der Arbeit organisieren die Funktionsweise von Unternehmen neu. Arbeitnehmer verstehen »Arbeit« heute anders als vor ein, zwei Generationen. Das bedeutet neue Anforderungen an die Arbeitsorganisation, an Recruiting-Prozesse und an Führung. Der KVD stellt unterschiedliche Lösungen und Ansätze mit Blick auf Arbeit 4.0 vor – ein weites Feld mit vielen spannenden Ideen.

 

Neue Arbeit und New Work

Tobias Kremkau ist Coworking Manger des St. Oberholz in Berlin und empfiehlt eine grundsätzliche Unterscheidung von Neue Arbeit und New Work. »Bei Neue Arbeit steht das innere Bedürfnis des Menschen, etwas aus seiner individuellen Sicht Sinnvolles zu tun, im Vordergrund«, sagt er. Der diesen Begriff entwickelte Sozialphilosoph Frithjof Bergmann meint damit nicht Arbeitsweisen, Organisationsmodelle oder irgendwelche Anreize, die Unternehmen ihren Arbeitnehmer anbieten. Einzig und allein die Frage, was jemand machen möchte, wofür er ein inneres Feuer hat, sei demnach relevant. »New Work hingegen ist der Oberbegriff für alle Veränderungen innerhalb der Wirtschaft. Das New ist hier quasi eine Situationsbeschreibung, die geprägt ist von neuen Technologien, der Digitalisierung, Entwicklungen wie Automatisierung und Künstliche Intelligenz.« In der Wirtschaft geht es aber nicht primär um Arbeit, fasst Lars Vollmer pointiert den Denkfehler vieler New-Work-Gurus zusammen, sondern um auf den Kunden ausgerichtete Prozesse.

Collaboration Tools

Für den Erfolg von Projekten und Unternehmen ist es heute mehr denn je relevant, dass fachübergreifend zusammengearbeitet wird. Nur wenn die Kompetenzen aller relevanten Akteure zusammengeführt werden können, ist ein erfolgreiches Arbeiten möglich: Tandemploy aus Berlin hat eine Software-as-a-Service-Lösung für ein Matching von Mitarbeitern entwickelt, »und zwar nach dem Button-up-Prinzip«, wie Inhaberin Jana Tepe betont. Das bedeutet: Tandemploy vernetzt mit der Software Mitarbeiter innerhalb einer Organisation für flexible Arbeits(zeit)-modelle und Kollaborationsformen aller Art – und sorgt so für einen Wissenstransfer, die bei vielen auf der Agenda stehende Öffnung von Silostrukturen, mehr Innovationskraft und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit.

»Früher hat man Kampagnen mit Konsumenten gemacht, heute bindet man dauerhaft und strukturiert das gesamte Ökosystem eines Unternehmens ein«, sagt Jan Fischer von Innosabi. Das Münchner Unternehmen hat eine Software entwickelt, um die Komplexität von Konzernen zu handhaben, gerade auch im internationalen Kontext. Und dazu gehört auch die Einbindung von Kunden und Konsumenten. Aus technischer Sicht heißt das: Wie gehe ich damit um, dass ich verschiedene Sprachen habe? Wie autoübersetze ich die Inhalte, so dass diese vertraulich bleiben und eine gute Qualität bieten? Wie bilde ich Besonderheiten in verschiedenen Ländern ab? »All das sind Innovations- und Ideenprogramme, die einheitlich geführt und gemanaged werden müssen.«

Einen anderen Ansatz wählt Zenjob aus Berlin: Das HR-Tech-Start-up fungiert als Personalvermittlungsplattform zwischen Unternehmen und Studierenden. Beide Seiten sind auf der Suche nach Lösungen, und beide führt Zenjob zusammen. Die »Talents« registrieren sich via App. Bei Personalengpässen fragen Unternehmen über ihr Zenjob-Konto online Personal an. Es gibt ein Bewertungssystem in beide Richtungen, um die Zufriedenheit aller Akteure zu sichern.

Führungsfitness

»Generationenvielfalt und geänderte Arbeitsformen verändern auch Führung ganz entscheidend«, sagt HR-Expertin Heike Andreschak. Leader, Manager oder Coach – zu verstehen, dass und wie visionäre Führung, perfektes Management und unterstützendes Coaching Hand in Hand gehen können, ist der entscheidende Schlüssel zum Führungserfolg. »Dazu kommt: Führung ist durch den Anstieg projektbezogener Arbeit weniger dauerhaft: heute bin ich Führungskraft und morgen Experte in einem anderen Projektteam.«

Teamcoaching

Bei aller Diskussion um neue Ansätze in der Arbeit sollten geerdete Ansätze, die sich immer noch als sehr zeitgemäß erweisen, nicht aus dem Blick verloren werden, sagt Coach Michael Pohl. Teams funktionieren nicht wie Maschinen. Als lebendige soziale Systeme durchlaufen sie vielmehr Entwicklungsphasen wie Geburt, Wachstum, Pubertät und Reife, die denen des einzelnen Menschen nicht unähnlich sind. Jedes Team, jede zielgerichtete Teamarbeit entwickelt sich nach gruppendynamischen Gesetzmäßigkeiten in vier wesentlichen Phasen:

  1. Forming / Orientierung,
  2. Storming / Frustration (Richtungssuche und Auseinandersetzung über Verfahrensfragen),
  3. Norming / Beschlussphase (Aufgreifen von Konsenslinien),
  4. Performing / Produktionsphase.

»Nicht jedes Team kann das Beste sein, aber jedes Team kann das Beste aus seinen Möglichkeiten machen«, sagt der Coaching-Experte.

Lebenslanges Lernen

»Die Arbeitsplätze werden sich wandeln. Lebenslanges Lernen ist nicht nur ein Schlagwort, sondern wird immer stärker eine alltägliche Notwendigkeit«, sagt Ralf Münchow, stellvertretender Leiter der Projektgruppe »Wissenschaftsjahr Arbeitswelten der Zukunft« beim Bundesministerium für Bildung und Forschung. »Dabei ist Einsatz von uns allen gefragt: Es braucht Offenheit und Neugier von uns allen, sich auf die neuen Technologien, auch außerhalb des Arbeitslebens, einzulassen. Darüber hinaus ist es entscheidend, dass Unternehmen und Betriebe branchenübergreifend für ihre Angestellten und Arbeiter Möglichkeiten schaffen, sich stetig weiterzubilden.«

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)

BGM muss nach Einschätzung von KVD-Vorstand Guido Geller schon in einem frühen Stadium einsetzen. »Maßnahmen sollen schließlich nicht nur Beschwerden lindern, sondern sie im Idealfall gar nicht erst entstehen lassen. Mir ist es wichtig, dass gesundheitsfördernde Maßnahmen fest verankert werden – im Bewusstsein von Unternehmen und ihren Führungskräften, aber auch bei den Service-Mitarbeitern selbst. Die eben genannten Aspekte müssen eine Selbstverständlichkeit werden und Teil einer Unternehmens- oder Organisationsstrategie.«

 

Weiterführende Informationen: Die Ausgabe 3/18 des Fachmagazins SERVICETODAY ist mit »Fit in Service« überschrieben und fasst die hier genannten Positionen und Meinungen in einzelnen Fachartikeln zusammen. Das vom KVD herausgegebene Magazin kann in der KVD-Geschäftsstelle unter gs@kvd.de kostenpflichtig bestellt sowie in der SERVICETODAY-App im iTunes Store sowie bei Google Play und Amazon für Android heruntergeladen werden.
Veranstaltung zum Thema: Am 11. September 2018 findet die KVD Spotlight SERVICE-PERSONAL statt. Andreas Schubert von Great Place to Work® und Prof. Dr. Gunther Olesch von PHOENIX CONTACT werden das Thema Mitarbeiterzufriedenheit beleuchten und anschließend im Praxisforum gemeinsam mit den Teilnehmern auf deren aktuelle Fälle projizieren. Infos zur Veranstaltung in Frankfurt gibt es unter www.personal-im-service.de.
Der KVD unterstützt Fach- & Führungskräfte bei der Gestaltung ihres technischen Kundendienstes. Über Netzwerkveranstaltungen, Aus- und Weiterbildungen sowie die Einbindung neuester Forschungsergebnisse erhalten Mitglieder einen entscheidenden Wissens- und Marktvorsprung.

 

Arbeit 4.0: Flexibel, selbstbestimmt und effizient

Big Data – Prämisse für Arbeit 4.0 oder doch eher für Arbeit 2.0?

Arbeitswelt 4.0: In vier Schritten zum Digital Master

Die sieben Skills des Mitarbeiters 4.0

Arbeitsplatz 4.0: One Workspace

Arbeitswelt 4.0: Trends bei Workforce- und Human-Capital-Management

Fünf HR-Trends 2017 – der Mitarbeiter am Arbeitsplatz 4.0

Weitere Artikel zu