Ökologisches Rechenzentrum im Produktivbetrieb – IT mit grünem Fußabdruck

Ökologisches Rechenzentrum

Aktuelle Marktzahlen belegen, dass Deutschland mittlerweile ein erstklassiger Standort für Data Center ist. Fast ein Viertel der westeuropäischen Rechenzentren sind hierzulande angesiedelt. Analysten prognostizieren auch für die kommenden Jahre ein solides Wachstum. Noch konzentrieren sich die meisten deutschen RZ-Anbieter auf die wirtschaftlichen Ballungsräume, denn hier sitzt das Gros der Kunden, stimmt meist auch die notwendige Infrastruktur. Allerdings zeichnet sich bei der Standortwahl für Rechenzentren langsam eine Trendwende ab. Gegen den Strom schwimmt der Cloudhost-Anbieter Windcloud. Das Rechenzentrum der Norddeutschen arbeitet mit regenerativen Energien und bevorzugt deshalb einen küstennahen Standort, der zudem über ein erstklassiges Glasfasernetz verfügt. Energiequelle ist der Windpark Braderup in Schleswig-Holstein, nahe der dänischen Grenze.

Der »Patriot Act« der USA sowie die Ausspähungen durch fremde Geheimdienste haben den RZ-Standort Europa gestärkt, denn die Datenschutz-Bestimmungen der EU schränken die Weitergabe von Daten ein. Aufgrund der noch schärferen deutschen Gesetze favorisieren immer mehr Firmen Rechenzentren, die unter deutschem Recht stehen und von deutschen Anbietern betrieben werden. Rosige Aussichten also, für hier angesiedelte Datacenter. So jedenfalls das Ergebnis einer Untersuchung, für die DataCenter Dynamics (DCDi) 2015 die weltweite Entwicklung von Rechenzentren unter die Lupe nahm. Bis 2020, so schätzen die Analysten, werden die RZ-Flächen in Deutschland weiter zunehmen und sollen mit 3,1 Millionen Quadratmetern gut ein Fünftel mehr betragen, als heute.

Alternative zu modernen Energiefressern. Deutschlands Rechenzentren gelten als modern und arbeiten in der Regel mit neuesten Technologien. Entsprechend hoch ist der Energieverbrauch. Als Alternative gilt das »grüne Rechenzentrum«, das auf stromsparende Ressourcen und die Reduzierung des Stromverbrauchs setzt. Zwar ist »Green IT« kein unmittelbares Hype-Motiv der IT-Industrie mehr, bleibt aber vor dem Hintergrund steigender Energiepreise für die Wirtschaft ein zentrales Thema.

Kostengünstige und nachhaltige Infrastrukturen sind die Säulen für das grüne Rechenzentrum, das Windcloud 2015 im Norden von Schleswig-Holstein aus der Taufe hob. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Windpark Braderup-Tinningstedt entstand in Nordfriesland das »erste echt grüne Rechenzentrum Deutschlands«, wie die Gründer es ausdrücken. Karl Rabe setzte diese Idee gemeinsam mit den beiden Windpionieren Theo Steensen und Jan-Martin Hansen in die Tat um. Seit Dezember 2015 bieten die Nordfriesen Kunden auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern nachhaltige Rechenzentrums-Dienstleistungen an.

»Der Strom für das Rechenzentrum wird ausschließlich aus regenerativer Energie erzeugt, weshalb unsere Kunden ihren CO2-Ausstoß deutlich verringern können«, verspricht CEO Karl Rabe. Neben der Windkraft kommt auch Energie aus einer benachbarten Biogasanlage zum Einsatz. Darüber hinaus steht ein Hybridspeicher mit einer Kapazität von 3,4 MWh zur Verfügung. Durch diese Absicherung fängt das Rechenzentrum Energieschwankungen auf und bleibt auch bei Flaute verlässlich online.

Mittlerweile hat das Rechenzentrum die Feuertaufe bestanden, der Testbetrieb wurde erfolgreich abgeschlossen. Die Rückmeldungen der Beta-Anwender sind durchweg positiv, weshalb jetzt der Produktivbetrieb anläuft. Auch die Initiative Mittelstand ist auf das grüne Rechenzentrum aufmerksam geworden. Auf der CeBIT 2016 wurden die Nordfriesen im Bereich Green-IT zum Sieger des Innovationspreises-IT gekürt.

Flexibles Portfolio für unterschiedliche Zielgruppen. Zielgruppe für das junge Rechenzentrum mit dem grünen Konzept sind zunächst kleinere Firmen und mittelständische Betriebe (KMUs) sowie Start-ups. Auch IT-Systemhäuser, die ihren Kunden individuelle Cloud-Lösungen anbieten wollen, stehen die Tore zum grünen Rechenzentrum offen. Alle Kunden können aus einem breit gefächerten Angebot an Dienstleistungen genau diejenigen buchen, die sie für ihre Geschäftsprozesse benötigen. Dazu gehören Cloud-Services ebenso, wie VM, LXD, Web-Dienste oder Big Data. Abgerechnet wird monatlich nach dem tatsächlichen Verbrauch.

»Das ist gerade für kleinere Betriebe interessant, die auf ihr IT-Budget achten müssen. Sie können bei uns die benötigten Dienstleistungen individuell an ihre tatsächlichen Anforderungen anpassen, ohne Pauschalen zu zahlen«, schildert Rabe die Vorteile des Windcloud-Angebots. Befürchtungen, dass Kunden für Services aus dem grünen Rechenzentrum mehr zahlen müssen, als in einem herkömmlichen Data Center, zerstreut der Pionier: »Ganz im Gegenteil«, so Rabe, »vielmehr profitiert der Kunde von den günstigen Energiepreisen der Eigennutzung. Darüber hinaus entfallen Umweltabgabe, Stromsteuer und Netz-Entgelt.« Auf diese Weise können Unternehmen sogar erheblich Ersparnisse erzielen (siehe Kasten mit Rechenmodell).

Tabelle: Windenergie fürs Rechenzentrum

Modernste Infrastruktur für Alle.
Interessant wird das Angebot von Windcloud für die Zielgruppe nicht zuletzt auch durch die moderne Infrastruktur, die auf den neuesten technischen Standards basiert. Nicht jeder Betrieb hat ein so hohes Investitionsbudget, um bei der eigenen Ausstattung jederzeit auf dem neuesten Stand der Entwicklung zu sein. Für diese Klientel rechnet sich gerade darum die Zusammenarbeit mit einem Data Center. Die globale Anbindung basiert auf einem hochverfügbaren Glasfasernetz, das für einen schnellen Datendurchsatz ohne Leistungsabfälle garantiert. Der Ausbau des grünen Rechenzentrums läuft planmäßig. In der ersten Ausbaustufe ist eine Leistung von 100 kW verfügbar. In der zweiten Ausbaustufe soll diese Kapazität dann auf 1 MW steigen. Dafür wird zusätzlich ein neues Rechenzentrum gebaut, für das im September 2016 der Grundstein gelegt wird.

Vertrauen und Sicherheit sind die Basis. Vertrauen und Sicherheit sind zentrale Kriterien für den Erfolg von Rechenzentren. »Software-Verschlüsselung auf allen Ebenen sowie die Deduplizierung auf Basis des Fraunhofer SIT Standards Omnicloud sowie die gesicherte Kommunikation über VPN und HTTPS sind bei uns Standard«, erklärt Karl Rabe. Jedes Rack des Rechenzentrums ist noch einmal gesichert, um die Daten der Anwender zusätzlich zu schützen. »Darüber hinaus halten wir natürlich alle erforderlichen RZ-Standards ein.« So ist das eingezäunte Gelände, auf dem das Windcloud-Rechenzentrum angesiedelt ist, Video-überwacht und der Zutritt ist nur über ein mehrstufiges Zugangssystem möglich.

Sorgen, dass das System »grünes Rechenzentrum« bei rascher Zunahme der Kundenzahlen verwässern könnte, macht man sich bei Windcloud nicht. »Da unser Rechenzentrum seine regenerative Energie aus dem eigenen Windpark bezieht, ist eine »grüne« Versorgung dauerhaft gewährleistet«, bringt es Karl Rabe auf den Punkt. »Dies ist ja auch einer der elementaren Punkte des Geschäftsmodells. Und können wir im aktuellen Windpark eines Tages keine weitere Serverleistung installieren, stehen bereits drei weitere Windparks in den Startlöchern, die daran interessiert sind, ihren Strom gemeinsam mit uns lokal zu veredeln.« Auf diese Weise sei der Betrieb des grünen Rechenzentrums langfristig gesichert.

Sparkonzept für energiehungrige Branche. Windcloud sieht sich nicht zuletzt als Vorreiter in einem energiehungrigen Markt. »Schon heute werden drei Prozent des weltweiten Energieverbrauchs von Rechenzentren genutzt und der Bedarf nimmt weiter zu«, so Karl Rabe. »Um den CO2-Ausstoß zu verringern, Kosten zu sparen und Alternativen zu traditionellen Stromquellen zu nutzen, sind regenerative Energien die beste Option.« Rechenzentren sind auch eine Chance für strukturschwache Gegenden. Data Center müssen nach Einschätzung von Rabe nicht unbedingt in Ballungsräumen angesiedelt werden, wo die Raum- und Betriebskosten kontinuierlich steigen und letztendlich auf die RZ-Kunden umgelegt werden. »Rechenzentren, die regenerative Energiequellen nutzen, bieten gerade strukturschwachen Regionen eine Chance. Sie bringen gut bezahlte, qualifizierte Jobs in diese Gebiete und füllen die Steuerkassen von Ländern und Gemeinden«, argumentiert der Firmengründer. »Die Kunden von grünen Rechenzentren, die sich an unserem Geschäftsmodell orientieren, profitieren von günstigen Energie- und Betriebskosten, verbessern ihre CO2-Bilanz und profitieren von sicheren, zukunftsorientierten IT-Strukturen.« Eine Win-Win-Situation für Alle.


www.windcloud.org
http://ap-verlag.de/globaler-cloud-service-aus-lokaler-windenergie/21885/
Titelbild: Windcloud

 

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