Offene Infrastrukturen: Das Mittel gegen Hegemonie in der Public Cloud wird universell

Das Thema Cloud Computing, beherrscht seit einigen Jahren die IT, hat aber eigentlich viel ältere technische Grundlagen. Vor 20 Jahren, wurde VMware gegründet und diese Firma hat maßgeblich die Virtualisierung von Standardrechnern mit X86-Architektur populär gemacht. Virtualisierung macht es möglich, die IT-Ressourcen von der CPU bis zu den Netzwerken flexibler zu nutzen. Das wiederum lastet die Kapazitäten besser aus, was zu geringeren Kosten führt und gleichzeitig die Arbeit der Systemadministratoren erleichtert.

 

Bald darauf folgte der Schritt von der Virtualisierung zum Cloud Computing. Amazon wurde in den frühen 2000er Jahren mit einem enormen Engpass bei der Erhöhung seiner IT-Kapazität auf die explodierende Nachfrage konfrontiert. Folglich begann das Unternehmen zu untersuchen, wie seine Anwendungen am besten abstrahiert und von seiner Computerinfrastruktur entkoppelt werden könnten. Dieses abstrahierte Infrastrukturmodell erlaubte es auch, virtualisierte Ressourcen an externe Nutzer zu »vermieten«.

 

Der als Amazon Web Services (AWS) bekannte Service war schnell erfolgreich, da er es den Nutzern ermöglicht, Rechenkapazität nach Bedarf zu mieten, ohne für diese Investitionen tätigen zu müssen. Darüber hinaus können Entwickler direkt auf die benötigten Kapazitäten und Funktionen zugreifen, ohne monatelang auf den Aufbau der notwendigen Infrastruktur warten zu müssen. Die Cloud-fähige IT kann viel schneller auf neue geschäftliche Anforderungen ihrer Unternehmen reagieren.

 

Andere Firmen haben alsbald nachgezogen und heute sind AWS, Microsoft Azure und die Google Cloud Platform dominierend. Die drei teilen sich rund die Hälfte des weltweiten Public-Cloud-Marktes. Es ist ein Geschäft mit traumhaften Margen: Nach neuesten Geschäftszahlen trägt AWS nur zehn Prozent zum Umsatz von Amazon bei, erbringt aber mehr als 70 Prozent des Nettogewinns. Diese Gewinne fließen in Akquisitionen, eine aggressive Preispolitik und in die Expansion in neue Märkte.

 

Große US-Firmen, vor allem im Einzelhandel oder in der Unterhaltungsbranche, sind zunehmend besorgt, dass sie ihre eigene Übernahme langfristig durch den Einsatz von AWS finanzieren. Unternehmen wie Walmart, Best Buy, Ebay, Paypal, AT&T oder Comcast haben sich deshalb dafür entschieden, ihre eigene IT in eine private Cloud-Infrastruktur umzuwandeln, so dass ihre Unternehmen die Geschwindigkeit und Flexibilität des Cloud-Modells nutzen können, ohne einen Großteil ihres Umsatzes an einen Wettbewerber abzugeben.

 

In Europa wollen Hosting-Anbieter wie der französische OVH, CityNetworks in Schweden und die Deutsche Telekom der Hegemonie der »großen drei« Public-Cloud-Anbieter mit alternativen Public-Cloud-Angeboten begegnen. Regulatorische oder datenschutzrechtliche Bedenken haben auch Organisationen auf der ganzen Welt dazu veranlasst, die in den USA ansässigen Public Clouds zu vermeiden. Solche Bedenken haben beispielsweise China Railways, China UnionPay, den Internetprovider Tencent und das Telekommunikationsunternehmen China Mobile dazu bewogen, in China mit gutem Beispiel voranzugehen und eine eigene Cloud-Infrastruktur aufzubauen. Es gibt hunderte weitere Beispiele aus vielen Ländern rund um den Globus.

 

Allen diesen Beispielen gemein ist, dass sie auf eine offene Infrastruktur setzen – ein Zusammenspiel von Open-Source-Software – die interoperabel ist und sich flexibel und schnell an neue Anforderungen anpassen lässt. Die Grundlage für diese offene Infrastruktur ist OpenStack: eine Reihe von Cloud-Infrastrukturkomponenten, die in den letzten acht Jahren von einer der größten Open-Source-Communities entwickelt wurden. OpenStack eignet sich sowohl für private als auch für öffentliche Clouds.

 

Open Source ist ein entscheidender Faktor für OpenStack und eine offene Infrastruktur. Die Anwender sind nicht mehr an einen Lieferanten gebunden und können ihn ohne großen Aufwand wechseln. Sie selbst oder ihr IT-Dienstleister können »unter die Haube schauen«, verstehen, wie es funktioniert und die Sicherheit des Systems verifizieren. Sie können nach Belieben Änderungen vornehmen und diese Änderungen wieder einbringen, um selbst zur Verbesserung der Software beizutragen. Offene Umgebungen sind flexibel, sie sind nicht nur modular erweiterbar, sondern durch die Verwendung herstellerunabhängiger Schnittstellen interoperabel. Offene Infrastrukturen lassen sich leichter integrieren. Auf dieser Basis können Partner ihre Ressourcen bündeln oder die Verarbeitung der Daten in gleichermaßen offene Clouds verlegen.

 

Doch Cloud ist erst der Anfang einer offenen Infrastruktur. Neue Anwendungen treiben neue komplexe Anforderungen an, die sich am besten kooperativ bewältigen lassen. Künstliche Intelligenz und Augmented Reality sind zwei Beispiele dafür, dass künftige Leistungsanforderungen die Grenzen einer gekapselten IT sprengen. Vor allem die geringere Netzwerklatenz führt dazu, dass der Rechenbedarf näher an den Ort rückt, an dem die Daten verbraucht werden. Computerressourcen überall zu verteilen, um die Anforderungen von Edge Computing zu erfüllen, erfordert eine offene, flexible und interoperable Infrastruktur, für die Open-Source-Software am besten geeignet ist.

 

Rückblickend beschleunigt sich das Tempo der Anpassung sowie das Tempo, mit dem neue Technologien entwickelt werden, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Open-Source-Entwicklungsmodelle waren der Schlüssel, um neue Ideen zu entwickeln und schnell auf veränderte Bedürfnisse zu reagieren. In fast allen Situationen war es entscheidend, dass Technologien komplementär zusammenarbeiten können – und das wird auch in Zukunft so bleiben.

Thierry Carrez

Als VP of Engineering bei der OpenStack Foundation konzentriert sich Thierry Carrez auf die Aufrechterhaltung der Upstream-Effizienz und Verbesserung des OpenStack-Projekts. Seit der Gründung von OpenStack kümmert er sich um das Release-Management und stellt die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gruppen in der Community sicher. Er ist außerdem gewähltes Mitglied des OpenStack Technical Committee und Fellow der Python Software Foundation.

 


 

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