Reality Check: Internet of Payments – Die Zukunft des Bezahlens?

 

An den Begriff Internet der Dinge, beziehungsweise Internet of Things (IoT), haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Immer mehr vernetzte Geräte begegnen uns im Alltag. Heute gibt es fast alles mit Internetzugang, von der Smartwatch, über Küchengeräte, bis hin zum Auto. Die intelligenten Geräte können im Prinzip alle möglichen Dinge selbstständig erledigen. Doch es gibt ein Problem: zum selbstständigen Handeln gehört es auch Geld auszugeben. Das IoT kann sein volles Potenzial nur entfalten, wenn man seinen Geräten erlaubt, untereinander zu handeln – natürlich nur so lange die Nutzer damit einverstanden sind. Beispielsweise könnte ein vernetztes Auto bei der Einfahrt in ein Parkhaus mit dem ebenfalls vernetzten Parkautomaten kommunizieren. Dieser würde die Einfahrtszeit speichern und beim Verlassen des Parkhauses dem Fahrzeug eine Rechnung ausstellen. Je nach Vorgabe des Nutzers kann dieser Betrag dann manuell oder automatisch überwiesen werden, oder aber das Auto muss erst ab einer bestimmten Summe nachfragen. Ein solches Bezahlsystem lässt sich im Prinzip auf alle vernetzten Geräte ausdehnen – nichts anderes beschreibt das Internet of Payments. Was noch hinter diesem Begriff steckt, zeigt Urs Gubser Head E-Commerce Strategy bei SIX Payment Services, im neuesten Reality Check.

Check 1: Gibt es schon ein Internet of Payments?

Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, denn Elemente davon existieren auf jeden Fall schon seit geraumer Zeit, nicht zuletzt in den Bereichen des IoT, in denen SIX sich aktiv einbringt. Eine flächendeckende Implementierung von Bezahlfunktionen in der Mehrzahl der vernetzten Geräte ist aber noch nicht gegeben.

Vor circa zwei Jahren führte Amazon die sogenannten Dash Buttons ein, damit lassen sich per Knopfdruck vorher definierte Artikel einer Marke bestellen. Durch das Aufkleben dieses Knopfes kann im Prinzip jedes Gerät zu einem Teil des Internet of Payment werden. Anfang März 2018 entscheid allerdings das Landgericht München, dass die Buttons (zumindest in ihrer jetzigen Form) gegen geltendes deutsches Recht verstoßen. Zur Begründung des Urteils hieß es, die Kunden würden vor der Transaktion nicht über den Kaufpreis des Produkts informiert, da die Dash Buttons über kein Display verfügen. Außerdem wüssten Kunden eventuell beim Betätigen des Knopfs gar nicht mehr genau, welche Produktvariante sie einmal damit verknüpft haben. Amazon will das Urteil nicht akzeptieren und in die nächste Instanz gehen. Der Rechtsstreit offenbart, dass es noch einige Grundsatzfragen zu klären gibt, bevor ein Internet of Payments zum selbstverständlichen Teil unseres Alltags werden kann.

Check 2: Wie sehen die Konzepte für die Zukunft aus?

Die Dash Buttons sind zwar eine einfache Lösung, aber keine optimale. Anstatt durch eine nachträgliche Aufrüstung, sollten Bezahlfunktionen von der frühesten Planung an bedacht werden. Es muss vor allem sichergestellt werden, dass der Nutzer stets die Kontrolle behält, über Einkäufe, die Maschinen in seinem Namen tätigen. Wirksame Verschlüsselung und Information der Kunden während dem Bestellvorgang sind dabei wesentliche Elemente. Durch integrierte Authentifizierungsmaßnahmen, hier ist von einer einfachen PIN bis zu Biometrie vieles möglich, beugen Missbrauch vor und stärken das Vertrauen der Kunden in die Technologie. Unternehmen sollten aber auch die Grenzen der neuen Möglichkeiten erkennen, es macht wenig Sinn Bezahlfunktionen wahllos in jedes Gerät zu integrieren. Durchdacht eingesetzt können sie für Unternehmen aber zusätzlichen Umsatz generieren und gleichzeitig das Leben der Kunden vereinfachen.

Check 3: Welchen Einfluss hat das Internet of Payments auf die Entwicklung von Märkten?

Fest steht: Das Internet der Dinge und die immer weiter fortschreitende Vernetzung der Welt wird ein Megatrend der nächsten Jahre bleiben. Die Technik-Analysten von Gartner gehen davon aus, dass es 2020 etwa 20 Milliarden vernetzte Geräte geben wird. Jedes davon ist theoretisch ein zusätzlicher Touchpoint in einer Customer Journey. Auch wenn es wie gesagt nicht sinnvoll ist, in jedes einzelne vernetzte Gerät eine Bezahlfunktion zu integrieren, bleibt immer noch eine riesige Anzahl übrig, bei der dieser Schritt große Gewinne verspricht. Während heute sehr oft der Preis das entscheidende Kaufkriterium ist, wird sich der Kunde in Zukunft vermehrt für das Produkt entscheiden, für das er sich gar nicht selbst entscheiden muss, weil das eben automatisch geschieht. Anders formuliert, Bequemlichkeit siegt über Sparsamkeit. In einem solchen Szenario werden Marktanteile weniger über den Preis, als über Exklusivpartnerschaften erobert. Anbieter, die sich nicht auf die neue Situation einstellen, könnten empfindliche Einbußen erleiden.

Der Erfolg des Internet of Payments (und der Unternehmen dahinter) steht und fällt damit, welche Vereinfachungen es dem Kunden bieten kann. Muss dieser x-stellige PIN-Nummern eingeben, um jede einzelne Transaktion zu autorisieren, ist keine Erleichterung für den Kunden gegeben. Eine wichtige Rolle spielt auch der Datenschutz. Für Händler sind besonders Pull-Payments, wie das klassische Lastschriftverfahren, interessant, die sich sehr leicht automatisieren lassen. Doch werden die Kunden immer vorsichtiger bei der Herausgabe ihrer persönlichen Daten. Daher sollen zukünftig auch Push-Payments, die vom Kunden ausgelöst werden können und bei denen er die volle Kontrolle über seine Daten behält, automatisiert werden. Durch diese Entwicklungen werden Händler in Zukunft mit einer Vielzahl verschiedener Bezahlarten konfrontiert. Umso wichtiger werden Lösungen, die alle diese Zahlungsarten beherrschen und die Verwaltung über eine integrierte Plattform ermöglichen.

Fazit

Die Welt des Bezahlens wird immer vielschichtiger, die eigentliche Transaktion wird oftmals automatisiert und rückt dadurch in den Hintergrund. Das kann sowohl eine Chance, wie auch ein Risiko sein. Dadurch, dass der Bezahlvorgang oft gar keinen Griff mehr in den physisch vorhandenen Geldbeutel erfordert, steigt vielfach die Bereitschaft der Kunden Geld auszugeben. Gelingt es Händlern jedoch nicht, sich auf die neuen Technologien dahinter einzustellen, laufen sie Gefahr, Teile ihrer Kunden an die Innovatoren zu verlieren. Hier kann eine Zusammenarbeit mit einem professionellen Dienstleister von Vorteil sein, der ein breites Erfahrungsspektrum aus verschiedenen Märkten und Branchen hat und fundiert beraten kann.

Urs Gubser, Head E-Commerce Strategy bei SIX Payment Services

 

 

 

 

 


 

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