Rechtzeitig zu den aktuellen Steuerterminen: Phisher bringen sich in Stellung

Wie in vielen anderen europäischen Ländern steigt auch in Deutschland die Zahl der Selbstständigen und Freiberufler weiter an. Laut Angaben der Wirtschaftswoche gab es 2014 in Deutschland so viele Selbstständige wie noch nie zuvor. Das bestätigen auch Berichte der Bundesregierung. Ein Zahlenbeispiel: Im Jahr 2014 gab es laut Angaben des Portals Statista rund 1,27 Millionen Selbstständige in Deutschland. Nicht wenige von ihnen nutzen die Möglichkeit ihre Steuerklärung online zu bearbeiten und die entsprechenden Zahlungen zu leisten.

Rechtzeitig zu den diversen Abgabeterminen kann man genauso zuverlässig mit Spam- und Phishing-Kampagnen rechnen, die sich diese Daten zunutze machen.

Eine beliebte Vorgehensweise: Einige Tage vor Ablauf der betreffenden Abgabefrist versuchen Phisher die Nutzer mit gefälschten E-Mails zu täuschen, beispielsweise mit einer gefälschten Terminerinnerung. Ziel der ganzen Sache ist es den arglosen Steuerzahler zu einer Zahlung zu motivieren. Sind die entsprechenden Deadlines erst einmal verstrichen, wechseln die Angreifer ihre Taktik. Jetzt konzentrieren sich die Kampagneninhalte mehrheitlich auf angeblich nicht geleistete Zahlungen oder es wird vorgegeben, dass es Probleme bei der Zahlungsabwicklung gab und man nun weitere Informationen benötigte.

Auch die umgekehrte Variante kursiert regelmäßig im Internet. Nämlich gefälschte Steuerrückerstattungen. Dazu brauche man dann selbstverständlich die kompletten Bank- und Kontodaten des Betreffenden…

screenshot phishing steuer

Quelle: http://www.steuernsparen.de/steuer-news/in-der-diskussion/1501-achtung-spam

Im Laufe der Jahre haben wir bereits hunderte solcher Steuer-Scam-Kampagnen beobachtet. Die Mehrheit der beim Nutzer eingehenden Nachrichten enthält eine Malware im Anhang oder führt über eine URL zu der Seite, von der die betreffende Malware heruntergeladen wird.

Was aber können Nutzer tun, damit sie einigermaßen unbeschadet durch das Steuerjahr kommen? Wir haben einige Tipps zusammengestellt.

  • Halten Sie Ihren Browser und Ihr Betriebssystem auf dem neuesten Stand. Für beide gilt: es erscheinen mit schöner Regelmäßigkeit Updates und viele von ihnen beseitigen Schwachstellen, die den arglosen Steuerzahler zum Opfer einer Attacke werden lassen können.
  • Online-Kriminelle (in diesem Falle »Phisher«) versuchen über entsprechende E-Mails mit dem Steuerzahler Kontakt aufzunehmen. Das Bundeszentralamt für Steuern hat im letzten Jahr und als Folge der ausufernden Spam- und Phishing-Angriffe einen entsprechenden Hinweis veröffentlicht, dass beispielsweise über Steuerrückerstattungen niemals per E-Mail informiert werde. Das BZST veröffentlicht auf seiner Website regelmäßig aktuelle Warnhinweise, zuletzt in einer Pressemitteilung Ende Mai dieses Jahres. Auch Verbraucherschutzorganisationen, Steuerberatungsportale und Provider machen kontinuierlich auf aktuelle Scams aufmerksam.
  • Klicken Sie tatsächlich nie auf einen Link oder einen Anhang in einer E-Mail, die Sie unaufgefordert zugesendet bekommen haben.
  • Das Bundeszentralamt für Steuer und ähnliche Institutionen werden Sie niemals nach Pin-Nummern oder Kreditkarteninformationen fragen und schon gar nicht per E-Mail.
  • Lassen Sie die Hände weg von unsicheren Transaktionen, bei denen Sie Kontodaten oder Passwörter über öffentliche WiFi-Hotspots verschicken. Dazu gehören Flughäfen, Hotels und Bibliotheken, Restaurants, Cafés und andere, insbesondere zur kostenlosen Nutzung angebotene Hotspots.
  • Wenn Sie sich auf Seiten bewegen, auf denen Sie mit vertraulichen Daten hantieren, achten Sie immer darauf, sich vollständig abzumelden. Für Hacker ist es kein Problem sich in eine solche noch bestehende Session einzuklinken.
  • Trennen Sie Rechner, die beispielsweise Ihre Kinder benutzen, von solchen über die Sie sensible Transkationen abwickeln. Dazu gehören Online-Banking und das Abwickeln von Steuerzahlungen, Rückerstattungen und so weiter.
  • Bleiben Sie grundsätzlich wachsam und verlassen Sie sich auf den gesunden Menschenverstand. Wenn etwas, dass gerade in Ihren Posteingang eingetrudelt ist, einfach zu gut klingt, um wahr zu sein: Löschen Sie die betreffende E-Mail. Ganz besonders, wenn es sich um eine Mail handelt, die Sie nicht initiiert haben.
  • Bevor Sie irgendwelche vertraulichen Daten auf einer Website eingeben, achten Sie immer auf das bekannte Schlosssymbol, dass eine sichere Website schon in der Adresszeile anzeigt.
  • Verwenden Sie dort nur starke, einmalige Passwörter. Diese sollten komplex aus Buchstaben in Groß- und Kleinschreibung, Zahlen und Symbolen zusammengesetzt sein.
  • Beschränken Sie potenzielle Angriffsflächen bei E-Mails und im Web. Es ist wahrscheinlich unser eigenes Verhalten, das wir am gründlichsten unter die Lupe nehmen sollten. Minimieren Sie die Risiken zusätzlich indem Sie unbedingt verlässliche E-Mail- und Web-Filter einsetzen.

Auch hierzulande ermutigen das Bundeszentralamt für Steuern und die Finanzämter ihre Kunden Steuerzahlungen und Steuererklärungen online über die entsprechenden Portale abzuwickeln. Ein Fakt, den Scammer ausnutzen um arglose Steuerzahler zu täuschen. Es ist zwar nicht gerade übermäßig beliebt, Steuern zu zahlen. Aber, dass wir es tun (müssen), ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und gerade deshalb sollte man sich vor den Attacken diverser Online-Krimineller schützen.

Von Fred Touchette, Security Analyst bei AppRiver

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