Sitzt die deutsche Automobilindustrie in Zukunft noch am Steuer?

Die Digitalisierung im Auto verändert die Wettbewerbslandschaft und stellt die deutsche Automobilindustrie vor große Herausforderungen. Wie kann diese ihre Führungsposition weiter behaupten und mit der Digitalisierung Wettbewerbsvorteile erzielen? Ein auf Connected Business spezialisiertes Beratungsunternehmen benennt in seinem White Paper zur Digitalisierung im Auto vier Aktionsfelder zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie.

Nach zögerlichem Beginn ist die Digitalisierungswelle in der Automobilindustrie angekommen. Der Wertschöpfungsanteil der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) steigt sowohl im Fahrzeug selbst als auch durch den zunehmenden Einsatz von mit dem Fahrzeug verbundenen IT-Systemen. Die Wertschöpfung wettbewerbsstarker Hersteller in der Automobilindustrie wird sich deutlich in Richtung Informationstechnologie verschieben.

Aus Sicht von mm1 sind vier Aktionsfelder entscheidend, um die Führungsposition der deutschen Hersteller zu sichern und Deutschland als »Automobilstandort 2.0« zu etablieren.

Aktionsfeld 1: ICT-Herausforderungen

Die Automobilhersteller müssen entscheiden, welche digitalen Kompetenzen in Zukunft bei ihnen selbst vorhanden sein müssen und welche Kompetenzen sie an strategische ICT-Partner abgeben können. Zudem muss sich die Automobilindustrie darauf einstellen, dass ICT-Unternehmen eine ähnliche und langfristige Rolle in ihrer Wertschöpfungsketten einnehmen wie die traditionellen Automobilzulieferer. Die Partnering-Strategien gilt es über den gesamten Produktlebenszyklus anzupassen.

Aktionsfeld 2: Globale und Automotive-konforme Konnektivität

Eine große Herausforderung für das digitalisierte Auto ist die Bereitstellung von globaler Konnektivität. Hier sind globale Roaming-Vereinbarungen ein wichtiger Faktor. Zudem gilt es, die Kosten der Datenkommunikation zwischen Fahrzeug und Backend durch entsprechende globale Verträge in Grenzen zu halten und die Aktivierung und Aufrechterhaltung der E-SIM-basierten Konnektivität im Fahrzeug länderübergreifend möglichst einfach auszugestalten.

Mit zunehmender funktionaler Integration von Backends in graue und bunte Dienste und insbesondere in teil- und vollautomatisierte Assistenzsysteme ergeben sich zudem neue Anforderungen an die Mobilfunkkommunikation. Hier sollten Automobilhersteller auf neue Kommunikationsstandards Einfluss nehmen und die Zusammenarbeit mit den großen Telekommunikationsallianzen suchen.

Aktionsfeld 3: Datenhandling und gesetzliche Rahmenbedingungen

Der Umgang mit Daten, Dateneigentum und den weltweit heterogenen gesetzlichen Anforderungen ist eine der zentralen Herausforderungen für die Digitalisierung der Automobilbranche. Insbesondere die Bedenken der Fahrer zum Thema Datenverwendung können ein Stolperstein für die Kundenakzeptanz sein.

Die derzeitige Unsicherheit in Bezug auf Dateneigentum und -verwendung eröffnet für deutsche Automobilbauer die Chance, durch eine transparente und sichere Vorgehensweise künftig ein Alleinstellungsmerkmal und einen echten Wettbewerbsvorteil zu generieren. Insbesondere bei kommerzialisierbaren Daten im Rahmen datenbasierter Geschäftsmodelle ist Transparenz zu schaffen.

Aktionsfeld 4: Start-up-Landschaft und Automotive-Ecosystem verbessern

Um den Stellenwert Deutschlands als Innovationsland im Automobilsektor zu erhalten, ist auch ein förderliches Innovationsklima rund um digitale Themen zu schaffen. Denn nur so wird es möglich sein, interdisziplinäre Top-IT-Spezialisten für Themen rund um die Mobilität der Zukunft anzulocken. Derzeit sind deutsche Start-ups im Bereich Automotive größtenteils konservativ in den Bereichen Mobilität, Car Sharing, Gebrauchtwagen und Reparatur aufgestellt.

Fazit

»Um Deutschland als führenden Automobilstandort zu erhalten, ist es notwendig, die ICT-Innovation im Automotive-Ecosystem in Deutschland nachhaltig zu stärken und die Verschmelzung von ICT und Automotive aktiv voranzutreiben«, so Volker Scholz, geschäftsführender Partner bei mm1. »Dies verlangt einerseits die notwendige digitale Reife und das Verständnis der Digitalisierung dieser Branche, aber auch die Bereitschaft zielgerichteter Aktivitäten seitens der Automobilindustrie sowie auf politischer Ebene.«

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