So finden Sie die passende IoT-Plattform

Illustration: Absmeier, Geralt

Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) ist gleichzeitig eines der wichtigsten und eines der komplexesten Themen, das Unternehmen der verschiedensten Branchen derzeit bewegt. Mehr als 500 IoT-Plattformen buhlen um die Gunst der Hersteller und Anwender, fast täglich werden es mehr. Das Angebot ist teilweise sehr heterogen, die Konsequenzen der Entscheidung für eine Plattform weitreichend. CIOs und andere technische Entscheider in IoT-Projekten stehen somit vor einer enormen Herausforderung bei der Auswahl der richtigen IoT-Plattform. Eine Standardlösung ist nicht in Sicht – aber eine standardisierte Herangehensweise hilft dabei, eine fundierte Entscheidung zu treffen.

 

Wenn uns das automatische Rollo vor blendender Sonne schützt, die High-Tech-Armbanduhr darüber Auskunft gibt, welches Pensum heute noch zu laufen ist oder das Auto uns um den Stau herumführt – dann sind wir von »smarten«, also intelligenten Geräten umgeben, die anhand vorgegebener Regeln flexibel auf Umwelteinflüsse reagieren können. Dazu bedarf es dreier grundlegender Elemente:

  • physische »Dinge« (Geräte oder Maschinen), die mit Sensoren, Aktoren, entsprechender Firmware und Datenübertragungsfähigkeit (Connectivity) ausgestattet werden;
  • Web-Applikationen oder mobile Apps, welche Daten der »Dinge« auf verschiedenen Endgeräten (wie Smartphones, Tablets oder PC) zugänglich machen und gegebenenfalls eine Steuerung erlauben;
  • eine IoT-Cloud-Plattform, welche die Daten sowie Steuerungssignale der Anwender aufnimmt, speichert, nach vorgegebenen Regeln verarbeitet und verschiedene Administrationsmöglichkeiten bereitstellt. Sie verbindet also die »Dinge« mit den Anwendern.

 

Was eine IoT-Plattform können muss

Beim Aufbau der eigenen IoT-Cloud-Lösung nutzen viele Unternehmen sogenannte IoT-Plattformen, die bereits grundlegende Funktionen bereitstellen, die man sonst aufwändig selbst programmieren müsste. Diese IoT-Plattformen werden von Tech-Schwergewichten wie Amazon, IBM oder Microsoft angeboten, aber auch von klassischen Industrieunternehmen wie General Electric, Siemens oder Hitachi, sowie vielen kleineren Anbietern, die auf unterschiedliche Branchen oder Anwendungsfälle fokussiert sind. Zu den elementaren Funktionalitäten einer End-to-End-IoT-Plattform zählen:

  • Connectivity
  • Datenstandardisierung & Datenmanagement
  • Datenvisualisierung
  • Device & Service Management
  • Externe Schnittstellen
  • Entwicklungsunterstützung
  • Sicherheits-Features.

Die Digitalagentur tresmo hat bereits über 500 Angebote von »IoT-Plattformen« identifiziert. Darunter sind jedoch etliche, die nur einen Teil der genannten Funktionen abbilden, beispielweise reine Connectivity-/M2M-Angebote oder IaaS-Backend-Lösungen.

 

Die Qual der Wahl

Auf der Suche nach der geeigneten IoT-Plattform stehen Unternehmen daher vor vielfältigen Problemen. Die schiere Masse der Angebote macht es unmöglich, selbst alle Plattformen zu prüfen. Dabei sind wichtige Fragen zu klären:

  • Welche Funktionen bieten sie an, wie ist die Service-Qualität, sind die Angebote ausreichend skalierbar und ist der Anbieter beziehungsweise seine Plattform überhaupt zukunftssicher?
  • Bedeutet die Festlegung auf einen Anbieter einen Vendor-Lock-in, oder kann man ohne größere Probleme auf Alternativangebote umsteigen? Unter Umständen sind tiefgreifende Implikationen mit der Entscheidung verbunden, beispielsweise bei den zu verwendenden Protokollen und Bibliotheken.
  • Wie ist das Kostenmodell? Skalieren die laufenden Kosten mit der Menge der übertragenen Daten? Wer hier nicht aufpasst kann böse Überraschungen erleben!
  • Wo sind die Cloud-Daten gespeichert und sind sie vor fremden Zugriffen ausreichend geschützt? Immer mehr Anbieter, aber noch lange nicht alle, setzen für deutsche Kunden auf lokale Rechenzentren. Wer international tätig ist, muss die Frage ebenso für andere Regionen klären. In Ländern wie China und Russland dürfen die Daten aus rechtlichen Gründen das Land nicht verlassen.

Eine Fehlentscheidung bei der IoT-Plattform kann für den Gerätehersteller teuer werden, weiß tresmo-Geschäftsführer Bernd Behler: »Im schlimmsten Fall müssen Sie in Ihrem Projekt fast wieder bei Null anfangen, beispielsweise wenn Sie mit dem Anbieter auch das Protokoll für die Datenübertragung ändern und dafür die Firmware des Gateways anpassen müssen. Das dauert lang und kostet sehr viel – daher sollte die IoT-Plattformauswahl gut durchdacht sein.«

 

Wie findet man die richtige IoT-Plattform?

tresmo führt eine laufend aktualisierte Datenbank der ihr bekannten IoT-Plattformen mit den jeweiligen zentralen Eigenschaften. Wenn die Rahmenbedingungen des Kundenprojekts geklärt sind, kann darüber schnell eine erste Eingrenzung vorgenommen werden. Das überschaubare Set der infrage kommenden Lösungen kann dann genauer betrachtet werden, um das Angebot herauszufiltern, das nach Abwägung aller Aspekte am besten passt. Die zentralen Kriterien für einen Vergleich der Plattformen hat tresmo in einer Checkliste zusammengestellt, die 75 Fragen in 10 Themenbereichen umfasst. Hier einige Beispiele:

  • Bietet die IoT-Plattform ein SDK (Software Development Kit) für die Zielhardware und das Zielbetriebssystem?
  • Welche Kommunikationsprotokolle werden unterstützt?
  • Ist es möglich, eigene Business-Anwendungen und Dienste neben der IoT-Plattform zu betreiben?
  • Sind APIs vorhanden, um Administrations-Funktionen in bereits bestehende Unternehmensanwendungen zu integrieren (zum Beispiel CRM- oder ERP-Systeme)?

Die Checkliste spiegelt die Erfahrung der IoT-Experten aus über 30 erfolgreichen Projekten wieder. Sie hilft Unternehmen dabei, die richtigen Fragen an die IoT-Plattformanbieter zu stellen. Oft müssen dafür aber auch erst intern Fragen zum eigenen IoT-Vorhaben geklärt und Entscheidungen durch das Projektteam getroffen werden. Jan Rodig, CEO von tresmo, hat mit diesem Tool sehr gute Erfahrungen gemacht: »Damit können sich unsere Kunden vor dem ersten Workshop in Ruhe vorbereiten und wir nutzen die gemeinsame Zeit effizient. Spätestens nach dem zweiten Treffen sind die Anforderungen geklärt und einem erfolgreichen Projekt steht nichts mehr im Weg.«

Auffällig ist, dass sich bei den bisher von tresmo realisierten IoT-Lösungen kein Favorit unter den ausgewählten Plattformen herauskristallisiert hat. Dazu seien die Anforderungen zu individuell, so Behler. Ein Beispiel biete der Message-Broker, der die Daten in der Cloud entgegennimmt. Während im einen Fall die Kostenmodelle der drei großen Cloudanbieter – Microsoft, Amazon und IBM – zu teuer seien, könne beim nächsten Kunden die Situation völlig anders sein. Beispielsweise wenn sich Synergieeffekte mit CRM- und ERP-Systemen, die dann zusammen mit der IoT-Anwendung in der gleichen Cloud betrieben werden, nutzen lassen.

 

Das Geschäftsmodell nicht vergessen

Wer jedoch nur auf die technischen Aspekte seines Produkts sieht und glaubt, allein daraus die richtige Entscheidung treffen zu können, der greift zu kurz. Der Anwendungsfall umfasst ja nicht eine einzelne Rollo-Steuerung oder einen einzelnen Smart-Watch-Nutzer. Geklärt werden muss beispielsweise auch, wie viele »Dinge« mit dem IoT verbunden werden. Ebenso macht es einen Unterschied, wie viele Daten nur lokal verarbeitet werden sollen (Edge oder Fog Computing) und wie viele in der Cloud gesammelt werden. »Ob Sie in der Zielwelt zehntausend Geräte haben, die täglich jeweils ein Binärsignal senden oder ob mehrere Millionen von Geräten permanent dutzende Datenpunkte senden, die dann in Echtzeit verarbeitet werden müssen, macht einen riesigen Unterschied für Ihre Plattformentscheidung«, erläutert Bernd Behler.

Spätestens hier geht es nicht mehr um die Technik, sondern um die Strategie des Unternehmens. Das Internet der Dinge ist mehr als Evolution der Steuertechnik. Es legt die Basis datenbasierender Services, die neue Ertragsmöglichkeiten schaffen und damit das Geschäftsmodell – unter Umständen fundamental – wandeln können. Meist lassen sich erst durch diese Veränderungen die Investitionen in ein solches Projekt wirtschaftlich begründen. Als Dienstleister mit einem 360-Grad-Blick auf das Projekt kümmert sich tresmo deshalb nicht allein um die technische Seite des Projekts, sondern berät auch in Fragen der künftigen Ausrichtung, der damit verbundenen Prozesse aller Abteilungen und sogar in Bezug auf Managementstrukturen.

Denn: »Wer den Schritt Richtung IoT geht, beginnt mit der digitalen Transformation. Und die zieht sich immer durch das ganze Unternehmen. Da sind manchmal tiefgreifende Entscheidungen notwendig. Und das geht nur, wenn das Projekt von ganz oben getrieben wird«, bekräftigt Jan Rodig.

 


 

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