So gelingt der Umstieg auf SAP BW on HANA: Schritt für Schritt zur performanten Database

Relationale Datenbanken stoßen durch die immer größer werdende Menge an Daten an ihre Grenzen. Das schmälert die Leistung und daher bietet sich ein Umstieg auf eine In-Memory-Datenbank an. Eine Möglichkeit ist, das Produkt SAP BW on SAP HANA zu nutzen. Dabei setzt das Business Warehouse auf die In-Memory-Datenbank HANA auf. Diese Technologie ist wesentlich performanter, da sich die Daten durchgängig im Arbeitsspeicher befinden und innerhalb von Millisekunden abrufbar sind. Gerade in Zeiten von Echtzeitanwendungen, Big Data und dem Internet der Dinge ist das ein wichtiger Aspekt bei der Verarbeitung von Daten. Um HANA voll auszuschöpfen zu können, reicht es jedoch nicht, nur einfach die Datenbanken auszutauschen.

Unternehmen, die eine SAP-BW-Plattform betreiben, entwickeln darauf im Laufe der Zeit verschiedene Applikationen. Doch viele stehen vor der gleichen Herausforderung: Zu Beginn sprechen sich Fachbereiche und Projektteams ab, welche Daten sie gemeinsam nutzen wollen, um Redundanzen niedrig und die Effizienz hoch zu halten. Im Laufe der Zeit wird die Datenbank aber immer komplexer: Neue Anforderungen kommen hinzu, neue Applikationen werden entwickelt oder bestehende erweitert. Oft geht nach und nach ein umfassender Blick auf die Plattform verloren und auch die Abstimmung mit den Kollegen bleibt aufgrund von Zeit- und Kostendruck auf der Strecke.

Das Ergebnis: unzählige Insellösungen, die sich ihre Daten aus den Quellsystemen einzeln abziehen, verarbeiten und nach ihrer Logik dem Anwender zur Verfügung stellen. Eine einzelne Applikation steht dann für sich selbst, obwohl sie gleiche oder ähnliche Daten nutzt wie eine andere. Diese unnötige Parallelität und Komplexität verursacht eine hohe Redundanz und damit hohe Kosten in Betrieb und Wartung. Einen solchen Zustand wieder zu beheben ist nicht nur sehr zeit- sondern auch kostenintensiv. Natürlich ist auch die Umstellung auf eine In-Memory-Datenbank mit großem Aufwand verbunden. Doch kann die Migration genutzt werden, um die Plattform wieder auf Vordermann zu bringen. Langfristig werden dadurch nicht nur die Kosten gesenkt, sondern auch die Performance gesteigert.

Bei einer Migration auf HANA empfiehlt es sich, Schritt für Schritt und gut überlegt vorzugehen.

Schritt 1: die Basis schaffen

Bevor die Datenbank ausgetauscht werden kann, gilt es im ersten Schritt die technischen Voraussetzungen für die HANA-Migration zu schaffen, denn nicht jedes System eignet sich dafür. Mindestens die Version 7.4 des NetWeaver muss verfügbar sein und zudem eine Unicode-Migration erfolgen. Wichtig ist auch, schon von Anfang an mit dem Housekeeping zu beginnen. Denn Unternehmen haben im Rahmen der Migration die Möglichkeit, den Aufbau der Plattform sowie die Architektur der Applikationen zu überdenken und anzupassen. Dazu sollte folgendes vorab erfolgen:

  • Bestandsaufnahme der vorhandenen Daten
  • Analyse der benötigten Daten
  • Synergien prüfen

Dann steht auch schon der Austausch der Datenbank an: Die relationale Datenbank wird entfernt und die HANA-Plattform unter das BW-System gelegt. Wurde dieser Schritt ordentlich durchgeführt, laufen die meisten Applikationen bereits schneller beziehungsweise mindestens genauso schnell wie zuvor. Ziel ist es aber, dass alle Anwendungen wesentlich performanter sind.

Schritt 2: Plattform optimieren

Die HANA-Plattform zu optimieren, ist der wichtigste Schritt im Prozess. Zunächst sollte die Nutzung der Daten nochmals genauer betrachtet werden. Das betrifft vor allem das Schichtenmodell, das für eine klassische BW-Plattform typisch ist. Es besteht in der Regel aus vier Schichten und einigen weiteren Ebenen, die die Daten persistent auf der Datenbank ablegen. Mit HANA macht dieses Schichtenmodell keinen Sinn mehr, da die Daten on-the-fly zur Verfügung stehen können. Das bedeutet: Wenn der Anwender Daten aufruft, werden sie genau in diesem Moment aus dem Quellsystem abgezogen, transformiert und angezeigt. Bisher handelte es sich dabei um einen sehr zeitintensiven Prozess, der jetzt innerhalb von Millisekunden erfolgt.

Um die neuen Möglichkeiten mit HANA vollumfänglich zu nutzen, empfiehlt SAP den Umstieg vom Architekturmodell LSA auf LSA++. Zentral ist dabei die neue virtuelle Data-Mart-Schicht. Dadurch kann der Blick auf die gesamte Plattform gerichtet werden, um umfassende Umstrukturierungen anzustoßen. Die Migration bietet die Möglichkeit, einen zentralen Daten-Hub beziehungsweise Corporate Layer zu erstellen. Dieser ist zentraler Anlaufpunkt für alle Applikationen und schafft eine gemeinsame, konsolidierte Datenbasis. Dadurch ziehen Applikationen die Daten nicht weiter parallel aus dem Quellsystem, sondern die Wege trennen sich erst ab der applikationsspezifischen Business-Logik. So sinkt das Volumen und die Redundanz der persistent gehaltenen Daten – die Architektur der Plattform ist schlanker und Prozesse laufen performanter. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Kosten für Wartung und Betrieb sowie auf die Datenqualität aus.

Schritt 3: kontinuierliche Pflege sicherstellen

Nach Migration und Optimierung ist das Endprodukt nun eine Plattform, die ideal auf das Unternehmen abgestimmt ist. Die zentrale Corporate Layer als Single-Point-of-Truth ermöglicht es, sich auf eine gemeinsame Datengrundlage zu berufen. Doch durch neue Projekte oder Wartungsarbeiten kann sich das schnell wieder ändern. Werden neue Applikationen ohne Abstimmung entwickelt, entstehen erneut Redundanzen. Um das zu vermeiden, muss eine kontinuierliche und übergreifende Abstimmung aller Stakeholder des Business Warehouse erfolgen – von der technischen Basis bis hin zum fachlichen Endanwender. Es empfiehlt sich, langfristig die Verantwortlichkeiten für die Plattform zu definieren. Wer ist für die Daten verantwortlich? Wer benötigt welche Daten? Welche Applikationen müssen neu entwickelt werden und wer kümmert sich um die Abstimmung? Nur wenn es klare Regelungen gibt und alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen, kann die optimierte Plattform leistungsstark bleiben. Zudem sollte es definierte Qualitätskriterien im Umgang mit den Daten geben. Eine gepflegte Plattform ermöglicht es, neue Technologien einfacher und mit geringerem Aufwand zu implementieren. So können Unternehmen schnell auf Innovationen wie HANA Live oder XS reagieren und sie gewinnbringend integrieren.

Eine Umstellung einer relationalen Datenbank auf In-Memory geschieht nicht auf Knopfdruck. Daher sollten Unternehmen viel Zeit und Energie in die Planung und Optimierung stecken – das ist schon mal die halbe Miete bei der Migration. Ergänzt werden sollte dies durch konsequentes Housekeeping und eine übergreifende Koordination. So schaffen Unternehmen ein performantes und zukunftsfähiges Business Warehouse.

Ludwig Preisinger, Senior SAP Consultant, PROCON IT Aktiengesellschaft München, Deutschland

 

 

 

 

 

 


 

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