Trust – der verdrängte BI-Erfolgsfaktor

Trust – der verdrängte  BI-Erfolgsfaktor

Advanced Visualization, Selfservice BI, Agile BI. Business Intelligence hat in den letzten Jahren eine Transformation erfahren. Raus aus den IT-Abteilungen und hinein in die Business-Welt der Fachabteilungen. Das ist gut so. Denn letztlich sind die Fachanwender diejenigen, die mit BI-Anwendungen ihren Erfolg steigern und ihre Entscheidungen auf die bestmögliche Datengrundlage stellen sollen. Doch in einer Welt der bunten Bilder und  der Selbstbedienung scheint zunehmend der ursprüngliche Kerngedanke von BI verloren zu gehen: Die Einheitlichkeit, die Vergleichbarkeit der Datenwelten. Der Single-Point-of Truth.

Das Interesse an BI-Software in Deutschland ist ungebrochen. Das Marktvolumen wächst seit acht Jahren kontinuierlich an. Im Durchschnitt um 11 Prozent. Im letzten Jahr erreichte es mit 1,47 Milliarden Euro einen Höchststand. Der Trend ist mehr als positiv. Zu diesem Ergebnis kommen die Analysten des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens BARC in ihrer Marktanalyse »Der Markt für Business-Intelligence-Software in Deutschland 2013/2014«. Beeindruckende Zahlen, keine Frage. Doch war das Wachstum in 2013 nicht etwa durch die Anwenderwerkzeuge getrieben. Laut der Erhebung stagniert das Wachstum im Frontend-Bereich nahezu. Wie kann das sein? Keine Nachfrage nach High-end-Visualisierungen? Keine Nachfrage nach dem Selbstbedienungsladen BI mehr?

Front to Back. Es geht um Vertrauen. Waren die vergangenen Jahre hauptsächlich von einer Fixierung auf das Frontend geprägt, verschob sich dies im letzten Jahr zugunsten des Backend. Dringende Herausforderungen sehen Unternehmen und Anwender im Bereich des Datenmanagements, der Datenmodellierung und der Data Governance. Gerade Themen wie Big Data, Cloud Computing und die ausgerufene Industrie 4.0, die angetreten waren, um den Fachanwender noch gezielter in ihren speziellen Geschäftsfällen zu unterstützen und ihnen bisher nie dagewesene Einblicke zu eröffnen, haben diese Verschiebung weg von der »Sexiness« hin zum »Notwendigen« beschleunigt. Denn es geht um Vertrauen. Die Visualisierung und Interaktion mit Daten steht am Ende eines jeden Analyseprozesses. Unsaubere Analysen falscher, unvollständiger, unpassender Daten nützen nichts. Da können die Visualisierung und die Interaktionsmöglichkeiten noch so ansprechend und »sophisticated« sein. »Garbage in« bedeutet nun mal schlicht »Garbage out« – auch wenn dieser schön anzuschauen ist. Das heißt natürlich nicht, dass Frontend-Funktionalitäten nicht wichtig wären, aber sie bilden nur die Spitze eines Eisbergs tiefergehender Daten- und Analysefragen, die gelöst sein müssen, damit der Fachanwender wirklich etwas davon hat.

Back to Front. Je größer der Datenbestand wird, je mehr Datenformate es zu verarbeiten gilt, desto komplexer wird die Bereitstellung der Daten für weiterführende Analysen in einer vertrauenswürdigen Informationsarchitektur. Wenn es etwas an der stärkeren Beteiligung der Fachabteilungen am Beschaffungsprozess von Analysesoftware zu bemängeln gibt, dann die Tatsache, dass viel zu oft das Pferd vom falschen Ende her aufgezäumt wird. Schnell werden einzelne Tools gekauft oder mit der Umsetzung bestimmter Frontends für spezifische Abfragemethoden oder Endgeräte begonnen, bevor klar ist, wohin die Reise letzten Endes eigentlich gehen soll. Die interne IT, lange Zeit der alleinige Treiber von BI-Projekten, bleibt immer häufiger außen vor oder wird zu spät mit den Neuerungen an der Infrastruktur konfrontiert. Dabei wäre der vertrauensvolle Austausch zwischen den Abteilungen so wertvoll.

BI- und Analytics-Plattformen müssen zuerst anwenderfreundliche Lösungen für das Datenmanagement, die Berichts- und Benutzerver­waltung bereithalten und sie an die neuen Gegebenheiten anpassen. Denn nur so lassen sich den Mitarbeitern des Unternehmens analytische End-to-End-Applikationen zur Verfügung stellen, die vom Quellsystem bis zum mobilen Dashboard lückenlos ineinandergreifen. Einbahnstraßen von den Datenquellen zum Anwender reichen aber nicht. Vielmehr kommt es besonders darauf an, dass man mit diesen Lösungen Informationen zurückschreiben, kommentieren, zur Diskussion stellen und Aktionen in anderen Business-Applikationen anstoßen kann. Denn nur so bleibt der Datenbestand mit dem aktuellen Geschehen kongruent. Erkenntnissilos brechen auf und weichen einer ganzheitlichen Sicht, mit der die Analysefähigkeit in das Zentrum der alltäglichen Entscheidungsfindung im Unternehmen rückt.

BI- und Analytics-Plattformen müssen zuerst anwenderfreundliche Lösungen für das Datenmanagement, die Berichts- und Benutzerver­waltung bereithalten und sie an die neuen Gegebenheiten anpassen. Denn nur so lassen sich den Mitarbeitern des Unternehmens analytische End-to-End-Applikationen zur Verfügung stellen, die vom Quellsystem bis zum mobilen Dashboard lückenlos ineinandergreifen. Einbahnstraßen von den Datenquellen zum Anwender reichen aber nicht. Vielmehr kommt es besonders darauf an, dass man mit diesen Lösungen Informationen zurückschreiben, kommentieren, zur Diskussion stellen und Aktionen in anderen Business-Applikationen anstoßen kann. Denn nur so bleibt der Datenbestand mit dem aktuellen Geschehen kongruent. Erkenntnissilos brechen auf und weichen einer ganzheitlichen Sicht, mit der die Analysefähigkeit in das Zentrum der alltäglichen Entscheidungsfindung im Unternehmen rückt.

Einer zukunftsfähigen, praxistauglichen BI-Lösung muss von Anfang an eine durchdachte Gesamtarchitektur zu Grunde liegen. Wer den architektonischen Ansatz vernachlässigt, trägt das Risiko, am Ende des Tages mit einer unübersichtlichen Menge hochspezialisierter Tools dazustehen, die jeweils ihre Aufgabe erledigen, aber kaum oder nur mit einem hohen Aufwand zu einer konsolidierten Gesamtlösung zu verschmelzen sind. In solchen unvollständigen beziehungsweise nicht-konsolidierten Umgebungen ist es wegen der fehlenden Data Governance zweifelhaft, ob sich die Datenkonsumenten auf die Daten und Analysen verlassen können. Denn nicht selten greifen einzelne Tools für die Beantwortung derselben oder einer ähnlichen Analysefrage auf unterschiedliche Datenpools zu. Das gilt für Selbstbedienungs-Analysefunktionen genauso wie für standardisierte BI-Berichte oder -Dashboards. Das Ergebnis: drei Anwender, vier verschiedene Zahlen. Aussagewert: Null.

Moderner Fünfkampf. Wer also ein funktionierendes und verlässliches BI-System aufbauen will, sollte sich weniger von einzelnen »Moden« blenden lassen, als vielmehr auf die optimale Verschmelzung der fünf BI-Disziplinen (Datenmanagement, Datenmodellierung, Data Governance, Datendistribution, Datenvisualisierung) in einer integrierten und applikationsfähigen BI-Plattform konzentrieren. Dafür ist es enorm wichtig, nicht nur die Fachabteilung als Endanwender, sondern auch die interne IT als Betreiber und Support-Instanz mit an den Verhandlungstisch zu nehmen.

Die wichtigsten Fragestellungen:

  • Welche Datensilos müssen aufgebrochen werden, mit welchen Vorsystemen gilt es zu interagieren?
  • Welche Interessengruppen müssen berücksichtigt werden, welche Bedürfnisse adressiert werden?
  • Welche fachlichen und technischen Herausforderungen müssen adaptiert werden – jetzt und in Zukunft – und wieviel Flexibilität soll das BI-System bieten?

BI-Systeme sind erfahrungsgemäß evolutionäre Systeme. Heißt, sie entwickeln sich stetig weiter und bleiben nur in seltenen Fällen einer einzigen Fachabteilung vorbehalten. Wer also nur die eine Speziallösung für sein Controlling umsetzt, wird damit die Bedürfnisse seines Marketings nicht befriedigen können. BI-Plattformen, die von ihrem Konzept her integra-tionsfähig, skalierbar und einfach in der Handhabung sind, bilden eine optimale Grundlage für alle bestehenden und kommenden Analyseanforderungen. Anstatt nur eine fachliche Fragestellung zu beantworten, entstehen mit ihrer Hilfe integrierte BI-Applikationen, die vom vertrauenswürdigen Datenmanagement über die rollenbasierte Datendistribution bis hin zum fertigen Dashboard alle Disziplinen des BI-Fünfkampfs abdecken.

»The Application is the message«. Eine BI-Applikation ist der optimierte Kanal zu einer  zielgruppengerechten Übertragung von vertrauenswürdigen -Daten und Informationen von der -Datenquelle hin zur fachlichen Anwendungslösung. Um Überblick und Konsistenz in einer fachlichen BI-Lösung zu garantieren, brauchen moderne Informa-tionsarchitekturen daher eine Zentralinstanz als Dreh- und Angelpunkt für die darüber betriebenen Applikationen. Diese gibt Auskunft über die Herkunft der Daten und Informationen, verwaltet Berichtsstrukturen, Nutzergruppen und Berechtigungen. Das ist besonders wichtig, wenn Informationen nicht nur abgefragt, sondern im Rahmen kollabora-tiver Arbeitsprozesse gemeinsam gewonnen und genutzt werden sollen. Dieser »Informationstransmitter« muss Workflows, Änderungen und Kommentare für alle Berechtigten nachvollziehbar transparent verwalten. Nur eine solche Instanz kann in Umgebungen, in denen intensive digitale Zusammenarbeit zählt, die Konsistenz der Daten und Prozesse garantieren und am Ende des Tages »trustworthy« Informationen und Einblicke generieren. Sie bildet das Herzstück eines jeden BI-Systems.

Grundlegende architektonische Überlegungen entscheiden über den BI-Erfolg. Anbieter, die statt der Features von Spezialtools stets auch die Gesamtarchitektur der BI-Lösung im Blick haben, bieten ihren Kunden daher einen wesentlichen strategischen Vorteil und sorgen für eine vertrauenswürdige Analyse- und Informationsstruktur.


autor_thomas_martensThomas Martens,
VP Product Marketing,
Cubeware GmbH

 

Illustration: © MNSKumar/shutterstock.com 

Weitere Artikel zu