Arbeitswelt 4.0: Warum wir HR weiterhin brauchen – nur anders

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Transparenz, Vernetzung und die Automatisierung von administrativen Prozessen waren die Schlagworte der HR Conference 2016 am 15. und 16. Juni. In der Alten Kongresshalle in München stellten Experten aus Wissenschaft und Praxis ihre Prognosen für die Arbeitswelt 4.0 und die HR-Arbeit von morgen vor. Den wohl provokantesten Blick nach vorne richtete Aconso CEO Ulrich Jänicke mit seiner Keynote »Warum wir HR (nicht) mehr brauchen«. Sein Fazit: Aufgrund der zunehmenden Automatisierung verlagern sich administrative Aufgaben.

Arbeitsschritte, die bisher in der HR-Abteilung ablaufen, übernehmen Prozessbeteiligte wie Führungskräfte, Mitarbeiter oder Bewerber zukünftig selbst.

Prozesse müssen daher transparent, einfach und schnell dargestellt werden. Emanzipiert von der IT, übernimmt HR so zukünftig die Rolle des Prozessdesigners und etabliert sich als strategischer Business Partner im Unternehmen. Eine intelligente HR-Software, die entscheidungsrelevante Informationen zur richtigen Zeit bereitstellt, zeitintensive betriebliche Abläufe auf 15-Sekunden-Jobs reduziert und auch mobil verfügbar ist, unterstützt den Personaler von morgen auf diesem Weg.

Prof. Dr. Wolfgang Jäger von der Hochschule Rhein-Main bestärkte diese These und entwarf spannende Szenarien für die technische Entwicklung der Industrie 4.0, in der HR 4.0. eine wichtige Rolle spielt, wenn auch eine andere: In der Arbeitswelt von morgen organisieren sich die Wertschöpfungsketten weitgehend autonom.

Die menschliche Arbeitskraft wird nicht überflüssig, bekommt aber grundlegende neue Aufgaben.

Zu den neuen Anforderungen an den »Produktionsfaktor« Mensch gehören daher höchste Flexibilität, starke Individualisierung, Selbstorganisation und Mobilität. In diesem Kontext werden HR-Systeme umso wichtiger, die die Zusammenarbeit und Vernetzung innerhalb und außerhalb des Unternehmens fördern.

Dr. Karin Jenuwein, Personalleitung Bus und Zentrale Produktion, MAN Truck & Bus AG, geht noch einen Schritt weiter: »Wir wünschen uns eine viel stärkere Vernetzung. Wir möchten mehr Freiräume schaffen, damit Mitarbeiter sich über Standorte und Bereiche hinweg noch besser austauschen können. Auf Basis unserer digitalen Personaldaten möchten wir über Landesgrenzen hinaus unsere internen Arbeitsmärkte gezielt nutzen und eine internationale Zusammenarbeit ermöglichen.«

Auch die Deutsche Lufthansa AG arbeitet an einer noch stärker verzahnten HR-IT-Plattform über die komplette Gruppe hinweg. Angesichts externer Trends wie der mit der Digitalisierung einhergehenden zunehmenden Transparenz und Schnelligkeit, der demographischen Entwicklung, des zunehmend auf Wettbewerb beruhenden und sehr dynamischen Arbeitsmarktes soll eine einheitliche Datenbasis hinsichtlich Stammdaten, Performance-Management und Nachfolgeplanung geschaffen werden. Transparenz und schnelle Datenbeschaffung sind wichtige Schlüsselfaktoren, um den internen Arbeitsmarkt der verschiedenen Standorte und Länder optimal zu nutzen. »Ganz papierlos arbeiten wir noch nicht im HR-Bereich. Wir haben jedoch den ehrgeizigen Plan, unsere HR-Prozesse mit SuccessFactors und Aconso in den kommenden Jahren weitestgehend zu digitalisieren«, erklärt Projektleiterin Sabine Rüffer von der Lufthansa.

»Dieser kulturelle Wandel ist wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben und schnelle Reaktionszeiten zu gewährleisten.«

Dazu gehört laut Stefan Schüßler, Business Development Manager HCM bei der SAP Deutschland, früh auf die schnellen globalen Weiterentwicklungszyklen zu reagieren. »So bietet SuccessFactors seinen Kunden bis zu vier Releases pro Jahr mit Neuerungen aus der Cloud. Der Kunde kann diese unkompliziert freischalten. Auch kleinere Cloud-Lösungen wie der Versand von Gehaltsabrechnungen mit der Jedermann-Akte können für einen kurzfristigen Effekt eingeführt werden und dem Mitarbeiter einen unmittelbaren Nutzen bringen«, so Schüßler.

In der HR-Arbeit 4.0 steht auch zukünftig der Mensch im Mittelpunkt, betont Dr. Karin Jenuwein von MAN: »Wir möchten den Personalreferenten vor Ort nicht ersetzen und lassen den persönlichen Kontakt zu den Mitarbeitern weiterhin analog laufen. Dazu gehört zum Beispiel der persönliche Glückwunsch zur Hochzeit. Das ist für uns eine Frage der Wertschätzung.«

Das Fazit der Veranstaltung: Transparentere Prozesse schaffen, schnell die richtigen Informationen dem Richtigen zur Verfügung stellen und zeitintensive administrative Aufgaben auf ein Minimum reduzieren – das sind die Aufgaben der Digitalisierung im HR-Bereich.


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