Chancen und Risiken von Streaming zur Content-Distribution

Einer Studie des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Ludwig-Maximilians-Universität München zufolge ist für den Erfolg von Streaming-Geschäftsmodellen eine an den speziellen Kontext angepasste Ausgestaltung entscheidend [1]. Die Autoren der Studie raten Streaming-Anbietern davon ab, ihre auf den »klassischen« Nutzungskanälen bewährten Modelle einfach auf den neuen Kanal zu übertragen. Stattdessen empfehlen sie, weitreichende Anpassungen vorzunehmen, die sich aus den Wünschen der Nutzer und neuen technologischen Möglichkeiten ergeben. Hierfür seien jedoch bislang wenig bekannte Kompetenzen und Instrumente, zum Beispiel zur Minimierung des Suchaufwands, nötig. Auch innovative Kooperationen, wie etwa die Zusammenarbeit von etablierten Telekommunikationsunternehmen und Startup-Plattformen, seien erfolgversprechend.

Präsenz auf allen Distributionskanälen schafft Zugang zu neuen Zielgruppen

Nach vertieften Interviews mit über 30 Vertretern von Medienunternehmen, Distributionsplattformen und Service-Providern ergibt sich ein klares Bild: Streaming als Content-Distribution ist mehr als nur eine Modeerscheinung und bietet vielfältige, zum Teil noch wenig bekannte Anwendungsszenarien, wie etwa durch neue »Smart Devices« oder auch im PKW. Anbieter sollten dafür sorgen, mit ihrem Content weiterhin auf allen Nutzungskanälen präsent zu sein, denn über »On-Demand«-Angebote besteht die Möglichkeit, auch neue Zielgruppen zu erreichen, die das lineare Programm nicht nutzen. Unternehmen können vom Streaming zudem gezielt profitieren, da sich hier vielfältige Möglichkeiten bieten, um Erlöse zu generieren. Unter anderem deshalb sind Systeme zur Erfolgsmessung der verschiedenen Angebote bereits heute zentraler Bestandteil vieler Geschäftsmodelle. Doch trotz größtenteils ähnlicher Zielgrößen, wie zum Beispiel Klickrate oder Verweildauer, fehlt hierfür bisher ein standardisiertes Berichtswerkzeug.

»Sowohl aufgrund geringer Hürden auf der Konsumentenseite als auch aufgrund der zahlreichen neuen Nutzungsmöglichkeiten: Streaming verfügt auf jeden Fall nach wie vor über ein enormes Wachstumspotenzial«, schlussfolgert Prof. Dr. Thomas Hess, Leiter des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Ludwig-Maximilians-Universität München. »Es eröffnet Anbietern neben der linearen Programmgestaltung einen besseren zeit- und ortsunabhängigen Zugang zu bisher schwerer erreichbaren Zielgruppen. Das sollte allerdings nicht dazu verleiten, andere Distributionskanäle zu vernachlässigen. Vielmehr sollten Anbieter in der Lage sein, alle Arten von Kanälen und Endgeräten zu bedienen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass attraktive Inhalte eine bessere Reichweite erzielen.«

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[1] Die ausführlichen Ergebnisse der Studie mit dem Titel »Streaming aus Anbietersicht: Viele Wege führen zum Ziel« stehen in Form eines Management Reports zum kostenlosen Download auf www.pmone.com/streaming bereit.

 

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