China betreibt offensiv den Aufbau einer eigenen IT-Industrie und schottet sich zunehmend vom Ausland ab

Am 16. März beginnt in Hannover die diesjährige CeBIT mit dem Gastland China. Dort wird es auch um das Thema Internetsicherheit gehen.

Die chinesische Regierung fördert offensiv den Aufbau einer eigenen IT-Industrie und schottet sich zunehmend von ausländischer Technologie ab. Das ist das Ergebnis des jüngsten China Monitor des Mercator Institute for China Studies (MERICS) mit dem Titel »Cyber Security in China (III): Standortfaktor Internetsicherheit: Herausforderung für westliche Unternehmen«

»Der Regierung in Peking ist es in den vergangenen Jahren gelungen, eine dynamische IT-Industrie mit starken Privatunternehmen zu fördern. Ausländischen Anbietern wird der Zugang zum Markt immer mehr erschwert«, sagt Hauke Gierow, wissenschaftlicher Mitarbeiter am MERICS und Autor der Studie. »In vielen Bereichen legt Peking eigene Standards für China fest. Internationale Unternehmen müssen sich diesen Normen anpassen, wenn sie weiter mit China Geschäfte machen wollen.«

Internationale Expansion chinesischer IT-Firmen angestrebt

Der MERICS China Monitor zeigt, dass Peking ausländische Technologie als Bedrohung der nationalen Sicherheit betrachtet, etwa durch heimlich eingebaute Hintertüren, die Möglichkeiten zur Ausforschung von Computern und Netzwerken bieten. In besonders sicherheitsrelevanten Bereichen in China ist die Verwendung ausländischer IT-Produkte daher bereits streng reguliert.

Gleichzeitig unterstützt die chinesische Regierung heimische Firmen bei der internationalen Expansion, etwa die Netzwerkausrüster Huawei oder ZTE. Schon heute machen chinesische IT-Firmen mit ihren Produkten westlichen Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern Konkurrenz. Doch chinesische Software und Apps sind oft nicht so gut gesichert wie Produkte aus dem Westen. Hacker können diese ungeschützten Programme übernehmen und sie mit Viren infizieren oder mit ihnen Angriffe auf weltweite IT-Systeme ausführen.

Chinesische Parallelstandards

Den Aufbau der eigenen IT-Industrie verknüpft die chinesische Führung mit der Entwicklung sogenannter Parallelstandards, etwa bei der WLAN-Technologie. Wenn ausländische Anbieter von Routern und WLAN-fähigen Geräten Zugang zum chinesischen Markt haben wollen, müssen sie an der Entwicklung der chinesischen Vorgaben mitwirken. Die erste Version von Apples iPhone durfte 2010 wegen mangelnder WAPI-Unterstützung in China nicht einmal verkauft werden – bis das Unternehmen nachbesserte. Auch andere IT-Firmen wie CISCO, Qualcomm und Microsoft werden um solche Zugeständnisse nicht herum kommen, wenn sie in China weiter Geschäfte machen wollen.

Bundesregierung sollte pragmatisch sein

Chinas konsequenter Ausbau einer eigenen IT-Industrie und die zunehmende Abschottung des Marktes hat auch Auswirkungen auf Deutschland. Hauke Gierow prognostiziert, dass sich die Bundesregierung auf neue Auseinandersetzungen einstellen muss. Konflikte um den Schutz geistiger Eigentumsrechte und um einen besseren Marktzugang für deutsche Unternehmen werden sich durch die chinesische Cyber-Sicherheitsgesetzgebung deutlich verschärfen. Der technologische Vorsprung, den deutsche Unternehmen etwa im Bereich Industrie 4.0 und spezialisierter Business-Software derzeit noch besitzen, dürfte sich aufgrund der Entwicklung in China in den kommenden Jahren zunehmend verringern.

Den vollständigen Text des China Monitors »Cyber Security in China: »Mehr Sicherheit durch eigene IT-Technologie?« finden Sie unter: https://www.merics.org/redirect/cyber-security-3.html
Weitere MERICS-Studien zum Thema Cyber Security in China
  • »Chinas Cyber Security (I): Divergenzen hinsichtlich Informationskontrolle, Sicherheitsstandards und Industriepolitik als Herausforderungen für das deutsche China-Engagement« (https://www.merics.org/redirect/cyber-security-1.html).
  • »Cyber Security in China (II): Neue politische Führung setzt auf Stärkung der nationalen Sicherheit. Neuordnung der Internet-Regulierung. Beschränkung ausländischer Software. Entwicklung eigener IT-Standards« (https://www.merics.org//redirect/cyber-security-2.html)
Das Mercator Institute for China Studies (MERICS) ist ein im Jahr 2013 gegründetes Institut der gegenwartsbezogenen und praxisorientierten China-Forschung mit Sitz in Berlin. MERICS ist eine Initiative der Stiftung Mercator. MERICS ist weltweit eines der größten Institute für Forschung und Wissensvermittlung über das gegenwärtige China.
Weitere Informationen über das MERICS und seine Arbeit finden Sie unter www.merics.org.

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