Cloud Computing – die Philosophie und nicht die Technik dahinter verändert unsere Welt

Dass Cloud Computing inzwischen systemimmanent ist und die Grundlage unserer vernetzten d!conomy bildet, wird wohl von niemandem bestritten werden. Mit einem Wachstum von 37 Prozent hat sich der gesamte Markt von 2014 auf 2015 weiter nach oben geschraubt und sorgt damit weiterhin für viel Furore.

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Abbildung: Cloud-Ausgaben im Überblick. Quelle: Experton Group AG, 2015.

Der Public-Cloud-Markt (Cloud Services) wurde 2014 doch nicht ganz so stark gedämpft, wie zwischen 2013 und 2014 angenommen. Die Halbwertszeit der Angst durch Herrn Snowden war kürzer als gedacht, beziehungsweise der User-Wunsch nach Agilität, Flexibilität und immer wieder auch Kostenreduktion war größer als angenommen.

Nach aktuellen Prognosen der Experton Group werden 2015 die Ausgaben der deutschen Unternehmen für Cloud-Technologien, Cloud Services und entsprechende Beratungs- und Integrationsservices bei rund 9 Milliarden Euro liegen. Bis zum Jahr 2019 wird eine Steigerung des Volumens auf 27 Milliarden Euro erwartet, was besonders verdeutlicht, dass das Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist und auch in naher Zukunft Wachstum generiert werden kann.

Die Zunahme der Cloud-Technologien zum Aufbau privater Clouds – die natürlich primär der Cloud-Philosophie folgen und gerade in kleinen Unternehmen mit begrenzter Rechenzentrumsfläche keine überdurchschnittliche Elastizität vorweisen können/müssen – führt auf Anwenderseite zu einem steigenden Grad der Standardisierung, die Anwenderunternehmen überhaupt erst in die Lage versetzt, auf Public Clouds für Burst-, Test-, oder weniger kritische Szenarien beziehungsweise Applikationen zu setzen.

Strategische und inhaltliche Wegbereiter sind zum einen Managed Service Provider, die Anwendern dabei helfen (Muli-) Clouds zu orchestrieren und überhaupt Zugang zu typischen Clouds wie AWS oder Azure zu bekommen und zum anderen Cloud Colocation Hub Provider, die Connectivity, Performance und Security über den Erdball verteilt gewährleisten.

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Abbildung: Cloud Colocation Hubs

Der Impact für Hoster, die zum Managed Service Provider werden (müssen)

Managed Service Provider sollten sich daher verstärkt mit den Vorzügen und vor allem der Auswahl der Cloud Colocation Hub Provider auseinander setzen, um ihre Kunden individuell hinsichtlich Internetknoten- beziehungsweise Carrier und Best-of-Breed-Zugängen beraten zu können.

Ein typisches Managed Service Portfolio im Cloud-Umfeld beinhaltet verschiedene Service-Aspekte:

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Abbildung: Typisches Portfolio im Bereich Managed Services

Während Managed Service Provider Cloud Management & Orchestration Tools wie ihre Westentasche kennen, sind Anwender nicht immer in der Lage, die neuen Tools für das heterogene Infrastrukturmanagement richtig auszuwählen und letztlich einzusetzen. Die Weiterentwicklung klassischer Plattformen zur Steuerung und Provisionierung von Infrastrukturkomponenten führt in einigen Fällen bereits dazu, diese Lösungen zum Aufbau von Cloud-Broker-Plattformen zu nutzen. Die Abgrenzung dieser Plattformen, von denen aus dem Middleware-Umfeld zur primären Integration von externen Ressourcen und der Einbeziehung von Rollen- und Rechtesystemen im Hinblick auf Single Sign-on (SSO) zur kostenstellengenauen Abrechnung ist nicht immer eindeutig. Auch Aspekte des IT Service sowie Lifecycle Management spielen in dieser Hinsicht eine bedeutende Rolle. Die Welt wird also komplizierter.

Folglich ist das Marktsegment für Software zum Cloud Management und zur Orchestrierung so wettbewerbsintensiv wie kaum ein anderes Segment und von einer Vielzahl unterschiedlicher Marktakteure besetzt. Klassische Virtualisierungsanbieter, wie beispielsweise VMware, stehen dabei vor der Herausforderung, in dieser noch für Differenzierung geeigneten Disziplin die Schnittstellentransparenz aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die proprietäre Lösung gegenüber Open-Source-Alternativen zu platzieren. Zusätzlich sollte man im Jahr 2015 die API-Transparenz aufrechterhalten und als Anbieter eine Gradwanderung aus USP-Aufbau und Lock-in bei gleichzeitiger Kompatibilität zu Public Clouds und auch OpenStack-Providern (Distributors & Contributors) beherzigen.

OpenStack – alle wollen mitmischen, nur wenige haben den Durchblick

Ein wesentlicher Punkt ist daher speziell im Jahr 2015 der Anschluss an ein funktionierendes Ökosystem, um daraus einen eigenen Vorteil zu generieren. In vielen Fällen ist es beispielsweise der Aufbau von und die Kompatibilität zu OpenStack, das mit dem neuesten Release vor allem Folgendes verspricht und optimiert:

  • Stabilität und Elastizität (auch über Load Balancing API)
  • Bare-Metal Services für einen direkten Zugriff auf die Hardware
  • Stabilität und Konsistenz bei großer Plugin- und Konfigurationsvielfalt
  • Objekt-Speicherunterstützung auf App-Steuerungsebene
  • Identitätsmanagement in hybriden beziehungsweise Multi-n-Clouds
  • Entwicklungsprozessverbesserungen hinsichtlich Schlüsselverwaltung beziehungsweise API-Management und Container-Anbindung

Zwar sind in der jüngsten Vergangenheit viele Cloud-Projekte von und mit OpenStack begleitet oder gar aufgebaut worden, aber es hapert bei diesem komplexen und vielfältigen Framework bisher noch an einigen kritischen Komponenten hinsichtlich IT Service Management (ITSM) beziehungsweise Identity Access Management (IAM) und somit Steuerungsmöglichkeiten auf Federation-Level.

OpenStack drängt also immer weiter in höhere Gefilde der Middleware-Layer und vor allem solcher Services vor, die bislang meist durch eigene und in einigen Fällen auch etwas angestaubte Applikationsfragmente bekannter IT-Riesen besetzt waren.

Welche Firmen gehören zu den gewichtigsten OpenStack-Anbietern beziehungsweise treiben das Thema und das Ökosystem systematisch am Markt? Dies sind:

  • Rackspace
  • Red Hat
  • HP
  • IBM
  • Cisco

Basieren die Infrastrukturen oder Solutions dieser OpenStack Foundation Platinum Provider auf OpenStack, so gibt es darüber hinaus viele weitere Anbieter und Dienstleister, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, beziehungsweise kompatibel dazu sein möchten. Dazu gehören Hosting-Anbieter genauso wie das Virtualisierungs-Urgestein VMware. Eine besonders große Resonanz erfährt derzeit Mirantis aus den USA, die nun den (Hyper-) Converged-Systems-Markt mit einer Turnkey Appliance beziehungsweise der »Mirantis Unlocked Appliance« in Zusammenarbeit mit Dell and Juniper Networks gelaunched haben. Das Herz der konvergenten Appliance aus Hard- und Software ist die eigene Mirantis Openstack Distribution.

Converged Systems sind bislang bei maximal 10 Prozent der Anwender in deutschen Anwenderunternehmen im Einsatz und verkaufen sich nur schleppend. Neben dem Verständnis von einer noch überschaubaren Anzahl CIOs und IT-Administratoren zum Aufbau einer Private Cloud für die On-Demand-Service-Leistung nach ITSM, tragen Converged Systems maßgeblich zur Standardisierung und Private Cloud Readiness bei. Diese liegt aktuell nicht über 15 Prozent und ist stark ausbaufähig beziehungsweise nötig – schließlich konsumieren schon über 55 Prozent aller Anwenderunternehmen (Public) Cloud Services. Im Umkehrschluss ist also zu konstatieren, dass die überwiegende Mehrheit für den Agilitätsgewinn und auch zur Einsparung von Kosten das Risiko von nicht Compliance-konformer Service-Nutzung eingeht.

Heiko Henkes

 

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