Deutsche-Bank-Strategie 2020

Die Deutsche Bank hat ihre Konzernstrategie und die Transformation des Geschäftsmodells für den Zeitraum bis 2020 angekündigt. Mit ihrer »Strategie 2020« reagiert die Deutsche Bank auf Druck von Investoren, nachdem sich die Ziele ihrer 2012 angekündigten »Strategie 2015+« als unrealistisch erwiesen hatten.

Die Deutsche Bank bekennt sich grundsätzlich zum Geschäftsmodell der Universalbank, also der Verbindung von klassischem Privatkundengeschäft (PBC) mit dem von den Kapitalmärkten abhängigen Investmentbanking (CB&S). Der Konzern ist in vier operativen Unternehmensbereichen organisiert: Corporate Banking & Securities (CB&S), Private & Business Clients (PBC), Global Transaction Banking (GTB) und Deutsche Asset & Wealth Management (Deutsche AWM). Die Unternehmensbereiche werden von Infrastrukturfunktionen unterstützt. Aufwendungen der Infrastrukturfunktionen (beispielsweise Global Technology) werden den Unternehmensbereichen zugeordnet. In jedem Unternehmensbereich und jeder Region übernehmen Operating / Executive Committees die Steuerungsfunktionen (COO, CIO).

Ziele und Investitionen im Konzern: Neuausrichtung des Privatkundengeschäfts, Digitalisierung der Prozesse in allen Unternehmensbereichen, Transformation des operativen Modells und Schaffung wettbewerbsfähiger Kostenstrukturen (OpEx-Programm). Beispiel: Die Konzern-Aufwand-Ertrag-Relation (CIR) soll von derzeit 84 auf 65 Prozent in den nächsten Jahren reduziert werden.

Alles neu

Die Deutsche Bank will alle Unternehmensbereiche und das operative Modell strategisch neu ausrichten (effiziente IT- und Operations-Plattform durch IT-Standardisierung und reduzierte Komplexität). Im Fokus steht der Geschäftsbereich Private & Business Clients (PBC), der sich auf die Entwicklung eines beratungsorientierten Angebots und die Stärkung der Omni-Vertriebskanäle konzentrieren soll.

Die Deutsche Bank plant, die Postbank wieder an die Börse zu bringen (IPO) und erwartet die »Entkonsolidierung« (Business- und IT-Prozesse) von der Deutschen Bank bis Ende 2016. Die Postbank war 2010 für 6,5 Mrd. Euro übernommen worden. Angekündigt wurde die Einstellung der Integrationsprojekte, insbesondere bei der Core-Banking-Plattform »Magellan« (SAP) und im Middle- und Backoffice sowie die Rückkehr zu einem eigenständigem Postbank-Geschäfts- und Steuerungsmodell. Betroffen ist auch die integrierte PBC Banking Services GmbH als Back-Office Serviceeinheit.

Die Deutsche Bank hat Investitionen von 1,0 Milliarden Euro in Konzern-Digitalisierungsprojekte und 1,5 Milliarden Euro in die Unternehmensbereiche Global Transaction Banking sowie Asset & Wealth Management angekündigt. Insgesamt soll die Umsetzung der »Strategie 2020« 3,7 Milliarden Euro kosten und Einsparungen von 3,5 Milliarden Euro p.a. ermöglichen. Bis 2020 soll die globale Präsenz optimiert und die Anzahl der Länder oder lokale Standorte um bis zu 15 Prozent reduziert werden. Die Marktpräsenz in wachstumsstarken Zentren (beispielsweise China, Indien) soll ausgebaut werden.

Digitalisierung ist das Kernthema der Finanzindustrie

Werden die Digitalisierungsstrategien nicht stringent nach Plan umgesetzt, riskiert das Management eine Abwärtsspirale der Marktanteile und Erträge (Zinsen und Provisionen) aus dem operativen Geschäft. Die Deutsche Bank (PBC) beabsichtigt, bis 2020 rund 500 Millionen Euro in digitale Technologien zu investieren und als Konsequenz bis 2017 etwa 200 Bankfilialen zu schließen (seit dem Jahr 2000 wurden bereits 500 Filialen geschlossen). Die Umwälzungen betreffen insbesondere die Geschäftsprozesse und die Kundenschnittstellen im Retail Banking.

FinTech-Startups

Im Ausbau des »Social Advice« besteht noch erhebliches Potenzial. Beispiel Vermögensverwaltung: FinTech-Startups wie »Betterment« und »Wealth Front« bieten bereits eine umfassende Vermögensverwaltung, die vollständig ohne Berater auskommt (automatisierte Handelssysteme, sogenannte »Robo Advisers«). In Deutschland ist quirion die erste deutsche Onlineplattform für eine professionelle Vermögensverwaltung. Zunehmend bilden sich virtuelle Marktplätze (E-Hubs) mit neuen Geschäftsmodellen sowie Ertrags- und Kostenstrukturen. Ein Beispiel: Großbanken (Goldman Sachs, JP Morgan etc.) und die Technologiefirma AG Delta haben die Gesellschaft »Contineo« als Internetplattform für den Verkauf von aktienbasierten strukturierten Papieren Anfang 2015 gegründet (Digital Wealth Management Systems). Technologiegetriebene FinTech-Start-ups verändern mit ihren digitalen Geschäftsmodellen, Finanzprodukten und komplementären Services das Wettbewerbsumfeld.

Aus Sicht des CIOs erfordert der digitale Strukturwandel eine Neuausrichtung der IT-Strategien (»Bimodal-IT«) und führt dann zu digitalen Produkt- und Prozessinnovationen durch Mobile Services, Online-Portale, Cloud Computing, Social Business & Collaboration, Big Data Analytics und zur Neuausrichtung der Sourcing-Strategie. Die Weiterentwicklung der Multikanalstrategie, die Agilität der IT-Architektur (Business + Architektur + Technologie) und das Management von Datenqualität (Big Data Analytics) hat Top-Priorität. Die Verbesserung der Datenqualität (Chief Data Officer) ist eine Grundvoraussetzung in der Entwicklung neuer digitaler Finanzprodukte. Die Deutsche Bank hat das Potenzial von FinTech Start-ups im Innovationswettbewerb erkannt und initiiert Kooperationsmodelle mit Technologieprovidern (»Innovation Labs«). Banking-Digitalisierungsstrategien haben erhebliche strategische Auswirkungen auf Sourcing-Lifecycle, Cloud-Modelle und Vendor-Management. Ein Beispiel ist die Sourcing-Strategie: Die IT-Infrastruktur für das globale Firmenkundengeschäft wird zukünftig von HP betrieben (Cloud, Hosting etc.). Digitalisierung erfordert IT-Governance und ein erfolgreiches Business-IT-Alignment sowie Top-Management Visibilität und Akzeptanz. Neben Kosteneffizienz liegen die Potenziale in der Steigerung von Flexibilität, Transparenz und Skalierbarkeit. Die Deutsche Bank hat als nächste Schritte u.a. einen detaillierten Transformationsplan, die Weiterentwicklung des Governance Models und des Operating Models sowie die Detaillierung der strategischen Roadmap angekündigt.

Arnold Wagner

grafik deutsche bank experton digitalisierungsstrategie

 

Abbildung: Digitalisierungsstrategie – Investitionen in disruptive Technologien.

Quelle: Deutsche Bank.