Die beliebtesten und unbeliebtesten Freizeitbeschäftigungen

1981 fand die erste Untersuchung der »BAT-Stiftung für Zukunftsfragen« zum Freizeitverhalten der deutschen Bevölkerung statt. Damals gaben 67 Prozent der Bevölkerung an, regelmäßig in die drei Programme der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten zu schauen – Frauen seinerzeit deutlich häufiger als Männer. Mit diesem Ergebnis landete der Fernsehkonsum im Ranking der häufigsten Freizeitaktivitäten lediglich auf dem vierten Platz. Die Plätze eins, zwei und drei belegten Zeitunglesen, Handarbeiten und Gartenarbeit. Durch die Einführung des Privatfernsehens (1984) steigerte sich der Fernsehkonsum kontinuierlich und bereits 1990 lag er mit 90 Prozent auf dem Spitzenplatz. Hieran hat sich seitdem nichts mehr verändert und auch 25 Jahre später liegt Fernsehen mit nunmehr 97 Prozent auf dem ersten Platz der häufigsten Freizeitbeschäftigungen der Bundesbürger.

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Auf den Plätzen zwei und drei befinden sich heute mit Radio hören und Telefonieren von daheim Aktivitäten, die ebenfalls schon in den vergangenen Jahrzehnten weit vorn lagen. Vorgerückt auf den vierten Platz ist das Internet. Die Entwicklung ist hier beeindruckend: Während 1998 nur lediglich drei Prozent der Bundesbürger regelmäßig das World Wide Web nutzten, sind es mittlerweile fast drei Viertel der Deutschen (73 Prozent). Erstmals liegt das Internet damit vor dem Zeitunglesen.

Neben der Dominanz der Medien im Freizeitalltag der Bundesbürger halten sich aber auch regenerative Tätigkeiten wie Ausschlafen und seinen Gedanken nachgehen sowie soziale Aktivitäten wie Zeit mit dem Partner verbringen und über wichtige Dinge reden in den Top 10 der häufigsten Freizeitbeschäftigungen.

Freizeitaktivitäten, die die Mehrheit der Bürger nie ausübt

Die Mehrheit der Bundesbürger besucht eine Vielzahl von scheinbar beliebten Freizeitorten wie Theater, Fitnessstudio oder Vereinsheim so gut wie nie und auch die Nutzung von E-Books oder Videospielen muss realistisch beurteilt werden: diese Aktivitäten sind nur für einzelne, kleine Zielgruppen relevant, nicht für die Mehrheit der Deutschen. Ein sehr ernüchterndes Ergebnis zeigt sich zudem beim ehrenamtlichen Engagement: Drei von fünf Deutschen engagieren sich nie ehrenamtlich in ihrer Freizeit.

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Im Jahresvergleich der »Freizeit-Blacklist« zeigt sich einerseits Kontinuität, anderseits jedoch auch Veränderung. So wurde bereits 2004 nur selten gehandarbeitet, gecampt oder Videospiele gespielt. Aber 2004 wollte die Mehrheit der Bundesbürger auch vom Internet oder Wellnessangeboten nichts wissen und diese erfreuen sich gegenwärtig einer zunehmenden Beliebtheit.

Zukunftssorgen muss sich die Hochkultur machen: Waren es 2004 »nur« 45 Prozent der Bürger, die niemals ins Theater, die Oper oder zu einem Klassikkonzert gingen, sind es 2015 bereits 54 Prozent. Verantwortlich für diese Entwicklung sind u.a. die »gealterte« Besucherstruktur, die Kosten und die Konkurrenz durch andere Freizeitangebote.

Die beliebtesten Freizeitaktivitäten der Deutschen nach Lebensphasen

Auch wenn das Fernsehen weiterhin das Leitmedium der Bundesbürger bleibt, zeigt sich doch die zunehmende Konkurrenz des Internets. So rangiert diese Aktivität bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen mittlerweile auf dem ersten Platz, bei kinderlosen Paaren, Singles und Familien in der Altersstufe von 25-49 Jahren auf den Plätzen vier, fünf und sechs. Und auch die meisten Jungsenioren sind mittlerweile online und nutzen das Internet ebenso regelmäßig wie selbstverständlich. (Noch) nachgeordnet bleibt das Internet in der großen Gruppe der über 65-Jährigen und landet dort nur auf Platz 21 der häufigsten Freizeitaktivitäten, hinter Gartenarbeit oder Kreuzworträtsel lösen. Nichtsdestotrotz hat sich auch in dieser Lebensphase der Anteil der regelmäßigen Nutzer in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt, sodass mittlerweile ein gutes Drittel regelmäßig online ist.

tabelle bat freizeit aktivitäten nach lebensphasen

Innerhalb der Top 10 nach Lebensphasen zeigen sich zudem einige Auffälligkeiten:

  • Neben Fernsehen sind Radio hören und Telefonieren von zu Hause die einzigen Aktivitäten, die in jeder Lebensphase in den Top 10 vertreten sind.
  • Bei den jungen Erwachsenen und Singles taucht in den Top 10 keine persönliche soziale Aktivität auf, sondern fast nur durch Medien geprägte.
  • Faulenzen und Nichtstun gehören nur bei den Ruheständlern zu den häufigsten Aktivitäten.
  • Stetig mehr Eltern beschäftigen sich mehr mit dem Internet als mit den eigenen Kindern.
  • Jugendliche, junge Erwachsene und kinderlose Paare telefonieren mehr von unterwegs als von daheim.
  • Der größte Freizeitwunsch »Spontan tun, wozu ich gerade Lust habe« ist in keiner Lebensphase in den Top 10 vertreten.
[1] Freizeit­mo­nitor 2015 der Stiftung für Zukunfts­fragen https://www.freizeitmonitor.de/

[2] https://ap-verlag.de/freizeit-wunsch-und-wirklichkeit/12769/

[3] https://ap-verlag.de/freizeitstress-statt-erholung-in-der-freizeit/12765/