Die Deutsche Börse Cloud Exchange im dritten Frühling – Die Entwicklung bis heute

Mit schöner Regelmäßigkeit gibt es alljährlich im Mai Neuigkeiten von der Deutschen Börse Cloud Exchange (DBCE) zu berichten. Im Mai 2013 wurde die DBCE AG gegründet, im Mai 2014 begann die Pilotphase des Cloud-Marktplatzes und ab Mai 2015 steht der Marktplatz nun allen offen, und Kunden können sich über die Webseite selbst als Käufer registrieren. Die Testphase hat etwas mehr Zeit in Anspruch genommen, als vorher geplant, und dafür gibt es gute Gründe.

Der Marktplatz bestand prinzipiell aus zwei Plattformen: eine für den eigentlichen Handel (Vergleichen & Kaufen) und eine für die Nutzung (Verwaltung) der IaaS-Ressourcen. Anfangs lag der Schwerpunkt auf der Handelsplattform. Damit diese hochkomplexe Plattform allerdings den von vorneherein bestehenden hohen Erwartungen gerecht wird, musste das DBCE-Team zunächst alle Kräfte auf die reibungslose Ressourcen-Verwaltung als Grundlage für den Handelsplatz konzentrieren. Als Konsequenz wurde die integrative Testphase verlängert und notwendige Änderungen vorgenommen. Dafür gebührt keine Kritik sondern Lob! Genau dazu ist eine Pilotphase schließlich da, und die Verzögerung war – dank unzureichender Transparenz und Standardisierung auf IaaS-Provider-Seite – absolut nachvollziehbar und angebracht.

Wenn der Marktplatz nun nach dieser steilen Lernkurve im Mai 2015 an den Start geht, bietet er Kunden beziehungsweise Einkäufern von Cloud-Infrastrukturen folgende Vorteile:

  • Transparenz in der IaaS-Providerauswahl (nach Preis, Leistung, Speicherort)
  • Übersichtliche Ressourcen-Verwaltung
  • Neuartige Performance-Überwachung (mit Garantie) und
  • Enterprise-konformes Abrechnungssystem

All diese Funktionen werden über ein integriertes und leichtgewichtiges Frontend bereitgestellt, das von Zimory und der Deutschen Börse gemeinsam entwickelt wurde.

Der gegenwärtige Status Quo

In der noch laufenden Testphase kaufen ca. 30 Kunden (vom Start-up bis zum Großkonzern) IaaS-Ressourcen (Rechenleistung, Arbeitsspeicher und Speicherkapazität) auf dem Marktplatz bei fünf, eher kleineren, Providern ein. Ziel ist es, die Anzahl an Providern bis Ende des Jahres mindestens zu verdoppeln. Die Kunden befinden sich aktuell noch im Testmodus, daher sind die Handelsaktivitäten bisher noch überschaubar. Man darf gespannt sein, wie sich die Teilnehmerliste in der nächsten Zeit, nach dem »Go live«, nach oben entwickeln wird. Zu den heutigen Partnern gehören unter anderem Fritz & Macziol (Deutschland), T-Systems, ServiceNow (USA), iNNOVO (Deutschland), Ultimum Technologies (Tschechien) und Cloud & Heat (Deutschland). Weitere befinden sich im On-boarding-Prozess.

Der Blick in die Zukunft – aus Sicht der User (Einkäufer) und Provider (Lieferanten)

Zunächst einmal lebt solch ein Marktplatz natürlich von der entsprechenden Nachfrage und dem Ökosystem. Sofern sich also die Nachfrageseite auf der Plattform positiv entwickelt, wird der Marktplatz aufgrund seines Handelsvolumens auch zunehmend interessant für Provider. Im ersten Schritt erwarten wir einen ganzen Schwung an Testkäufern – der Plattform-Peak aus Neugier. Vornehmlich erst einmal Kunden, die unkritische Bedarfsspitzen haben und diese kostengünstig abdecken wollen beziehungsweise auch neugierig sind. Das wird in der Startphase der erste Härtetest für den Cloud-Marktplatz.

Nach dem Überwinden dieser kritischen Anfangsphase werden die Kunden Vertrauen aufgebaut haben und ihren Konsum nach und nach weiter steigern. Die (großen) Provider werden wohl diesen äußerst interessanten und anziehenden Marktplatz skeptisch verfolgen und prüfen, wie dieser in nächster Zeit von Kunden angenommen wird. Viele Provider sehen einen Handelsplatz für IaaS-Ressourcen eher mit gemischten Gefühlen, denn eine reine Differenzierung über den Preis (die restlichen Parameter wie Leistung und Speicherort sind ja dank der Handelsplattform transparent vergleichbar) wird ihnen das Überleben langfristig sicherlich nicht garantieren. Dieser Marktplatz kann für viele Provider daher eher ein »Add-on-Business« sein zu den eigenen Managed Services, die eine höhere Marge zulassen.

Ziel für Provider wäre also, den Verlust durch Unterauslastungen der eigenen Rechenzentrumsressourcen so gut wie möglich, und mit wenig Vertriebsaufwand, zu minimieren. Und wenn möglich, neue Kunden zu gewinnen und hin zu höherwertigen Services (Managed Services) zu entwickeln.

Des Weiteren ist der Cloud-Marktplatz der Deutschen Börse auch für kleine Cloud Service Provider attraktiv, die aufgrund ihrer Lokation im Ausland Kostenvorteil haben und so nun, trotz fehlender Vertriebsressourcen, auf dem deutschen und europäischen Markt aktiv werden können. Interessant könnte der Marktplatz aber gerade auch für IT-Abteilungen werden, die eigentlich nicht als externer Service Provider auftreten. Diese könnten ihre Überkapazitäten nun auch sehr einfach extern anbieten (ohne Vertriebsaufwand) und somit ihre internen IT-Kosten minimieren.

Der Marktplatz bietet eine ideale Austauschplattform von überschüssigen IT-Ressourcen direkt zwischen IT-Abteilungen (interne Cost Centers) vorbei an Service Providern. Eine IT-Genossenschaft, bei der nicht der Profit, sondern die gegenseitige Kostenminimierung im Fokus steht, wäre eine lohnenswerte Vision für IT-Abteilungen. Somit schließt sich auch wieder der Kreis zur Deutschen Börse, denn Genossenschaften und die Bankenwelt waren schon immer eng miteinander verbunden.

Die Deutsche Börse bietet derzeit infrastrukturorientiertes Cloud Computing in Reinkultur und erhöht nochmals den Druck und die Transparenz im IaaS-Markt. Nach dem etwas holprigen Start, aufgrund der zunächst nicht überschaubaren Intransparenz und fehlenden Standardisierung im Cloud Markt, der ja eigentlich für Standardisierung steht, sollte nach aktuellen Erkenntnissen die erste Hürde »Marktstart« mit Bravour genommen werden. Nach dem Hype muss sich der Marktplatz also in dem hochgradig durch Konkurrenz gekennzeichneten digitalisierten Markt behaupten und vor allem differenzieren.

Künftig wird es also besonders interessant sein zu beobachten, ob die DBCE weiterhin »nur« ein Broker für IaaS-Ressourcen bleibt, und wie schnell die ursprüngliche Intention des Handelns von individualisierbaren beziehungsweise durch Managed Services angereicherten Cloud-Kontingenten – auf Basis der ausgefeilten Cloud-Management- & Orchestrierungs-Plattform von Zimory («Leader« im Cloud Vendor Benchmark von Experton Group) – zum Leben erweckt werden kann. Ziel von DBCE ist es, diesen evolutionären Schritt 2016 Realität werden zu lassen.

Arnold Vogt, Heiko Henkes

Im Folgenden finden Sie eine Kategorisierung von Cloud-Marktplätzen und Broker-Plattformen:

grafik experton cloud vertriebsmodelle

Abbildung: Kategorisierung von Cloud-Vertriebsmodellen. Quelle: Experton Group AG, 2015.

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