#Dieselgate von VW: Würden Sie wieder ein Dieselfahrzeug kaufen?

foto cc0 vw käfer tuning

Die Geschehnisse rund um den sogenannten VW-Skandal um manipulierte Ergebnisse bei den Abgastests von Dieselfahrzeugen in den USA schlagen weltweit hohe Wellen. Die Naether Marktforschung führte eine kurzfristige Onlinebefragung durch, die ein Stimmungsbild zur Wahrnehmung und den möglichen Folgen des Handelns von VW geben soll [1].

Etwa 30 Prozent der Teilnehmer haben innerhalb der vergangenen fünf Jahre ein Dieselfahrzeug neu gekauft. Hauptgründe für die Entscheidung zugunsten eines Diesels sind klar die günstigen Unterhaltskosten (für 74 Prozent) sowie die Annahme, dass es im Vergleich zu Fahrzeugen mit Benzinmotoren keine signifikanten Leistungseinbußen gibt (29 Prozent). Außerdem gelten Dieselmotoren als sehr robust, was für knapp die Hälfte mit ein Grund für den Kauf eines Dieselfahrzeugs war (46 Prozent).

Anzeige

 

Für ebenfalls knapp die Hälfte dieser Befragten spielte für den Kauf allerdings auch eine Rolle, dass es sich beim Diesel um eine saubere und umweltfreundliche Technologie handelt. Zwar ist dieser Aspekt nicht alleine kaufentscheidend gewesen, für immerhin 17 Prozent spielte dieser Aspekt aber eine entscheidende Rolle bei der Kaufentscheidung. Insofern kann man ernsthaft von einer Täuschung des Verbrauchers sprechen.

Zwar würde die knappe Mehrheit der aktuellen Dieselfahrer bei einer zukünftigen Kaufentscheidung wieder einen Diesel in Betracht ziehen, 40 Prozent jedoch sind sich unsicher darüber, wieder einen Diesel zu kaufen (bzw. schließen dies aus 6 Prozent). Ohne konkrete Vergleichswerte zu haben und trotz der Tatsache, dass die Umfrage sehr zeitnah zu den Enthüllungen durchgeführt wurde, ist dies laut Naether dennoch ein recht hoher Wert.

Fahrzeuge mit alternativen Antriebsformen – Hybrid oder Elektro – sind für rund die Hälfte der aktuellen Dieselfahrer eine Option bei einem zukünftigen Autokauf.

Wieweit sich der Imageschaden konkret für VW auswirken wird, kann natürlich mit einer solchen Befragung nicht beantwortet werden, gibt Frank-Thomas Naether zu, interessant sei allerdings, dass mit fast 90 Prozent der absolut größte Teil aller Befragten davon ausgehe, dass andere Fahrzeughersteller vor ähnlichen Problemen stünden wie Volkswagen und VW damit keinen Einzelfall darstelle – nur eben der erste Fall, der publik geworden sei.

So zeigt sich die Mehrheit der Befragten überzeugt, dass VW die jetzige Krise in den Griff bekommen wird. Trotzdem: 37 Prozent der Teilnehmer sehen für Volkswagen ein Riesenproblem, von dem man nicht sicher ist wie und ob der Hersteller es lösen kann bzw. wird. Der Anteil derjenigen, die ihren Glauben und das Vertrauen in die Marke komplett verloren haben, ist mit 7 Prozent eher gering.

Wie Volkswagen in der (näheren) Zukunft mit dem Thema umgeht und wie offen und glaubwürdig es die eigenen Anstrengungen kommuniziert, wird von zentraler Bedeutung sein und wie stark VW verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann.

Offenkundig ist das gesamte System der Abgaskontrolle aus der Sicht der meisten Befragten alles andere als glaubwürdig und die offiziell ermittelten und kommunizierten Verbrauchs- und Abgaswerte realitätsfern.

Es erscheint in diesem Zusammenhang auch paradox, dass eine ›alte‹ Motorentechnologie durch verdeckt eingesetzte moderne Software quasi ›künstlich‹ am Leben erhalten werden soll.

Auf dem Spiel steht die generelle Glaubwürdigkeit von Diesel als umweltfreundlichem und ›sauberem‹ Antrieb. In einer Zeit, in der der Markt der Elektrofahrzeuge in Bewegung kommt und vor dem großen Durchbruch steht, ist dies für die großen Autohersteller, die stark auf Diesel setzen und nach überwiegender Wahrnehmung nur sehr zögerlich mit neuen Antriebskonzepten auf den Markt kommen, durchaus nicht ungefährlich und es kann sein, dass die VW-Affäre deshalb irgendwann einmal rückwirkend eine Zäsur darstellt

Zusammenfassung

VW wird durch die Abgas-Affäre enorm durchgeschüttelt, erscheint aber stark genug, diese Krise zu meistern, wenn man bei der Bewältigung transparent und glaubwürdig kommuniziert.

Für VW könnte der Herbst 2015 auch eine Chance für einen echten Neuanfang im Hinblick auf die Aufstellung eines modernen und zukunftsgerichteten Unternehmens sein.

Diesel ist als ein für die Zukunft tragfähiges Konzept keine Lösung und wäre ein Schritt zurück und nicht nach vorn.

Generell ist die aktuelle Dieselkrise auch Ausdruck und Beschleuniger für die Etablierung neuartiger Antriebskonzepte, bei denen Hybridfahrzeuge nicht mehr als ein Zwischenschritt sind. Nur Hersteller, die sich konsequent darauf einstellen, haben auf Dauer eine Chance.

Das derzeitige System der Definition und Ermittlung von Verbrauchs- und Emissionswerten ist unrealistisch und auf eine bestimmte Weise verlogen. Es sollte für eine transparente Diskussion ersetzt werden durch ein ›ganzheitliches‹ System im Sinne einer Ökobilanz (auch die Erzeugung des Stroms für Elektrofahrzeug erzeugt Emissionen).

[1] Die Studie erhebt keinen Anspruch darauf, methodisch ›sauber‹ zu sein, vielmehr sollte, rekrutiert über verschiedene Kanäle der sozialen Medien, ein Stimmungsbild zur Wahrnehmung und den möglichen Folgen des Handelns von VW gewonnen und ›eingesammelt‹ werden.
Die Naether Marktforschung GmbH, Hamburg führte eine kurze und kurzfristige Onlinebefragung durch, an der zwischen dem 25. und 27. September 2015 insgesamt 241 Personen teilnahmen.
https://blog.naether.de/category/allgemeines/