Disruptive Cloud-Trends – eine Philosophie greift um sich

Cloud Computing hat nicht nur dafür gesorgt, dass der Bezug und Konsum von IT-Ressourcen sexy sein kann und immer häufiger wird, die Philosophie hinter diesem Modell, das auf Virtualisierung von HW-Ressourcen und somit der Abstraktion der physisch greifbaren Welt basiert, prägt unsere Generation über weite Teile unserer Gesellschaft. Daher sollen die folgenden Schlagworte kennzeichnend für aktuelle Tendenzen einen kleinen Einblick in die Welt des Silicon Valleys geben:

grafik experton cloud schlagworte

Abbildung: Disruptive Trends aus der Cloud-Szene. Quelle: Experton Group AG.

Software-Defined Networks (SDN) waren im Prinzip der Anfang dieser neuen Generation von Ressourcen, die letztlich auf transparenten Schnittstellen und Virtualisierung die untersten Layer intelligenter und steuerbarer machten. Dieser Trend verbreitet sich zunehmend weiter nach oben in der Layer-Hierarchie und führt zu Software-Defined Datacenters und Multi-Cloud-Architekturen. IaaS wird dadurch zunehmend zur Commodity und mit PaaS als kontinuierlicher und automatisierter Integrationsplattform kombiniert. Der Trend zum Container Management verlangt zugleich auch nach neuen Tools zum Repository- beziehungsweise API-Management für den Durchblick in den Mashups von morgen.

Die DevOps-Mentalität als Begrifflichkeit, die kurze Wege zwischen IT-Administration, Software- beziehungsweise Serviceentwicklung und letztlich Management beschreibt, steht für agile, integrierte und ganzheitliche Prozesse und natürlich für ein schnelles Go to Market.

In dieser Hinsicht dockt das Application-Centric/Agile Development als Paradebeispiel der Verzahnung von Meilensteinen mit kleinen gekapselten »Bröckchen« beziehungsweise Apps nahtlos an die Fabric-Based Datacenter-Struktur und die DevOps-Mentalität an und führt zu immer kürzeren Release-Zyklen und Fortschritten.

Der Trend wird durch API-Modularität über hardwarenah kommunizierende und sich selbst konfigurierende Container befeuert – APIs sind der kleinste gemeinsame Nenner der »d!conomy«.

Open Source wird dabei in vielen Fällen zum Enabler beziehungsweise zur Schlüsselkomponente für Innovationskraft. Der Code wird getrimmt, so dass das Ökosystem die Schleifarbeit und Fehlersuche übernimmt und für Anbieter zum Know-how-Lieferanten wird. Aus Community Editions werden SLA-konforme Enterprise Editions mit professionellem Support. Dies wird auch der Grund für den Agilitätsgewinn hinsichtlich der Features und Integrationsfähigkeit von Open Stack als »Cloud Stack« oder »Cloud OS« sein und Unternehmen wie Citrix, VMware und Microsoft langfristig unter Druck setzen. Kurz bis mittelfristig sind Anwender noch nicht bereit für diese Technologie, die noch nicht richtig gehärtet ist und vor allem noch keine ausreichenden Referenzen mit harten SLAs oder auch Kunden in regulierten Bereichen vorweisen kann. Die Affinität der Linux-Gemeinde und Linux-Sympathisanten in öffentlichen Bereichen sowie in den großen Enterprises wird allerdings genau dieses Manko auszugleichen wissen.

Hyper Converged Systems dienen als Cloud-Einstieg und führen zu einer Erhöhung der Standardisierung von Private Clouds bei Anwendern und auch Anbietern. Es bilden sich Hybrid Cloud Brückenkonstrukte.

Cloud Broker (integriert auf Basis von Cloud Management und iPaaS) konkurrieren inzwischen immer häufiger durch integrierte enterprise-konforme IT-Auslieferung mit häufig SaaS-zentrierten Marktplatzbetreibern.

Spezielle Trends aus Sicht der ISVs

  •  Cloud-Markt gesamt bei ca. 10 % des IT-Marktes à traditionelle Märkte schrumpfen; allgemeine Verschiebung zu Services

o        SW-Markt ist dickster Brocken und kämpft gegen die SaaS-Dominanz an

  •  Hybrid / Multi (n-) Clouds werden Realität; IAM und ITSM kommen (wieder)

o        Nur SaaS kann diesen Anforderungen gerecht werden

  •  Cloud-Transformation weiterhin relevant – »Mobile / Social / Big Data & Security« als wichtige IT-Trends digitaler Welten

o        Basis Prozess-Kollaboration entlang der Supply Chain, nur mit SaaS

  •  Digitalisierung der Geschäftsprozesse – Marktplätze werden differenzierter

o        Ohne SaaS kein Teil der zunehmenden Digitalisierung und des IoT

  •  Broker drängen auf den Markt, IaaS wird transparent und integriert – Druck erhöht sich

o        Provider suchen Zuflucht in den höhergelagerten und komplexeren Managed Services Bereichen

o        Der Skill-Aufbau befeuert den ISV SaaS-Absatzkanal als verlängerte Werkbank über Managed Hosted Clouds, in Kürze auch über HyperScaler-Plattformen

Chancen ergreifen

Die Cloud senkt nach wie vor nicht nur die eigenen Einstiegshürden deutlich ab, sondern gibt darüber hinaus auch kleinen und mittelständischen Unternehmen die Chance, professionell gemanagte und hochskalierbare IT-Ressourcen zu günstigen und transparenten Konditionen im Vergleich zu Eigenerbringung zu nutzen. Sind Skills in den eigenen Reihen nicht ausreichend vorhanden, geht man den Weg mit einem Dienstleister. Dieser hat sicherlich nach wie vor die Chance über ein kleines Einstiegsprojekt eigene Stärken zu demonstrieren und sukzessive auch Outsourcing-Optionen über den Weg der höherwertigen Managed Services geboten zu bekommen.

Der Markt wird zunehmend digital und ist über Multi-Clouds miteinander verwoben. Die Frage »gehen wir in die Cloud?« stellt sich heute trotz zunehmender Sicherheitsrisiken nicht mehr – man fragt sich heute vielmehr, wie genau man diese Schritte bewerkstelligt und findet zunehmend Lösungen für beinahe jeden noch so harten und mit Regularien behafteten Fall. Der gestiegene Reifegrad auf der Seite der Cloud Transformationsdienstleister führt dazu, dass sowohl Kunden mit Blick auf die Kosten als auch Kunden mit Wunsch nach Flexibilität beziehungsweise Agilität und auch Sicherheit fündig werden.

Heiko Henkes, Experton Group

 

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