E-Commerce ist keine Konkurrenz für den stationären Handel

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Groß ist die Angst, dass im Zuge der Digitalisierung der stationäre Handel vom E-Commerce-Business verdrängt wird. Die Geschäfte in Innenstädten würden verschwinden und familiengeführte Läden müssten Online-Shops weichen, ist der mediale Tenor – und das nicht erst seit dem Aufstieg der Samwer-Brüder. Diese sind der Inbegriff von E-Commerce in Deutschland, denn neben Zalando besitzen die Berliner weitere Onlineunternehmen, die auf die Produktvermarktung im Netz spezialisiert sind. Creditsafe Deutschland kann mit der jüngsten Datenauswertung zum stationären und Online- Handel die Befürchtungen entkräften. In der Analyse wurden ca. 100.000 registrierte Unternehmen berücksichtigt, davon 5000 aus dem E-Commerce.

Insolvenzzahlen im stationären Handel seit 2013 halbiert. E-Commerce-Konkurse gehen zurück.

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In diesem Jahr mussten bereits 594 traditionelle Händler Insolvenz anmelden und damit 27,8 % weniger als noch im Vorjahr. Creditsafe Deutschland-Geschäftsführer Goran Filipovic kommentiert das positive Ergebnis so: »Im vergangenen Jahr stellten wir in der Textilbranche fest, dass Online-Unternehmen große Marktanteile gewinnen konnten und maßgeblich zum Branchenumsatz beitrugen. Auf den gesamten Handelssektor betrachtet, ist dies allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, weil stationäre Händler immer noch den wichtigsten Vertriebskanal darstellen«.

Gegenüber 2013 ist die Insolvenzquote von Ladenbetreibern in diesem Jahr sogar um 42,2 % gesunken. Ausschlaggebend dafür ist die gute Binnenkonjunktur, da die Deutschen dank niedriger Inflation und einem Anstieg der Reallöhne wieder mehr Geld für den Konsum haben. Von dieser Entwicklung profitieren auch E-Commerce-Unternehmen. In diesem Jahr registriert Creditsafe 50 Insolvenzen von Online-Händlern, im vergangenen Jahr waren es noch 65 Konkurse. Für Aufsehen sorgte die Insolvenz des Online-Shops Getgoods. Erst schaffte der Onlinehändler Arbeitsplätze in der wirtschaftlich ohnehin angeschlagenen Stadt Frankfurt / Oder und nun wird gegen deren Verantwortliche unter anderem wegen Betrugs ermittelt – über 65 Mitarbeiter mussten im Zuge der Insolvenz ihren Platz räumen.

Über 2000 neue Händler wagen sich auf den Markt. Neugründungsquote im E-Commerce halbiert.

In diesem Jahr wurden deutschlandweit 2.414 neue Gewerbeanmeldungen von Händlern registriert, davon entfallen 2.072 auf den Lokalen Handel und 342 auf Online-Händler. Beide Handelssparten verbuchen in diesem Jahr insgesamt weniger Neuanmeldungen gegenüber den Vorjahren. Im Onlinehandel hat sich die Quote fast halbiert und im lokalen Geschäft wurden 30 % weniger neue Läden registriert. Als Hauptgrund für den Rückgang neuer Firmen im Onlinehandel sieht Goran Filipovic die Konkurrenz: »Im Onlinehandel beherrschen Konzerne wie Amazon den Markt. Beinahe jedes Produkt ist auf der Onlineplattform erhältlich und aufgrund der Präsenz sowie Reichweite ist es für Internetunternehmer eine große Herausforderung, sich zu behaupten«.

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Umsatzverteilung: 78 % aller Onlinehändler erwirtschaften weniger als 1 Millionen Euro im Jahr.

In Deutschland erwirtschaftet der Großteil aller Onlineshops bis zu 1 Mio. Euro, dies geht aus der Analyse des Bonitätsdienstleisters Creditsafe hervor. Immerhin jeder sechste Online-Händler erwirtschaftet zwischen 1 bis 5 Millionen – im vergangenen Jahr war es noch jedes fünfte Unternehmen. Damit bestätigt sich die Prognose von Goran Filipovic aus der letztjährigen Analyse, »dass weniger Firmen, aufgrund des starken Wettbewerbs, sich am Markt etablieren können«. Lediglich 1,5 % aller registrierten Onlinehändler erwirtschaften einen Umsatz, der über 50 Mio. Euro liegt. Im stationären Handel erreichen lediglich 0,5 % diese Umsatzstufe. Fast jeder 4. lokale Händler erreicht einen Jahresumsatz von bis zu 5 Millionen Euro. Insgesamt 3 % weisen einen Umsatz zwischen 5 Mio. und 10 Mio. Euro aus. Während im stationären Handel tendenziell mehr Unternehmen den Sprung in die nächste Umsatzstufe schaffen, ist die Entwicklung bei Onlinehändlern rückläufig.