Ein Drittel aller Server sind Zombies

foto dell poweredge C6320_1

Rund ein Drittel aller Server sind in Betrieb, obwohl sie nicht benötigt werden. Diese Zombie-Server verbrauchen nicht nur Strom, sie verursachen auch hohen Arbeitsaufwand und erhebliche Kosten. Dell-Experte Peter Dümig rät daher zu einer konsequenten Bestandsaufnahme und Analyse, um die Zombie-Server zu identifizieren und so schnell wie möglich abzuschalten.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie [1] der Stanford University und der Anthesis Group werden rund ein Drittel aller in Rechenzentren betriebenen Server nicht benötigt und sind damit nutzlose Stromverbraucher. Die Studie bezeichnet diese Server als »komatös« und hat den weltweiten Energiebedarf dieser Systeme auf vier Gigawatt hochgerechnet.

»Auch wenn die genauen Prozentzahlen von Unternehmen zu Unternehmen schwanken, beobachten auch wir bei Anwendern insgesamt einen ähnlich hohen Anteil ungenutzter Server, die trotzdem ständig in Betrieb sind«, erklärt Peter Dümig, Sr. Server Product Manager bei Dell in Frankfurt am Main.

Ungenutzte oder redundante Anwendungen

Die Haupursachen für das Auftreten derartiger Zombie-Server liegen im Betrieb ungenutzter oder redundanter Anwendungen, in Applikationen, die nur noch aus »historischen« Gründen weiterlaufen, oder in Anwendungen, die in komplexe Abläufe eingebunden sind und die niemand im Unternehmen mehr versteht. Für solche »untote« Anwendungen werden dann möglicherweise sogar mehrere untote Server eingesetzt.

»Der sinnlose Energieverbrauch ist nur aber ein Problem, das sich aus dem Betrieb von Zombie-Servern ergibt«, so Dümig weiter. »Im System-Management werden diese Systeme natürlich weiter berücksichtigt: Sie werden verwaltet, verfügbar gehalten, es werden Backups gemacht, ja womöglich werden sogar noch Updates durchgeführt. Und wenn es ganz unglücklich läuft, wird die Zombie-Hardware im Rahmen der regulären Beschaffungszyklen auch noch regelmäßig erneuert. Unterm Strich entstehen ein hoher Arbeitsaufwand und erhebliche Kosten ohne jeden Nutzen. Und wenn wir hier von etwa 25 bis 40 Prozent aller Server eines Rechenzentrums sprechen, dann geht es dabei wirklich nicht um Peanuts.«

Virtualisierung ist nicht die Antwort auf das Phänomen der Zombie-Server, denn was nicht benötigt wird, muss auch nicht virtualisiert werden; das würde das Problem nur auf eine andere Ebene verlagern. Unternehmen müssen vielmehr eine konsequente Bestandsaufnahme, eine umfassende Analyse der existierenden Applikationen und deren Nutzung durchführen, um die Zombies zu identifizieren und umgehend aus dem Verkehr zu ziehen. Da immer wieder Anwendungen aus unternehmensinternen »politischen« Gründen angeschafft, betrieben und dann nie wieder abgeschaltet werden, sollten Unternehmen für diese Bestandsaufnahme auf die neutrale Sichtweise externer Berater zurückgreifen.

»Um es ganz offen zu sagen: als Hardwarehersteller profitieren wir eigentlich von diesen Zombies«, resümiert Dümig. »Aber es wäre einfach nicht seriös, die Anwender hier nicht im Sinne einer effizienten Rechenzentrumsstruktur zu beraten. Man kann Unternehmen also nur empfehlen, dieses Problem schnellstmöglich anzupacken. ›Never change a running system‹ wäre hier der ganz falsche Ansatz. Nur eine schonungslose Analyse kann hier als digitaler Holzpflock gegen diese Untoten weiterhelfen.«

[1]  https://anthesisgroup.com/wp-content/uploads/2015/06/Case-Study_DataSupports30PercentComatoseEstimate-FINAL_06032015.pdf

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