Einkommenserwartung auf höchstem Stand seit der Wiedervereinigung

Die Stimmung der Verbraucher entwickelt sich im April uneinheitlich. Das Konsumklima verbessert sich weiter, jedoch nicht mehr so stark. Für Mai prognostiziert der Gesamtindikator 10,1 Punkte nach 10,0 Zählern im April. Die Einkommenserwartung legt weiter zu, während die Konjunkturerwartung wie auch die Anschaffungsneigung leicht zurückgehen.

Niedrige Inflationsraten sowie die Aussicht auf deutliche Einkommenssteigerungen lassen die Einkommenserwartung weiter ansteigen. Allerdings profitiert die Anschaffungsneigung in diesem Monat nicht davon und verliert etwas. Sie bleibt jedoch auf sehr hohem Niveau. Die Konjunkturerwartung muss nach vier Anstiegen in Folge leichte Einbußen hinnehmen. Offenbar zeigt das ständige Hin und Her um die Zukunft Griechenlands in Europa nun doch erste Wirkung bei den Konsumenten.

Konjunkturerwartung legt Verschnaufpause ein

Nach vier Anstiegen in Folge legt die Konjunkturerwartung im April eine kleine Verschnaufpause ein. Der Indikator verliert 1,5 Punkte und weist nun 35,3 Zähler auf. Möglicherweise hinterlässt das anhaltende Ringen um die Zukunft Griechenlands – vor allem um dessen Verbleib in der Eurozone – erste Spuren in den Köpfen der Verbraucher und lässt somit deren Konjunkturoptimismus nicht weiter steigen.

Allerdings zeigen die Rahmenbedingungen eher in die andere Richtung. So nehmen die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer jüngst veröffentlichten Wachstumsprognose an, dass das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2015 um 2,1 Prozent steigen wird. Im Herbst waren sie noch von 1,2 Prozent ausgegangen. Dies wird in erster Linie mit dem schwachen Euro und der niedrigen Inflationsrate begründet, die sowohl die Exporte wie auch den Konsum beflügeln.

Einkommenserwartung bleibt hoch

Im Gegensatz zur Konjunkturerwartung legt die Einkommenserwartung auch im April weiter zu. Nach einem Plus von 2 Punkten klettert der Indikator auf 55,1 Zähler und erreicht damit den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Nach wie vor sind die Rahmenbedingungen für einen kräftigen Einkommenszuwachs der Verbraucher überaus günstig. Eine solide Beschäftigungsentwicklung bietet Spielraum für deutliche Einkommenssteigerungen. Angesichts der sehr niedrigen Inflationsrate bleibt auch real mehr in den Geldbeuteln. Die Rentner profitieren ebenfalls von der guten Lohnentwicklung, da die gesetzlichen Altersbezüge an die Lohnentwicklung gekoppelt sind.

Anschaffungsneigung: leichte Verluste

Konsumklima steigt erneut leicht

Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der einzelnen Indikatoren im April im Vergleich zum Vormonat und Vorjahr:

April 2015 März 2015 April 2014
Konjunkturerwartung 35,3 36,8 32,1
Einkommenserwartung 55,1 53,1 52,3
Anschaffungsneigung 58,3 63,0 48,6
Konsumklima 10,0 9,7 8,5

 

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des Konsumklimaindikators im Verlauf der letzten Jahre:

GfK-Indikator Konsumklima (Stand: April 2015)

grafik gfk konsumklimaindikator 

Zur Studie
Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie »GfK-Konsumklima MAXX« und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet, prognostiziert und ausführlich kommentiert. Darüber hinaus finden sich darin auch Informationen über die Ausgabevorhaben der Verbraucher für 20 Bereiche der Gebrauchsgüter-, Verbrauchsgüter- und Dienstleistungsmärkte. Die GfK-Konsumklimastudie wird seit 1980 durchgeführt.
Das Konsumklima bezieht explizit auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Der Einzelhandel macht jedoch – je nach Abgrenzung – lediglich etwa 30 Prozent der privaten Konsumausgaben aus. Der Rest sind Dienstleistungen, Reisen, Miete, Gesundheitsdienstleistungen sowie der gesamte Wellness-Bereich.
GfK prognostiziert für das Jahr 2015 einen Anstieg des privaten Konsums von 1,5 Prozent. Auch hierbei geht es nicht um die Einzelhandelsumsätze, sondern um die gesamten Konsumausgaben der Verbraucher. Im vergangenen Jahr prognostizierte GfK ebenfalls einen Anstieg des privaten Konsums um 1,5 Prozent. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist der private Konsum im Jahr 2014 real um 1,2 Prozent gestiegen.
Die Anschaffungsneigung ist – wie alle anderen Indikatoren auch – ein Stimmungsindikator. Sie fragt, ob die Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen. Selbst wenn sie dies mit »Ja« beantworten, müssen noch zwei weitere Voraussetzungen für einen Kauf vorhanden sein: Der Verbraucher muss das nötige Geld für eine solche größere Anschaffung besitzen und auch eine Notwendigkeit für diese Anschaffung sehen. Zudem handelt es sich hier tatsächlich ausschließlich um langlebige Gebrauchsgüter, die auch ein größeres Budget erfordern.
Die Ergebnisse der Stimmungsbefragung stammen aus monatlich durchgeführten persönlichen Interviews bei etwa 2.000 Personen, die repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland sind. Dieses Befragungsinstrument unterliegt ständigen Qualitätskontrollen, vor allem auch im Hinblick auf seine Repräsentativität. Die ausgesprochen hohe Qualität dieser Erhebung zeigt sich auch daran, dass sie für Umfragen im Bereich der empirischen Rechtsforschung (beispielsweise Verwechslungsgefahr von Produkten) verwendet und anerkannt ist. Das heißt, die Ergebnisse haben Gutachterqualität und müssen jeweils vor Gericht standhalten.
Die folgende Tabelle zeigt die einzelnen Indikatoren im Überblick:
Konjunkturerwartung
Diesem Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde: »Was glauben Sie, wie wird sich die allgemeine wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?« (verbessern – gleich bleiben – verschlechtern)
Einkommens-erwartung
Diesem Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde: »Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die finanzielle Lage Ihres Haushalts in den kommenden zwölf Monaten entwickeln?« (verbessern – gleich bleiben – verschlechtern)
Konsum- und
Anschaffungsneigung
Diesem Indikator liegt folgende Frage an die Verbraucher zugrunde: »Glauben Sie, dass es zurzeit ratsam ist, größere Anschaffungen zu tätigen?« (Der Augenblick ist günstig – weder günstig noch ungünstig – ungünstig)
Konsumklima
Dieser Indikator soll die Entwicklung des privaten Verbrauchs erklären. Seine wesentlichen Einflussfaktoren sind die Einkommenserwartung, die Anschaffungs- und die Sparneigung. Die Konjunkturerwartung wirkt eher indirekt über die Einkommenserwartung auf das Konsumklima.
Über GfK
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