Finanz- und Versicherungsvertriebe profitieren vom finanziellen Umfeld

illu hochhäuser db freeBereits seit über einem Jahr verliert die europäische Währung gegenüber dem Dollar an Boden. Für diese Entwicklung ist unter anderem die europäische Zentralbank verantwortlich. Sie hat vor Monaten begonnen, große Geldvolumina auf den Markt zu bringen, indem sie Wertpapiere und riskante Finanzprodukte von angeschlagenen, überwiegend südeuropäischen Banken aufkauft. Diese Geldpolitik wirkt sich zumindest kurzfristig positiv auf deutsche Haushalte aus. Unterm Strich haben die Deutschen in diesem Jahr so viel Geld wie lange nicht mehr zur Verfügung. Bei Einführung des Euros im Jahr 2002 lag das deutsche Geldvermögen bei 3.530 Milliarden Euro – heute, 13 Jahre später, liegt es bei 5.210 Milliarden Euro (ohne Immobilienwerte), wie die Bundesbank kürzlich mitteilte. Die Beschäftigung läuft ebenfalls auf Hochtouren, weshalb die Bundesbürger in Konsumlaune sind. Neben dem Handels-, Automobil- und Immobiliensektor profitieren mehr und mehr Finanz- und Versicherungsvertriebe von anlagefreudigen Geldgebern. Zu diesem Ergebnis kommt Creditsafe Deutschland.

Vermögen ist im Durchschnitt gestiegen

Unternehmen, deren Tätigkeiten sich im Kern mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen beschäftigten, konnten im einjährigen Betrachtungszeitrum ihr bilanzielles Gesamtvermögen um 3,7 % auf 11.432.607,31 Euro steigern, dies ergab die Datenauswertung von Creditsafe. Außerdem ergab die Analyse, dass die Vermögensverhältnisse bundesweit gleichmäßig anstiegen und nicht nur die etablierten Vertriebsunternehmen profitierten. Die bilanziellen Verbindlichkeiten der registrierten Finanz- und Versicherungsvertriebe summierten sich im Schnitt auf 6.649.348,89 Euro und waren damit um 1,8 % geringer als im Vorjahr. Für das kommende Jahr bleiben die Aussichten positiv, hauptsächlich weil die EZB die Zinsen weiterhin nahe null halten will und somit herkömmliche Anlageformen wie das Sparbuch oder Tagesgeld unattraktiv bleiben.

Kapitalunternehmen gründen in wirtschaftlich starken Regionen

Im Betrachtungszeitraum von 2013 bis Juli 2015 ließen sich in Bayern über 440 neue Firmen aus der Finanz- und Versicherungsbranche nieder. Auch in anderen einkommensstarken Gebieten wie in Hessen siedelten sich vier bis fünf Mal mehr neue Branchenvertreter an, als beispielsweise in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern, wo nur 45 beziehungsweise 23 neue Betriebe aus dem Finanz- und Versicherungsbereich registriert werden konnten.

Konjunktur bleibt in Schwung

Für Firmen, die mit dem Kapital anderer Menschen arbeiten, ist eine gute Konjunktur von fundamentaler Bedeutung. Nur wenn die Konsumenten genug Nettolohn in der Tasche behalten, bleibt etwas für eine Investition in Sachwerte, Fonds, Lebensversicherungen oder für einen Immobilienerwerb übrig. Im Zuge der Verhandlungen mit dem Iran werden westliche Sanktionen, die gegen das islamisch geprägte Land bestanden, aufgelöst. In Zukunft werden Geldmittel, die in europäischen und amerikanischen Banken eingefroren lagen, wieder aktiviert und dem Iran übergeben. Das Land besitzt die zweitgrößten Energierohstoff-Vorkommen und kann mithilfe des Kapitals die Ölproduktion fast unbegrenzt ausweiten. Dies führt zu einem weiterhin niedrigen Ölpreis. Nachdem der Kurs seit Ausbruch des Ukraine-Konflikts über 50 % einbüßte und derzeit bei knapp 50 Dollar liegt, vermuteten Analysten einen baldigen Kursanstieg. Der Iran wird diese Rechnung vermutlich egalisieren, denn mit jedem neuen Tropfen iranischem Öl wird der Kurs weiter destabilisiert und durch das Überangebot fallen. Dies hat Vorteile für alle in Deutschland. Angefangen von der Chemie-, Metall- und Transportindustrie, die von geringeren Herstellungs- und Transportkosten profitieren, bis hin zu den Konsumenten, die günstigere Produkte vorfinden und natürlich an der Zapfsäule sparen. Die günstigen Marktzinsen machen Tagesgeld oder ein Sparkonto bei der Bank längst unattraktiv. Vermögensberater bieten üblicherweise Investments verschiedenster Risikoklassen an. Die sicheren Produkte, wie der Bundesbrief oder andere Staatsanleihen, werfen nur äußerst geringe Zinsen ab. Fonds hingegen locken mit Renditen zwischen 4-12 %, wobei hier das Risiko ungleich höher ist.

Branchenteilnehmer sind meist Einzelunternehmer

Der überwiegende Teil von Finanz- und Versicherungsberatern ist in der Rechtsform Einzelunternehmen gegründet. Das ergibt sich aus der Datenerhebung. Sie sind oft vertraglich an Banken oder Versicherungen oder aber an Vertriebsunternehmen angeschlossen. GmbHs machen den nächstgrößten Anteil aus. Regionale Büros sind in Mittel- und Westdeutschland, insbesondere im Umkreis von großen Städten wie Frankfurt oder Köln, zu finden. GbRs und OHGs sind, gemessen an der Gesamtzahl, eher weniger registriert und spielen bei dem operativen Branchenumsatz eine untergeordnete Rolle.