Finanzen/Controlling im Handel: Dringender Handlungsbedarf durch Prozessdefizite

Mit der Fachbereichsstudie Finanzen/Controlling im Handel legt das Analystenhaus techconsult den ersten Bericht zur neuen Reihe der Fachbereichsstudien zum Business Performance Index Mittelstand D/A/CH vor [1]. Ziel dieser Berichte ist, Fachbereichsverantwortlichen in komprimierter Form die aktuelle im Zusammenhang mit den Fachbereichsprozessen stehenden Umsetzungsdefizite und dringendsten Handlungsfelder in ihrer Branche aufzuzeigen.

Sehr deutlich wird, wo die Handelsunternehmen im Bereich Finanzen/Controlling ihre Probleme haben. Dabei können zum einen Umsetzungsdefizite festgestellt werden, das heißt, dass die bisherige Umsetzung noch nicht das als wünschenswert erachtete Niveau erreicht hat, zum anderen wird auch sichtbar, bei welchen Teilprozessen am häufigsten Unzufriedenheit mit der Umsetzung besteht oder wo die IT-Unterstützung als verbesserungswürdig angesehen wird.

Budgetplanung im Großhandel verbesserungswürdig

Im Fokus der Analyse und Optimierungsplanungen im Großhandel mit Lebensmitteln sollte vor allem die Konsolidierung getrennter Geschäftseinheiten stehen, bei 30 Prozent der Unternehmen läuft dieser Prozess nicht einwandfrei. Betrachtet man nur die Unternehmen, die auch getrennte Geschäftseinheiten betreiben, liegt der Anteil sogar noch etwas höher. Im Textil-Großhandel sollten die Ertrags- und Risikokontrolle von Investitionen, die Budgetplanung und die Konsolidierung getrennter Geschäftseinheiten überprüft werden, mit denen mehr als ein Fünftel der Unternehmen Probleme haben.

Der Großhandel mit Maschinen/technischer Großhandel/Baustoff- und Elektrogroßhandel sollte die Budgetplanung und die konzerninterne Geschäftsabwicklung prüfen, bei denen knapp jedes dritte Unternehmen von Unzufriedenheit mit der Umsetzung berichten. Auch hier liegt der Anteil noch höher, betrachtet man nur die Unternehmen, die in einen Konzern eingebunden sind. Unternehmen des Großhandel Elektronik, Unterhaltung und IuK-Technologien sollten die Ertrags- und Risikokontrolle von Investitionen sowie die Liquiditäts- und Budgetplanung dringend optimieren, bei diesen Aufgaben liegt die bisherige Umsetzung noch nicht auf dem Niveau, das als angemessen erachtet wird. Gerade die Liquiditäts- und Budgetplanung sind als kritisch zu werten, um die Zahlungsfähigkeit sicher zu stellen und auch um über genügend Ressourcen und Personal über den Verlauf eines Geschäftsjahres zu verfügen.

Zahlungsstockungen durch optimierungsbedürftiges Forderungsmanagement

Der Lebensmittel-Einzelhandel weist zum einen ein Umsetzungsdefizit bei der Liquiditätsplanung auf, zum anderen wird das Forderungsmanagement schlecht bewertet. Dies kann sich als fatal erweisen, denn hohe Ausstände wegen fehlendem Forderungsmanagement belasten die Liquidität noch zusätzlich. Darüber hinaus herrscht bei der Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung bei 40 Prozent der Unternehmen Unzufriedenheit mit der Umsetzung. Daher sind Fachbereichsleiter aufgefordert diese Bereiche genauer auf den Prüfstand zu stellen. Der Textil-Einzelhandel sollte das Forderungsmanagement und die Konsolidierung getrennter Geschäftseinheiten genauer untersuchen, um die IT-Unterstützung zu verbessern und etwaige Umsetzungsprobleme zu beheben. Beim Einzelhandel Elektronik, Unterhaltung und IuK-Technologien gibt bei der Kosten- und Leistungsrechnung jedes fünfte Unternehmen an, unzufrieden mit der Umsetzung zu sein; insofern sollte auch hier im Einzelfall geprüft werden, ob Umsetzungsprobleme bestehen, die behoben werden können. Ansonsten laufen diese Unternehmen Gefahr, dass Wirtschaftlichkeit und schlussendlich der Erfolg der Unternehmensprozesse nicht mehr auf Basis objektiver Daten bewertet werden können.

Prozessoptimierung im Bereich Finanzen/Controlling nicht auf der Agenda des Handels

Der Blick auf die Unternehmensbereiche des Handels zeigt, dass gegenüber dem Vorjahr insgesamt gesehen überall leichte Performance-Zuwächse zu registrieren sind, einzig Finanzen/Controlling bleibt auf dem Vorjahresniveau. Nach Subbranchen differenziert weist der Großhandel bei Finanzen/Controlling im Vergleich zum Vorjahr eher Rückgänge auf, wohingegen der Einzelhandel eher Performance-Zuwächse verzeichnet. Dies ist insofern bemerkenswert, da der Handel im letzten Jahr die Prozessoptimierung als Herausforderung definiert hatte und diese auch offensichtlich verstärkt betrieben hat – sehr deutlich allerdings vor allem in den Bereichen Logistik und Personalwesen, nur in Ausnahmefällen auch im Bereich Finanzen/Controlling (EH Elektronik, Unterhaltung und IuK-Technologien).

infografik techconsult finanzen controlling

Welche Teilprozesse des Bereichs Finanzen/Controlling in den Subbranchen des Handels besonders gut oder schlecht laufen, analysiert die nun vorliegende Fachbereichsstudie, die ab sofort auf der Projektseite www.business-performance-index.de zum Download bereit steht und zudem jedem Fachbereichsentscheider die Möglichkeit bietet, seinen Bereich mit vergleichbar aufgestellten Handelsunternehmen zu vergleichen.

[1] An der repräsentativen Studie BPI Mittelstand Handel 2014/2015 beteiligten sich über 300 mittelständische Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Studie wird unterstützt von marcom source, itelligence, BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, cormeta, ERPsourcing, Microsoft, SAP und Swisscom IT Services, dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft sowie weiteren Partnern aus der ITK-Branche.

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